Kaufberatung: Gebrauchte Elektroautos

Kleiner Markt, großes Risiko

Gegen den Strom

Elektroautos sind in aller Munde, aber kaufen will sie kaum jemand. Dennoch: Es gibt einen kleinen Markt für Gebrauchtfahrzeuge, natürlich auf mobile.de. Welche der Batterie-Autos sind empfehlenswert?

17. Juni 2015

Die Bundesregierung ist offenbar hoffnungslos optimistisch: Sie hält am Plan, bis 2020 mindestens 1 Million Elektrofahrzeuge auf die Straße gebracht zu haben, stur fest. Bisher sind lediglich rund 35.000 Batterieautos bei uns unterwegs.

Wie diese Zahl erhöht werden kann, ist alles andere als klar. Bis Ende des Jahres soll es eine steuerliche Sonderabschreibung auf den Kauf eines Neuwagens mit Elektromotor geben. Ob das etwas nützt? In Norwegen wird sie gerade wieder abgeschafft.

Das geringe Interesse für Elektroautos spiegelt auch der Gebrauchtwagenmarkt wider: Knapp 1.000 E-Autos sind aktuell bei mobile.de im Angebot.
 

 
 

Der Markt ist erstaunlich jung

Dazu gehören Selbstbau-Mobile (von denen Sie die Finger lassen sollten), umgerüstete Ex-Benziner, überteuerte Jahreswagen und eine übersichtliche Zahl von Modellen zwischen dem Einsitzer City-EL, heute schon ein Youngtimer, und dem Renault Fluence, einer viersitzigen Limousine auf Basis des Kompaktautos Mégane.

Der Markt ist erstaunlich jung: Fast alle der angebotenen Fahrzeuge entstanden in den letzten fünf Jahren. Wie sollten Kaufinteressenten nun vorgehen? Zur Beruhigung: So groß sind die Unterschiede gar nicht, denn viele E-Autos basieren mehr oder weniger auf konventionellen Modellen.

So ist der VW e-up! hinsichtlich der Bremsen, der Karosserie und des Fahrwerks ein ganz normaler up! – hier kann wie bei einem spritgetriebenen Modell geprüft werden. Anders verhält es sich bei Antriebsstrang und natürlich bei der Batterie.

Steuerung über Touchscreen

Das, was Elektroautos zumindest an Ort und Stelle umweltfreundlich macht, ist zugleich ihr Problem: Bisher fehlen sichere Daten, wie lange die modernen Lithium-Ionen-Akkus halten, wie lange sie Ladung ohne nennenswerten Verlust speichern können, und wie lange die Leistungselektronik der neuen Batterie-Mobile am Leben bleibt.

Wer sich mit der neuen Technik nicht bei einem ausgiebigen Test vertraut macht, wird möglicher Weise Schiffbruch erleiden. Arnulf Thiemel vom ADAC Technik-Zentrum: „Bei einem Elektroauto ist die Probefahrt noch wichtiger als bei einem konventionell angetriebenen Fahrzeug.“ Mit der neuen Technik sind auch abweichende Bedienkonzepte ins Fahrzeug eingezogen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Tesla S. Thiemel: „Die meisten Funktionen werden über einen Touchscreen gesteuert. Wer schon mit Smartphones ein Problem hat, wird mit dem Tesla nicht glücklich“.

Vielleicht reicht die Reichweite nicht aus?

Ganz klassisch dagegen die Volkswagen-Elektroautos: Der e-Golf, seit 2014 im VW-Programm und tatsächlich schon als junger Gebrauchter auf dem Markt, ist so herkömmlich wie nur irgend möglich. Erst wer den Schlüssel dreht, erkennt beim fehlenden Motorgeräusch, was er da vor sich hat.

Geschmackssache sind auch avantgardistische Karosserieformen vieler Elektroautos. Ein besonders krasses Beispiel ist der BMW i3: Noch ist die Neugier der Menschen so groß, dass man auf jedem Parkplatz ausgiebig Rede und Antwort stehen muss. Das würde mit einem eher konventionell gezeichneten Nissan Leaf, seit 2010 im freien Verkauf, eher nicht passieren.

Zu den grundsätzlichen Überlegungen vor dem Kauf gehört auch die Frage, ob ein reines Elektroauto mit der geringen Reichweite überhaupt das Richtige ist, oder ob es doch besser ein Hybrid-Fahrzeuge wie der Opel Ampera oder der BMW i3 sein sollte. Diese verfügen entweder serienmäßig (Opel) oder optional (BMW) über einen Range Extender. Das sind zusätzlich eingebaute, kleine Benzinmotoren, die die Reichweite bei Ebbe im Akku verlängern können.

E-Auto-Überführung muss geplant werden

Zu bedenken ist außerdem die lokale Einschränkung: Die meisten Elektroautos haben kaum mehr als 120 Kilometer Reichweite, danach muss 6-8 Stunden geladen werden. Bereits die Überführungsfahrt des neu erworbenen Fahrzeugs muss also sorgfältig geplant werden.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, hat anschließend die Wahl zwischen zwei Modell-Gruppen: 1. die 1. Generation, inzwischen schon etwas veraltet, aber dank guter Pflege ihrer passionierten Erstbesitzer immer noch gut in Schuss. Leider sind die Fahrleistungen dieser Pionier-Produkte auch von gestern.

2. Die neuen, relativ teuren Hightech-Produkte der letzten fünf Jahre. Sie machen den wesentlichen Teil des Elektroauto-Gebrauchtmarkts aus. Viele stammen nach Beobachtungen des ADAC aus größeren Fuhrparks, zum Beispiel von Energieversorgern, die derzeit noch den größten Teil der Stromer betreiben. Oder sie stammen – seltener – von privaten Elektrik-Enthusiasten, die ein Stromauto aus Öko-Überzeugung oder aus Begeisterung für die neue Technik gekauft haben.

Neue E-Generation ist meist gut gepflegt

Ob nun vom E-Werk oder vom E-Fan: Diese Elektroautos aus 2. Hand sind meist gut gewartet und gepflegt. Außerdem verfügen sie über ein entscheidendes Merkmal: Die Herstellergarantie auf die teuersten Teile im Stromer, die Akkus, ist noch gültig – üblich sind hier 6-8 Jahre.

Dass man diese selten bis nie in Anspruch nehmen muss, beweisen bisherige Erfahrungen mit Hybridautos. So gilt der Toyota Prius (seit 1997) als extrem zuverlässiges Fahrzeug, das die HU-Statistiken anführt.

Egal, ob erste, zweite oder die aktuelle dritte Generation: Schäden an den Akkus sind nahezu unbekannt. Bei reinen Elektroautos kommt noch etwas hinzu: Viele verschleißfreudige Bauteile wie Kupplung, Getriebe, Anlasser, Auspuff, Zündanlage, Kraftstoffanlage etc. existieren bei ihnen nicht, können also auch nicht kaputtgehen. Das spart langfristig eine Menge Wartungs- und Teilekosten.

Gebrauchtwagenpreis hängt vom Akku ab

Andererseits lauert ein Problem, über das derzeit noch niemand spricht: Vorläufig sind die Lithium-Ionen-Hochleistungsakkus der neuen Elektroautos sehr teuer. Geht nach zehn Jahren der Batteriesatz kaputt (bzw. in die Knie), ist das Fahrzeug praktisch nichts mehr wert – weil der Wiederanschaffungswert der Akkus den Restwert des Wagens eliminiert.

Will man dieses Risiko eingehen oder (mit einer gewissen Berechtigung) darauf spekulieren, dass in ein paar Jahren die Batteriepreise erheblich gesunken sein werden? Das ist ein Gedankenspiel, das jeder Käufer allein vollziehen muss.

Unbedingt sollten Sie also die Lebensdauer der Akkus bedenken und mit dem Kaufpreis ins Verhältnis setzen. So traurig es auch ist: Unter diesem Gesichtspunkt sind viele Preisvorstellungen von Verkäufern gebrauchter Elektroautos eindeutig zu hoch.

Langzeitqualität noch nicht untersucht

Die ADAC-Pannenstatistik oder ähnliche Untersuchungen von TÜV oder Dekra können hier vorläufig nicht weiterhelfen. Es existieren schlicht und ergreifend noch keine aussagekräftigen Zahlen, dazu sind die Beobachtungszeiträume zu kurz, und es gibt auch noch viel zu wenig Fahrzeuge. Selbst vom Nissan Leaf, weltweit in mehr als 150.000 Stück verkauft, gibt es keine Daten über die Langzeitqualität.

Daher hängt die Entscheidung für ein gebrauchtes Elektrofahrzeug heute eher von den Fragen des Umfeldes ab als vom Auto selbst: Habe ich eine Ladestation am Haus, die mehr Leistung liefert als die Haussteckdose? Und falls ja: Ist das interne Stromnetz nicht zu angejahrt, dass es beim Laden in die Knie geht?

Und hinsichtlich der Nutzung: Passt mein Fahrprofil zu der geringen (und im Winter nochmals niedrigeren) Reichweite? Habe ich am Arbeitsplatz eine Möglichkeit, nachzuladen? Wenn das alles kein Problem ist, kann der Strom fließen.

Welche Elektroautos sind auf dem Gebraucht-Markt? Weitere Info in der Bildergalerie.

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gebrauchte Elektroautos

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund, Roland Wildberg