Kaufberatung: Die billigsten Ferraris

Gebrauchte Sportler aus Maranello

Einmal im Leben rot sehen

Die meisten von uns haben einen Ferrari bisher nur aus der Ferne gesehen. Dabei kosten nicht alle der roten Renner aus Maranello gleich ein Vermögen. Es gibt gebrauchte Ferrari sogar schon ab 25.000 Euro. Ist das die Offenbarung – oder der erste Schritt zum Offenbarungseid?

21. Juli 2015

Manche Experten sprechen bei Ferrari schon von einer Preisblase. In den vergangenen Jahren kannten die Preise für klassische Modelle der legendären italienischen Sportwagenmarke nur eine Richtung: steil aufwärts. Konnte man vor zwei Jahren einen gebrauchten Zwölfzylinder-Testarossa noch für rund 50.000 Euro erwerben, wird für den Donnerbolzen inzwischen das Dreifache verlangt.

Das betrübt die Fans der Marke. Bester italienischer Motorenbau, das unvergleichliche Geräusch der Acht- und Zwölfzylinder – viele Menschen träumen von dieser Techno-Ästhetik. Ein Ferrari ist etwas Besonderes, Fahrspaß höchster Güte eben. Viele haben ihren Traum, wenigstens einmal im Leben einen Ferrari zu fahren, längst begraben. Doch nur Mut!

Denn es gibt sie: Ferraris, die auch für Normalverdiener bezahlbar sind.

 
 

 

Exportfahrzeuge aus Italien oder USA

Beeindruckend: Wer bei mobile.de nach gebrauchten Ferraris sucht, findet derzeit rund 2.000 Exemplare. Und preislich geht es schon ab knapp 25.000 Euro los! Das ist natürlich kein Taschengeld, aber eben auch nicht unerreichbar teuer für einen echten Fan, der seiner Leidenschaft zuliebe auf vieles verzichten würde.

Doch ist es auch vernünftig? Oder sind das alles Bastelbuden, die einen nahezu unauflösbaren Reparaturstau vor sich herschieben, verunfallte Exemplare oder Rostlauben? Schon auf den ersten Blick fällt auf: Viele Dumping-Ferrari, die zu einem Bruchteil ihres Neupreises auf den Markt geworfen werden, kommen aus den USA und Italien.

„Aus den USA importierte klassische Ferrari sind durch die alte Katalysatoren-Technik leistungsschwächer als europäische Versionen – das können schon mal 20 bis 40 PS weniger sein“, sagt Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic Analytics. Das Problem verschärfe sich bei Fahrzeugen aus dem US-Staat Kalifornien, wo die Gesetze zur Luftreinhaltung nochmals strenger sind.

Einstiegsmodelle sind günstiger

Der Experte erklärt: Es gibt zum Beispiel Ferrari 308 GTBi aus den USA, die nur noch maximal 190 PS entwickeln – nicht gerade das, was Käufer eines Supersportwagens wollen. Italienische Fahrzeuge dagegen sind fast immer technisch identisch mit denen, die nach Deutschland ausgeliefert wurden. Dies gilt allerdings nicht für den italienischen Markt gefertigte Versionen wie den 208 GT4 oder den 208 GTB.

Der zweite Grund für günstige Kurse ist die individuelle Popularität einzelner Modelle. Ein Pferd auf der Front haben sie alle, aber: im Publikumsgeschmack wurden manche zu stolzen Rössern, andere zu mageren Kleppern. So sind Ferrari Mondial, 308 GT4 oder auch der 348 tb allesamt Einstiegs-Ferrari, die in relativ hoher Stückzahl produziert wurden; vom 308 entstanden beispielsweise 6.116 Exemplare.

Wilke: „Da meint jeder schon mal gehört zu haben, dass dem Einstiegsmodell der Makel des Günstigen, nicht Werthaltigen anhaftet. Das drückt die Preise. Dabei sind das vollwertige Ferraris.“ Auch den überaus gefälligen 308 GTS gab es lange Zeit für rund 45.000 Euro – jetzt werden für Spitzenexemplare über 100.000 Euro verlangt.

Die Szene mag nicht jeden Ferrari

Eine relativ kleine Fangemeinde urteilt hier gnadenlos; Daumen rauf oder eben runter. Ein Ferrari, der bei ihnen durchgefallen ist, ist automatisch uncool, und das möglicherweise auf ewig.

Es geht also vor allem um das jeweilige Modell (siehe Bildergalerie mit den Ferrari-Schnäppchen). Beispiel Ferrari Mondial: Er trägt zwar einen Mittelmotor, ist aber auch ein Viersitzer.

Die Kabine rückt daher nach vorne, was zu nicht ganz stimmigen Proportionen im Design führt. Beim Mondial beobachtet Classic Analytics trotzdem eine Preissteigerung von 10 bis 15 Prozent, denn der Mondial wird vom technisch ähnlichen 308 quasi mitgezogen.

Gut gepflegt und regelmäßig gewartet

Bei einem sportlichen Ferrari spielt auch die Lackfarbe eine gewichtige Rolle. Kurz gesagt: Alles, was nicht rot ist, ist mindestens 10 Prozent günstiger. Wilke: „Farben, die an einem Ferrari wirklich seltsam aussehen, wie Braun-Metallic etwa, können zu einem Preisabschlag von mehr als zehn Prozent führen.“

Allerdings ist auch hier wieder das jeweilige Modell entscheidend. Es gibt sogenannte Gentlemen-Ferrari wie den 400i oder den 456 GT. Elegante Gleiter mit Zwölfzylinder, bei denen Rot als zu auffällig gilt.

Bei diesen Modellen hat der recht günstige Einstiegspreis eine andere Ursache: Hier wird die Auslegung als zu unsportlich („Altherren-Ferrari“) empfunden. Haben sie zudem noch ein Automatikgetriebe, rauscht der Preis um nochmals 15 Prozent herab. Ein roter 400i oder 456 mit Automatik ist somit eine günstige Gelegenheit für Schnäppchenjäger.

Wirklich billig ist ein Ferrari nie

Wobei der Begriff „Schnäppchen“ relativ gesehen werden muss. Gerade bei Ferrari ist die alte Weisheit hoch aktuell: „War er billig, wird er teuer“. Das bezieht sich vor allem auf die teils exorbitanten Wartungs- und Reparaturkosten bei einem Instandhaltungsstau. Es gibt z. B. beim Volumenmodell 308 mit V8-Motor manchmal Engpässe in der Teileversorgung, so dass ein benötigtes Ersatzteil dann zu Tagespreisen gehandelt wird. Und das Problem potenziert sich bei Zwölfzylindern wie dem 400i oder 456.

Frank Wilke: „Gerade die günstigen Ferraris haben die größten Lücken im Scheckheft“. Und schon die reine Wartung eines Ferrari ist extrem teuer. Beim Ferrari 348 tb beispielsweise kostet ein Ölwechsel 450 Euro, alle 20.000 Kilometer müssen die Ventile eingestellt werden (800 Euro). Und das sind nur die „kleinen“ Wartungsarbeiten.

Denn es gibt ja den Zahnriemen. Der muss alle drei Jahre getauscht werden; was mindestens 3.400 Euro kostet. Wer dafür zu geizig ist, wird wenig später noch mehr berappen: Für die Motorüberholung nach einem Riss des Zahnriemens kassiert Ihr freundlicher Ferrari-Spezialist ab 22.000 Euro.

Unbedingt Wartungskosten kalkulieren

Worauf also muss man bei der Technik achten, wenn man einen gebrauchten Budget-Ferrari kaufen möchte? Arnulf Thiemel von ADAC-Technikzentrum warnt: „Wer bei einem solchen Gebrauchtkauf Fehler macht, muss sie anschließend erheblich teurer bezahlen als beim Kauf eines Fahrzeuges aus einem ‚normalen‘ Preissegment.“ Reparaturen an den exotischen Hightech-Produkten würden erfahrungsgemäß meist dramatisch teuer – es gebe oft nur Ersatzteile aus einer einzigen (autorisierten) Quelle, nur selten Gebrauchtteile und auch nur wenige Betriebe, die alle Arbeiten an den Exoten durchführen können.

Das bedeutet auch, dass die Fahrt zu einem Prüfzentrum von ADAC, Dekra, GTÜ, KÜS oder einer anderen Gutachter-Organisation vielleicht nicht ausreicht. Ein Massenprodukt wie etwa den VW Golf kann jeder versierte Kfz-Mechaniker durchchecken, ein hochgezüchtetes Rennpferd aus Maranello dürfte die meisten Prüfer überfordern.

Hilfreich kann es daher sein, Experten für solche Fahrzeuge (etwa aus einem der Marken- oder Liebhaber-Clubs) zu Rate zu ziehen, die sich mit typischen Schwachstellen besonders gut auskennen. Kostenlos machen die das natürlich auch nicht. Schließlich müssen Interessenten sich bewusst machen, dass es nicht nur der Freundeskreis, sondern auch die Zahl der Experten für so seltene Fahrzeuge – und damit auch der gesamte Erfahrungsschatz – sehr begrenzt ist.

Günstige gebrauchte Renner aus Maranello zeigt die Bildergalerie.

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Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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