Welche Autos gibt es für 1.500 Euro?

Wenn der Wagen nur bis zum Frühling halten soll

Ich suche ein Winter-Auto

Schnee, Matsch und Salz: In den Wintermonaten müssen Autos richtig leiden – Stahl rostet, Dichtungen werden spröde, überall setzt sich Dreck fest. Liebhaber stellen dann ihr Schätzchen in die trockene Garage und kaufen sich für die widrige Zeit ein Winterauto zum Ge- und Verbrauch.
 

 
 
7. Oktober 2015

Autokauf ist (fast) wie die Liebe: Manche suchen was fürs Leben, andere nur für die nächsten Monate. Genauer gesagt: für die kalte Jahreszeit. Denn das ist die Zeit, in denen Autos richtig schnell alt werden.

Im Sommer fahre ich Youngtimer. Seine Sicherheitsmängel – langer Bremsweg, weder ABS noch ESP, kein Airbag – sind kein Problem bei trockenen Straßen und defensiver Fahrweise. Doch jetzt, im Winter?

Natürlich spare ich mir das Risiko, dass mir jemand hinten drauffährt. Oder ich jemandem. Und ich erspare dem guten Stück Frost, Dreck und Streusalz; es steht bereits eingemottet in der Garage. Was fahre ich stattdessen? Ganz einfach: Ich kaufe ein abgerocktes, altes Auto für die harte Zeit. Nicht für länger. Sobald die ersten Blumen blühen, wird es wieder verkauft. Oder verschrottet, mal sehen.

Ist das dekadent oder prekär?

Ein Zweitwagen für den Winter: Für manche mag das dekadent klingen, für andere eher prekär. Fakt ist, dass Autofahren im Winter ein Risiko darstellt. In der dunklen Jahreszeit passieren deutlich mehr Unfälle, weil die Sicht schlechter, der Untergrund rutschiger, die Gefahr von Extremwetterlagen wie Glatteis, Schneeschauer oder Orkan (natürlich) gewaltig größer sind.

Bei verschneiter Fahrbahn ist der Anhalteweg aus 100 km/h dreimal (!) so lang wie auf trockener Straße. Außerdem setzt die miese Witterung den Autos zu. Salz und Splitt greifen die Karosserie an, die hässlichen Folgen sind vergammelte Unterböden und rostige Radhäuser.

Wer seinen Wagen vor diesem Aderlass bewahren möchte, für den ist ein Winterauto eine sinnvolle Option. Und die Investition in das Saisonfahrzeug muss nicht einmal teuer sein. Jeder weiß: Vier neue Winterreifen kosten je nach Modell und Größe mehrere hundert Euro, Premium-Marken sogar weit über 1000 Euro. Dafür gibt es bereits viele gute Winterautos.

Mindestens sechs Monate HU

Ein brauchbares Winterauto soll natürlich nicht nur billig, sondern vor allem fahrbereit sein. Daher sollten Sie in der Suchmaske von mobile.de unter „Fahrzeughistorie“ das Kriterium „HU gültig (in Monaten)“ und hier mindestens 6 Monate auswählen. Bereits ab 600 Euro gibt es was – Sie sollten allerdings auch nicht mehr erwarten als ein verbrauchtes Altauto, das allenfalls bis zum nächsten Frühling durchhält. Aber vielleicht auch schon vorher den Geist aufgibt.

Mit verschlissenen Sitzen oder einem verschmutzten Kofferraum kann man als Winterauto-Fahrer noch ganz gut leben. Essenzielle Bauteile wie Bremsen, Licht und natürlich der Motor sollten einwandfrei funktionieren – das prüfen Sie auf der Probefahrt. Und noch mehr ist zu beachten: „Trotz TÜV-Plakette sollten Sie, vor allem bei günstigen Fahrzeugen, nicht auf eine persönliche Inspektion verzichten“, rät Jens Klingenberg vom Automobil-Club Verkehr (ACV).

Unfallschäden und Roststellen rücken bei einer automobilen Kurzbeziehung eher in den Hintergrund, doch Wischwasch-Automatik, Heizung und Lüftung müssen funktionieren. Doch das kann man der Laie überprüfen. Und ein Blick in die Fahrzeugpapiere gibt Aufschluss über einen möglichen Servicestau bei Motor und Technik.

Eingeschränkte Modell-Auswahl

Ob ein Winterauto sinnvoll ist oder nicht, hängt aus Sicht des ACV zudem vom Wohnort des Halters ab. „In Bayern überlegen sich sicher mehr Menschen ein Winterauto anzuschaffen, als in der milden Kölner Bucht“, sagt Experte Klingenberg. Aber auch im Rheinland kann es schon mal schneien. Und ein Mix aus Streusalz, Schneematsch und Streusplitt hinterlässt schnell hässliche Spuren auf dem Autolack. „Die sind bei neuen oder teuren Fahrzeugen umso ärgerlicher, zudem sie einen Werteverlust bedeuten.“ Eine Übersicht zeigt die Bildergalerie.

Grundsätzlich rät der ACV bei der Anschaffung eines Winterautos zu Fahrzeugen mit Front- beziehungsweise Allradantrieb. Keine Frage, ein Allrad-Auto sorgt natürlich für mehr Halt auf der Fahrbahn als eine Heckschleuder, die auf glatter Fahrbahn wegdriftet.

Die perfekte Wahl wäre zum Beispiel der Audi 100 quattro. Seine Wintertauglichkeit unterstrich der Hersteller 1986, als in einem TV-Werbespot ein roter Audi 100 CS quattro eine Skischanze in Skandinavien erklomm. Das Modell gehört noch heute und trotz seines Alters zu den „besten Winterautos“, empfahl kürzlich die Zeitschrift „Auto Bild“. Wenn er nur nicht so selten wäre.

Viele Winterautos werden zu Alltagsautos

Doch ganz ehrlich: Wann steckten Sie das letzte Mal so tief im Schnee fest, dass Sie beim nächsten Bauern klingeln mussten, damit er Ihr Auto mit seinem Traktor herausschleppt aus dem Matsch? Tatsächlich sind Tage mit Extremwetter auch im Winter relativ dünn gesäht. Also ist der Audi Quattro, den es nur noch vereinzelt gibt, kein zwingendes Muss für den Winter.

Menschen kaufen sich Winterautos schließlich nicht nur, weil der Winter so hart wäre. Sondern weil sie ihren Lieblingswagen schonen möchten. Fragt sich nur, was man nach dem Winter mit dem Winterauto macht: abwracken? Viele sind dafür eigentlich zu schade. Die kurze Affäre hat übrigens durchaus das Zeug zur Langzeit-Beziehung: Manche Winter-Autos überdauern die Zeitspanne, für die sie einst angeschafft wurden.

Wer jetzt feststellt, dass die Karre eigentlich zu schade ist, um sie schon wieder zu verkaufen, macht aus ihr ein Alltagsauto. Auch dieses Modell existiert in vielen Haushalten: Das eine Auto ist fürs Grobe (für Fahrten bei so genanntem Sauwetter, für Kurzstrecken, Einkäufe, Pendelfahrten und Transporte), das andere wird nur bei Schönwetter am Wochenende gefahren. Und zwar das ganze Jahr über, denn schöne Tage gibt es ja auch im Winter.

Schiebedach braucht ein Winterauto nicht

Mein Winterauto ist ein alter Mercedes W124 T geworden. Damit verletze ich zwar meine Grundregel von oben, nur Front- oder Allradantrieb zu kaufen. Andererseits hat der Kombi gewisse Vorteile, die mich dieses Manko vergessen lassen.

Vielleicht mache ich auch meinen Mercedes W124 zum Alltagswagen, wenn er sich in den nächsten Monaten bewährt und nicht in Rost zerfällt. Mit 189 000 Kilometern auf der Uhr sei ein W124 gerade mal „eingefahren“, meinte ein Mechaniker zu mir, der sich auf diese Baureihe spezialisiert hat. Und immerhin ist 1 Teil an dem Benz nagelneu: die HU-Plakette.

950 Euro hat dieser angejahrte 230E mit seinen vielen Beulen und Rostflecken vom Baujahr 1989 gekostet. Ok, das elektrische Schiebedach funktioniert nicht mehr. Aber wer braucht im Winter schon ein Schiebedach? Die Hauptsache ist doch, dass die Heizung funktioniert.

Weitere Beispiele für günstige Autos, die Sie über den nahenden Winter bringen, zeigt die Bildergalerie.

Text: Haiko Prengel