Kaufberatung: GTI, Manta & Co.

Zeitreise in die wilden 1980er-Jahre

Die Disco-Düser

Ich geb Gas – ich will Spaß! Was für die Disco-Parkplätze der 1980er-Jahre galt, ist immer noch gut für die Gegenwart: Ford Capri, VW GTI und Opels Manta sind inzwischen Youngtimer und ein (noch) preisgünstiger Untersatz, um einen flotten Ausflug in die guten, alten Zeiten zu unternehmen. Hier die coolsten Kisten von damals für heute.

31. März 2015

Also ehrlich: Wir sind doch heute alt genug, um selbst zu entscheiden. Keine besorgten Eltern reden uns mehr ein, ein Sportcoupé mit 75 PS sei „selbstmörderisch hoch motorisiert“. Unser Geld können wir auch zusammen halten; ein günstiger Zweitwagen ist da problemlos drin. Und sogar über Gefühle brauchen wir nicht mehr grübeln: Wir wissen heute, was wir wollen – und um Bestätigung zu finden, müssen wir auch nicht fremdgehen.

Bestätigung finden wir (endlich) bei der ersten Liebe: Heute drehen wir uns nicht mehr leichtfertig nach Vorübergehenden (Damen) um, das ist vorbei. Aber wir drehen uns (umso häufiger) nach Vorüberfahrenden (Autos) um. Zum Beispiel nach den Traumautos unserer Jugend.

Capri, Opel GT und natürlich VW Golf GTI – auch heute noch knackige Kisten, an Bord Fahrspaß in Serie. Jede Fahrt mit ihnen ist wie eine Reise zurück in die Zeit, als uns die Zukunft grenzenlos erschien. Denn die 1980er-Jahre waren einfach toll. Trotz Hochrüstung und Umweltsorgen ließ sich damals so unbeschwert jung sein wie vielleicht nie wieder. Und jung sein hieß damals: Frei sein, Auto fahren, möglichst mit Vollgas und bis zum Horizont.

 

 
 

 

Die erste Liebe vergisst man nie

Über die Jahre habe ich eine Menge Autos besessen, aber natürlich geht auch mir die erste (Auto-)Liebe nicht aus dem Kopf. Bei mir war es ein Alfa Romeo Bertone, leicht ranzig, aber für 3.300 Deutsche Mark noch ganz gut beisammen.

Damit war ich auf dem Schulparkplatz ein Exot, die Mehrzahl der Discorenner jener Tage stammte aus deutscher Produktion. Das verlieh mir beim anderen Geschlecht einen gewissen Sonderstatus, der weniger auf dem berühmten Doppel-Nockenweller des Alfas denn auf schierer Neugier basierte.

Im Autokino oder vor besagter Disco angekommen, waren technische Details, soweit sie das Auto betrafen, egal – hier rückte eher die Beschaffenheit des Innenraums in den Vordergrund. Und die war beim Alfa noch vorteilhafter, denn die Beschaffenheit war vor allem: eng.

Die 80er waren einfach toll!

Wer in den 80er-Jahren des vorigen Jahrtausends jung war, kann auf bewegte Zeiten zurückblicken: Die Grünen gründen sich, neben ARD und ZDF kamen plötzlich Privatsender ins heimische Wohnzimmer, 1983 stellt sich heraus, dass die Hitler-Tagebücher doch nicht ganz so echt waren wie das Magazin „Stern“ vermutete, Helmut Kohl wurde Bundeskanzler und arrangierte später die deutsche Einheit. Alles gut also?

Weit gefehlt, denn wir, die Jugend der Republik, war sich uneins wie nie zuvor. Man lernte einander noch nicht in Partnerbörsen oder auf Facebook kennen, sondern überwiegend in Discotheken.

Wer in den 80ern jung war, erinnert sich an das Ritual: Nachdem die Basics abgecheckt sind (Karottenhose? Schulterpolster? Lederschlips?), war noch eine existentielle Frage zu klären: Was fährst du? Sag mir was du fährst, und ich sage dir, ob das was werden kann.

Das eigene Auto wurde geliebt

Dabei ging es nicht um die in den 80ern aufkommenden Sicherheitsfeatures wie Airbag oder ABS, auch der neue Katalysator war nicht das beherrschende Thema, nein: Cool musste ein Auto sein.

In etwa so leidenschaftlich wie heute die Entscheidung für Apple oder Android diskutiert wird, ging das damals beim jeweiligen Automodell zu. Besonders leidenschaftlich war die Feindschaft zwischen Volkswagen- und Opel-Fans.

Aufkleber signalisierten die innige Verbundenheit mit der eigenen Marke: „VW fahrn is wie wennste fliechst“ oder simpler: „GTI-Schreck“ klebte am tiefergelegten Opel Kadett GSi. Bekannt und berüchtigt war auch das „Opel-Jagdgeschwader“ (natürlich motorisiert mit Produkten aus dem Hause VW).

Es geht auch ohne Ferrari F40

Coole Autos gab es in den 80ern viele, den Ferrari F40 etwa oder den BMW Z1. Wer allerdings kein Millionärssohn war, dem blieb eher das tägliche Brot der Gebrauchsautos. Die stammten dann zwar aus den Baujahren vor allem der 70er, prägten aber die 80er in besonderer Weise.

Doch auch wenn sie wesentlich günstiger in Anschaffung und Unterhalt als Ferrari & Co. und heute oft gesuchte Youngtimer sind – armselig waren sie damals schon nicht.

Die knackigen Linien des Manta A beispielsweise wären auch in wesentlich höherwertigen Preisklassen goutiert worden.

Ein Coupé muss sein

Coupés waren natürlich die angesagteste Bauform. Vier Kumpels ließen sich für den Weg zur Disco meist trotzdem unterbringen.

Die Fahrt wurde begleitet vom damals liebsten Zubehör: Der basslastigen Stereoanlage. Tonnenförmige Subwoofer im Kofferraum schmälerten dessen Volumen, nicht jedoch den Unterhaltungswert.

Auf welche Marke man dabei vertraute, teilte man der Umwelt mit riesigen Kenwood- oder Pioneer-Aufklebern mit.

Design auch im Lack

Apropos Optik: In den 80ern waren Designlackierungen schwer in Mode. Entweder serienmäßig wie beim Rallye-C-Kadett von Opel (siehe Bildergalerie) oder nachträglich aufgetragen.

Ein Star der Szene war sicherlich Rainer Buchmann, der hochwertige Tuningobjekte ablieferte. So ein Golf mit Iriodin-Speziallack der Firma Merck, dem ersten Digitalarmaturenbrett und Bedienungselementen im Lenkrad kam dann auf 50 bis 60.000 Mark. Rainer Buchmann: „Wir machten sechs Autos in den Farben des Regenbogens.

Nach dem bekannten Polaroid-Porsche waren wir die ersten, die Lack mit kristallinen Elementen auf den Markt brachten“. Wo diese Autos sind? Rainer Buchmann sucht nach ihnen, sie wären heute sicher wertvoll.

Nur gutes Tuning wird akzeptiert

Wer sich mit den passenden Autos für den Disco-Parkplatz beschäftigt, kommt sowieso um das Thema Tuning nicht herum. Die Buchmann-Autos sind sicherlich ein Sonderfall, aber gibt es ein verbindendes Element?

Tuning bei Klassikern ist nicht mehr so verpönt wie noch vor wenigen Jahren, sagt Frank Wilke, Geschäftsführer des Marktbeobachters Classic Analytics: „Man muss beim Thema Tuning stark unterscheiden.

In schlechter Qualität aufgebrezelte Normalversionen sind wesentlich weniger wert als Serienautos. Aber: Noch vor zehn Jahren waren die extrem umgebauten Koenig-Mercedes ebenfalls billiger, heute sind sie schon gleich teuer“.

Vieles wird heute mit Humor betrachtet

Es sei heute auch die Tendenz zu beobachten, den mitunter sehr seltsamen Geschmack früherer Jahre mit Humor zu begleiten, ähnlich den Lederschlipsen oder Schlaghosen. Dazu aber muss das Auto von einer bekannten Adresse und in hoher Qualität umgebaut worden sein.

Wilke: „Ein typisches Beispiel sind Alpina-BMW. Das sind hochwertige Sportwagen, die nur zufällig wie eine Limousine aussehen. Da ist es nur logisch, dass diese jetzt auch preislich in einer Liga mit Porsche spielen“.

Die 80er Jahre waren auch die Zeit der Konzeptfragen: Lieber auf den althergebrachten, als sportlich geltenden Heckantrieb vom BMW 2002 tii vertrauen, oder doch den fortschrittlichen Frontantrieb der Kompakt- und Kleinwagen a lá Opel Corsa wählen?

Das adäquate Popper-Mobil

Diese Wahl hing auch von der ganz persönlichen Einstellung in den 80ern ab. Ausgehend von Hamburger Gymnasien entwickelte sich in den frühen 80ern deutschlandweit eine eigene Jugendkultur, die Popper. Diese pflegten einen ausgeprägt hedonistischen und materiellen Lebensstil – klar, dass hierzu auch der fahrbare Untersatz beitragen musste.

Ein Manta, ein Capri – nein, mit so etwas hätten sie nicht direkt vor der Schule geparkt. Ein Golf I als Cabrio mit NF auf dem Kennzeichen (was auf eine Zweitwohnung in Sylt hinweist) musste es schon sein. Ihnen gegenüber standen die eher friedliebenden Alternativen (Fahrrad), die Ökos (Fahrrad oder Mercedes /8 200er Diesel für die Fahrt zu Anti-AKW-Demo) sowie die Rocker (Motorrad).

Wenn man es genau nimmt: Es ist eigentlich alles wie heute. Egal ob man früher auf Ente oder Opel GT stand – sie alle sind heute zu gesuchten Klassikern gereift und spiegeln genau das wider, was man damals schon war. Das mobile.de Magazin hat einige der angesagtesten Autos der Disco-Parkplätze für sie gefunden und in der Bildergalerie zusammengestellt.

Mehr Sport-Coupés der 1980-er und ihre Preise heute in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund