Vorsicht, schlechte Qualität

Aufpassen bei diesen Gebrauchtwagen

Mängel in Mengen

Alle sechs Jahre kaufen Deutschlands Autofahrer einen neuen Gebrauchtwagen. Keiner möchte mehr bezahlen als nötig, doch hier die Warnung: Die billigsten Modelle sind – wie so oft – die schlechtesten. Top 10 der Gebrauchtwagen, bei denen Sie besonders aufpassen müssen.

 
 
13. Oktober 2015

Wie so ein PT Cruiser sich wohl fühlen muss? Immer der Geschmähte sein, immer auf allen Mängellisten ganz oben, allenfalls als schlechtes Vorbild taugt der auch äußerlich schon dubiose Kompaktwagen.

Es hätte so schön sein können: Pünktlich zum neuen Jahrtausend präsentierte Chrysler im Jahr 2000 das Retroauto PT Cruiser, wobei PT für „Personal Transportation“ steht. Doch es dauerte nicht lange, und der ebenso flott gezeichnete wie praktische Chrysler hatte seinen Spitznamen weg: „Pity-Cruiser“, also Mitleids-Kreuzer.

Mitleid kann man mit den Käufern wirklich haben, denn schon die viertürige Limousine (das für seine schlechte Sicht nach hinten und dauerhaft undichte Dach bekannte Cabrio lassen wir außen vor) ist in der Qualität unterirdisch.

Irgendwann kommen hohe Reparaturkosten

Dazu kommen im Alltag hoher Verbrauch der Benziner, regelmäßiger Ärger in fast allen relevanten Baugruppen bei der Hauptuntersuchung, anfällige Achsen oder eine spinnende Elektronik. Kein Wunder, dass es angejahrte Exemplare schon für unter 1.000 Euro gibt. Aber irgendjemand muss sie doch kaufen?

Sicher, sie werden gekauft. Doch nicht nur bei Schuhen, auch bei Autos gilt die Regel: Wer billig kauft, kauft 2x. Das heißt hier: Eher früher als später warten horrende Reparaturkosten auf den Billig-Käufer. Und noch mehr Reparaturen. Und noch mehr...

Sicher, die niedrige Anfangsinvestition hat auch ihre Vorteile. Doch es gibt für wenig mehr als diese Billigheimer auch wirklich gute Autos, die zwar in die Jahre gekommen sind, aber auch nach 150.000 km noch weitgehend mängelfrei sein. Aber um die geht es hier ja nicht.

Auch Mercedes nicht frei von Macken

Sondern um die falschen Fünfziger, die Nieten und die halben Portionen, die bewusst nur für wenige Betriebsjahre gebaut wurden und danach unweigerlich stückweise schlapp machen. Liderliche Verarbeitung, Konstruktionsmängel und hoher Verschleiß sind die Kennzeichen schlechter Produkte.

Und der Blick ins Gruselkabinett des Gebrauchtwagenmarktes offenbart auch Überraschungen. Wenig verwundernd mag es beispielsweise sein, dass das Cabrio-Coupé Mercedes SLK sich mit einer Mängelquote von nur 2,4% ganz oben auf dem Siegertreppchen beim TÜV-Report 2014 breit macht, während das Billigauto Dacia Logan von einer Mängelquote von 15,7% nach unten gerissen wird. Auch die schlechten Plätze von Fiat Panda oder Alfa Romeo Mito überraschen uns kaum.

Aber wer jetzt einen Mercedes nach dem Motto: „Alles mit Stern muss auch gut sein“ – blind kauft, macht eventuell etwas falsch. Jedenfalls wenn er sich das erste Mercedes-SUV, die M-Klasse anlacht, die unter den Zehnjährigen mit einer Mängelquote von 43,2% unangenehm (und nach Mercedes-Manier sehr teueren Reparaturkosten) auffällt.

Auch VW hat 1 notorisches Pannenauto

Das nächste Beispiel für einen Unterschied zwischen Image und Realität stammt von VW. Auch bei Volkswagen läuft und läuft und läuft nicht immer alles, wie uns ein alter Werbespruch weismachen will. Der ADAC teilt die Autos nach einer „Pannenkennzahl“ ein. Eine 15 beispielsweise steht dafür, dass 15 Autos von 1.000 des identischen Typs im vergangenen Jahr eine Panne hatte, zu der die Helfer ausrücken mussten.

Das stabilste Modell beim ADAC 2015 kommt auf weniger als eine Panne pro 1.000 zugelassener Fahrzeuge und ist kein Volkswagen, sondern der BMW X1 (Baujahre 2011 und 2012). Der höchste und damit schlechteste Wert liegt bei 75,6 Pannen je 1.000 zugelassener Fahrzeuge und wird von der VW-Großraumlimousine Sharan des Baujahrs 2006 erreicht. 

Eine Übersicht der notorischsten Pannenautos zeigt die Bildergalerie.

Elektrik ist das größte Problem

Pannenursache Nummer 1 bei allen Autos war auch 2014 die Elektrik (Batterie, Generator, Anlasser, Beleuchtung). Beim TÜV fielen ebenfalls die meisten mangelhaften Autos während der Prüfung mit defekter Beleuchtung auf – und deshalb durch. Auf den Plätzen dahinter gruppieren sich abgenutzte Bremsscheiben, Achsgelenke vorn und der altbekannte Ölverlust ein.

Eigentlich ist davon auszugehen, dass ein Auto mit steigender Produktionsdauer immer besser wird. Erscheint ja auch logisch: Die Zusammenarbeit im Werk spielt sich ein, erkannte Mängel bessert der Hersteller nach.

Anders der Zweisitzer Smart fortwo laut ADAC-Pannenstatistik 2014: Richtig gut ist das winzige Auto aus dem Daimler-Konzern nie, aber in den Baujahren 2004 und 2006 immerhin im Durchschnitt, wohingegen die Baujahre 2005 und 2007 unterdurchschnittlich sind. Ein echtes Auf und Ab.

Manchmal sind alte Modelle besser

Entgegen der Erwartung, dass Autos immer besser werden, verhält sich auch der japanische Kleinwagen Honda Jazz. Älteren Modelle sind hier besser als die Neuen: Der Honda ist in den Baujahren 2004 bis 2006 recht zuverlässig, aber es häufen sich bei den neueren Baujahren (2008 bis 2011) die Pannen. Mehr Konsequenz zeigen da Fiat Punto oder Peugeot 308, die in allen Baujahren laut ADAC-Pannenstatistik im besten Falle dürftig abschneiden.

Wobei man bei der Wahl der Quellen immer ein wenig aufpassen sollte. Ein gutes Beispiel ist das Billigauto Dacia Sandero, der Kompaktklasse zugehörig. Im Dekra-Report 2014 kommt der Dacia gar nicht gut weg, obwohl es ihn erst seit Mitte 2008 gibt.

Überdurchschnittlich häufig macht er bei den Hauptuntersuchungen Ärger: Unter anderem bemängeln die Prüfer Schäden an der Elektrik und Elektronik, der Baugruppe Motor und Umwelt sowie an Fahrwerk und Lenkung.

Dacias nicht durchweg schlechte Autos

Eitel Sonnenschein dagegen beim ADAC: Bereits seit dem 2. Produktionsjahr 2009 gehört der Sandero immer zu den Guten. Des Rätsels Lösung könnte so lauten: Offenbar sind die Bauteile des Dacias nicht sonderlich hochwertig und verschleißen eher schnell. Das fällt dann bei der Hauptuntersuchung auf. Doch der fällige Termin ist immer nur eine Momentaufnahme.

Anders beim ADAC: Er beobachtet die Autos nicht an einem bestimmten Zeitpunkt, der Hauptuntersuchung, sondern laufend. Und ganz offensichtlich ist es so, dass die schadhaften Teile des Dacias eines nicht tun: ihn am Fahren zu hindern.

Und offenbar ist die überwiegende Sandero-Kundschaft auch bereit, notwendige Reparaturen schnell anzupacken, um den Wagen fahrbereit zu halten. Gefährlich – und natürlich auch teuer – werden Wartungsstaus in der Regel erst bei älteren Fahrzeugen.

Hier besser nicht zugreifen: Gebrauchtwagen mit den größten Mängeln bei HU und Pannenstatistik zeigt die Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund