Kaufberatung: Bus-Klassiker

Hilfe, der Bulli wird unbezahlbar

Es gibt ein Leben nach dem T1

Jeder kennt sie, jeder liebt sie: Die Rede ist vom ersten VW Bus T1 „Bulli“ und seinen Nachfolgern. Leider ist vor allem der T1 inzwischen erschreckend teuer geworden. Doch zum Glück gibt es schöne Alternativen zu dem Bus-Klassiker, die noch bezahlbar sind

 
 
12. November 2015

Bei eBay wird zurzeit ein VW-Bus zum Kauf angeboten, der das ganze Dilemma zeigt: Schön sieht er aus, der kleine Bulli, und gar nicht schön ist – natürlich aus Käufersicht – die Preisvorstellung des Anbieters: 139.000 Euro!

Wer erlebt hat, dass diese schwächlich motorisierten Blechkistchen noch vor zehn Jahren kaum ein Fünftel des Preises kosteten, reibt sich die Augen. Oder seufzt verzweifelt, denn für Fans mit kleiner Brieftasche sind die sympathischen Krabbler vorläufig in unerreichbarer Ferne – bis die Blase eines Tages platzt.

Der hohe Preis für den VW T1 resultiert laut Frank Wilke von Marktbeobachter Classic-Analytics aus einer besonderen Kombination: „Der VW Bus steht als Symbol erst für den Mythos des Wirtschaftwunders und später als Medienstar der Flower-Power-Ära der Hippies. Beim so genannten Samba, dem Spitzenmodell, kommt noch der Topmodelleffekt hinzu. Er war damals schon so teuer, dass er selten gekauft wurde. Entsprechend wenige davon haben überlebt“.

Viele Klassiker verschwinden in der Garage

Classic-Analytics macht bei seinen Preis-Recherchen eine seltsame Erfahrung. Normalerweise geben die Experten Preise für die Zustände 1 (Spitzenexemplar) bis 5 (Restaurationsobjekt) heraus. Wilke: „Es gibt jedoch keine Autos im Zustand 5 mehr. Jeder, der einen Samba verkauft, richtet ihn noch irgendwie her. Das erleben wir sonst nur selten, ein vergleichbarer Fall ist der Porsche 356“.

Bedauerlich findet das Uwe Brodbeck, Präsident des Allgemeinen Schnauferl-Clubs e.V. (ASC): „Meine Befürchtung ist, dass diese Autos bald nicht mehr auf der Straße zu sehen sein werden. Einfach deshalb, weil die Autos zu teuer sind. Es steigen immer mehr Leute ins Oldtimergeschäft ein, die ein altes Auto nur als Wertanlage sehen, aber mit dem Oldtimer selbst nichts mehr zu tun haben.“

Dem gegenüber stehen die Fans: Menschen, die das besondere Flair dieser alten Transporter genießen möchten. Wollen oder können sie keine Spekulationspreise zahlen, müssen sie auf Alternativen zurückgreifen. Und zum Glück gibt es die – natürlich bei mobile.de

Alte Arbeitstiere aus aller Welt

Aus (West-)Deutschland treten hier beispielsweise Ford Transit oder Opel Blitz an, auch Hanomag L 28 oder Mercedes 408 sind im Spiel. In der ehemaligen DDR gab es Hersteller wie Multicar und natürlich Barkas.

Auch Frankreich steuerte bereits in den 1950er-Jahren seinen Teil bei: Besonders kultig ist der 34 Jahre lang gebaute Citroen H bzw. HY, der mit seiner Wellblech-Optik ideal zur historischen Propellermaschine Junkers Ju 52 auf ihren Privatflugplatz passen würde.

Youngtimer im harten Alltags-Einsatz

Auch der Llloyd LT 600 wäre eine passende Alternative. Ein rühriger Club kümmert sich um die verbliebenden Exemplare. Denn eines ist klar: Viele der Autos wurden im harten Alltag verheizt, erstklassige Überlebende sind heute rar.

Johannes Herrmann ist der 1. Vorsitzende der Lloyd Freunde IG: „Bei uns im Club läuft zum Beispiel ein LT 600, dessen Besitzer führt ein Elektrogeschäft. Sein LT ist einerseits Werbeträger, wird aber tatsächlich noch im Tagesgeschäft eingesetzt“.

Im Gegensatz zum Vorgänger LT 500 besitzt der 600er zwar keine Holzanteile mehr. „Außerdem hat er einen Viertaktmotor mit 19 PS, was im Vergleich zum Vorgänger mit seinem 13 PS-Zweitakter den Alltagseinsatz erleichtert“, so Herrmann. Trotzdem: Vollbeladen beispielsweise als Sechssitzer in der Busvariante wird es am Berg zäh. „Lieber nicht“, so Herrmann. Ersatz für Karosserieteile ist rar, dagegen ist das meiste an Technikteilen noch vorhanden.

SUV Cayenne noch ohne Wertsteigerung

Auch den T2 kann man als Alternative zum T1 sehen. Doch wir sprechen nicht vom Bulli-Nachfolger, dessen Preise ebenfalls in den vergangenen Jahren in Richtung „unerschwinglich“ gestiegen sind. Sondern vom alternative T2, der nicht von Volkswagen, sondern von Mercedes gebaut wurde.

Er ist als Transporter ein ganzes Stück größer als der Bulli, deshalb wurde er auch oft als Feuerwehrfahrzeug oder von Bundeswehr und Polizei eingesetzt. Wer sich heute so etwas kauft, baut es oft als Wohnmobil aus.

Da sie als sehr stabil gelten, gingen viele in den Export und versehen noch heute ihren Dienst in Afrika oder anderswo.

Unzerstörbar, aber unendlich lahm

Das Schicksal teilt er mit einer anderen Legende: dem Hanomag mit dem schlichten Namen L 28 und dessen Nachfolger, dem AL 28. Als er 1950 erschien, war er ein leichter Lastwagen und für seine Zeit modern.

Hanomag stellte auch Lokomotiven her – eine ähnliche Stabilität müssen die Konstrukteure des L 28 im Kopf gehabt haben. Viele der Hanomag laufen heute noch als Expeditionsfahrzeuge. Sie sind nicht schnell, aber urig und zuverlässig.

Was für sämtliche Nutzfahrzeuge aus dieser Ära gilt, ist für den Hanomag fast schon ein Kompliment: „Unvorteilhaftes Leistungsgewicht“ drückt es noch sehr liebevoll aus; der L 28 hatte anfangs lächerliche 50, zuletzt 70 PS. Was das bei einer maximalen Kapazität von 5,8 Tonnen heißt, kann man sich leicht vorstellen. Hanomag-Fahrer sehen Schnecken im Zeitraffer am Horizont entschwinden...

Noch skurriler als ein VW-Bus

Wer einmal einen gesehen hat, vergisst ihn nie wieder. Die Rede ist vom Citroen der H- bzw. HY-Baureihe. Er genießt heute eine kultige Verehrung, die stark an die Ente erinnert. Und natürlich haben auch die Preise dieser Wellblech-Box in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Aufstieg erlebt, ebenso wie die Ente.

Mit dieser gemein hat er die Tatsache, dass seine Form und Bauweise ursprünglich reiner Sparsamkeit geschuldet war – der Kultfaktor kam erst sehr viel später. Und das Wellblech hat auch gravierende Nachteile: Wurde es eingedrückt, z.B. durch einen Unfall, ist diese Blessur nur mit sehr hohem Aufwand wieder unsichtbar zu machen.

Ungewöhnlich für einen Transporter war damals auch der raumsparende Frontantrieb. Was heute einen Großteil seines Reizes ausmacht, ist die schräge Optik und das großartige Platzangebot. Ein Exemplar zum Restaurieren gibt es heute für kleines Geld. Natürlich ist Rost das größte Problem der HY-Transporter (wie fast aller Autos dieser Zeit).

Der direkte Weg über den Autoput

Schnell war klar, dass Volkswagen mit dem Bulli ein Volltreffer gelungen war. Das rief natürlich Nachahmer auf den Markt, beispielsweise Ford mit dem Transit.

Ungewöhnliches Detail: Die Generation ab dem Baujahr 2000 konnte der Kunde wahlweise mit Front- oder Hinterradantrieb bestellen. Geliebt werden jedoch die ersten beiden Generationen, und hier besonders die zweite (ab 1965).

Sie ist auch ein Stück deutscher Geschichte, denn der wenig schmeichelhafte Spottname Ford Türkspeed wies darauf hin, dass der Ford oft vollbeladen zwischen Deutschland und der Türkei, der Heimat vieler „Gastarbeiter“, unterwegs war. Exemplare aus kommunalem Vorbesitz weisen oft sehr geringe Kilometerstände auf.

Die DDR ganz auf der Höhe der Zeit

Wenn ein Auto in Karl-Marx-Stadt (heute wieder: Chemnitz) hergestellt wurde ist klar, dass es jetzt um ein weiteres Kapitel deutscher Geschichte geht. Natürlich gab es auch in der ehemaligen DDR Bedarf an einem leichten Nutzfahrzeug, und die Lösung hieß Barkas B 1000.

Ab 1961 wurde er in vielen Versionen hergestellt. Verlor die Autoindustrie später den Anschluss an westliche Fahrzeuge, war der Barkas damals ein hochmodernes Auto.

Der Motor des Barkas stammte vom Wartburg ab und leistete ursprünglich 43 PS. Das war genug für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h und machte seinem Beinamen „Schnelllaster“ alle Ehre.

Günstig und mit Allrad – der Robur

Eine Karriere als Arbeitstier stand auch dem Robur aus der DDR bevor, den es als LO 1800 A auch mit Vierradantrieb gab. Interessanter für den Privatmann ist jedoch die Version als Bus. Zwar gab es während der 30jährigen Bauzeit einige technische Veränderungen, die Grundkonstruktion wurde jedoch nicht angetastet.

Wie der Barkas verlor der Robur so den Anschluss an die aktuelle Technik. Interessant dürften die Modifikationen der LD/LO 3000-Reihe aus den 1980er-Jahren sein: Sie zielten darauf ab, die Lebensdauer aller Komponenten zu erhöhen. Robur heißt übrigens „Kraft“ oder „Stärke“ und stammt aus dem Lateinischen.

Der Name musste schnell gefunden werden, da der Alteigentümer die Verwendung des ursprünglichen Namens Phänomen verbot. Unter diesem Namen wurden ab 1888 zuerst Fahrräder, dann Motorräder hergestellt. Die meisten heute angebotenen Robur haben eine Vergangenheit bei den ehemaligen Kommunen der DDR gehabt.

Ein lässiger und muskulöser Amerikaner

Wenn ein Auto als Fullsize-Van bezeichnet wird und einen V8 unter der Haube trägt ist eines klar: Es kommt aus den USA. Die Baureihe Chevrolet G 20 (auch: ChevyVan) sowie der baugleiche GMC (1968 bis 1996) Vandura genießen jenseits des großen Teiches schon Kultstatus.

Dazu mag beigetragen haben, dass der Wagen das Fortbewegungsmittel des A-Team aus der gleichnamigen, ziemlich trashigen TV-Serie ist. Hierzulande ist die Baureihe ziemlich günstig. Das mag am eher hohen Verbrauch der Vans liegen, auch an der plüschigen Innenausstattung.

Klar jedoch ist, dass der Chevrolet im Vergleich zum VW Bus und allen europäischen Konkurrenten alles an Komfort bietet, wovon der Käufer sonst nur träumen kann. Das beginnt bei der Klimaanlage, geht über elektrisch verstellbare Betten und hört beim Fernseher noch lange nicht auf.

Ein Van mit Rennwagentechnik

Wenn von Kult die Rede ist, dann fallen einem eher selten Autos aus Japan ein. Und wenn die Preise hierfür bei unter 1.000 Euro starten, kann man guten Gewissens behaupten, dass der Wagen noch nicht entdeckt worden ist (und es vielleicht auch nie wird). Und doch: Der Toyota Previa (1990 bis 1999) hat etwas: einen Mittelmotor nämlich, der sonst nur reinrassigen Renn- und Sportwagen vom Schlage eines Ferrari Testarossa vorbehalten ist.

Die ungewöhnliche Konstruktion erlaubt eine kurze Nase und damit einen vergleichsweise großen Innenraum, außerdem ist das Fahrverhalten schön neutral. Wer die Exklusivität auf die Spitze treiben möchte, besorgt sich ein Modell aus den USA.

Durch den knappen Platz unter den Wagen ließ sich im Previa nur ein Vierzylinder einbauen – für die leistungshungrigen US-Kunden zu schwach. Deshalb gab es dort ab 1994 eine Variante mit Kompressor und 160 PS. Für alle die, die das wirklich Besondere lieben.

Vom T1 geträumt, aber beim Anblick der unschönen Preisblase aufgewacht? Nicht schlimm – es gibt schöne und bezahlbare Alternativen, zum Beispiel diese hier in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund