Leistung, verführerisch günstig

Kaufberatung: Autos mit 400+ PS

Viel Power für wenig Geld

Mal so richtig in die Vollen greifen: 400 und mehr PS sind bei mobile.de teils für weit unter 20.000 Euro zu bekommen. Doch für welches der bärenstarken Autos soll man sich entscheiden? Drei Kategorien kommen in Frage – eine ist grundsätzlich nicht zu empfehlen

2. Oktober 2014

Man kann im Leben eigentlich nie genug Leistung haben. Vor allem auf der Straße: Wenn andere am Berg ihre Motoren ausquetschen müssen, sich mit peinlich aufgemotzten Kleinwagen demütigende Ampelduelle liefern, tippt der Fahrer eines Autos mit wirklich großem Motor einfach mal mühelos aufs Gas und entschwindet in der Ferne.

Das hat etwas. Nicht einfach ein großer Motor, nein: ein wirklich großer Motor. Mit anderen Worten: 400plus – das ist die Klasse, in der Autofahren erst so richtig Spaß macht. Alles darunter ist jämmerliche Fortbewegung; 400+ bedeutet Gleiten kurz vorm Abheben. Wer das noch nie erlebt hat, braucht hier gar nicht erst mitzureden.

Und keine Frage: Immer genug von allem zu haben, das macht souverän.

 

 
 

 

Leistung für weniger als 20.000 Euro

Wer bei moble.de die Werte „ab 400 PS“ und „bis 20.000 Euro“ eingibt, erlebt Faszination pur. Derzeit kann man aus rund 650 Angeboten allein in Deutschland auswählen. Versprochen: Autofans kommen hier voll auf ihre Kosten. Wer schon immer mal einen Zwölfzylinder fahren will, braucht nur zuzuschlagen.

Beispiele gefällig? Na klar, da wäre zum Beispiel der Mercedes 600 SEL, der neu mal fast 300.000 Mark gekostet hat. Der pure Luxus, den es 22 Jahre und knapp 200.000 Kilometer später für nur noch 7.000 Euro gibt. Aber ist das wirklich so einfach? Auch 7.000 Euro können zu viel sein, wenn die nächste Werkstattrechnung fünfstellig ausfällt.

Von den 400-PS-Autos gibt es 3 Sorten

Was bekommt man denn nun für 20.000 Euro, wenn die PS-Leistung mindestens 400 PS betragen soll? Grob gesagt bekommt man Autos aus drei Klassen. Da wäre als erste Kategorie die typischen deutschen Luxuswagen vom Schlage Mercedes S-Klasse, BMW 7er und Audi A6/A8. Diese stellen den weit überwiegenden Teil der Kraftprotze.

Sie bieten souveräne Fortbewegung und entspanntes Kilometerfressen. Auch hohen bis sehr hohen Fahrkomfort – aber sie sind nicht wirklich sportlich. Wer das sucht, der wird sich eher aus der zweiten Kategorie wählen müssen.

Dabei ist diese zweite Kategorie etwas überraschend, denn es geht hier um Honda Civic, VW Golf und andere Vertreter der Kompaktklasse. Wie kann das denn sein? Ein Blick in den Neuwagenkatalog von VW offenbart: Selbst der stärkste Golf vom VW-Händler ist mit 300 PS zwar überaus gut motorisiert, aber zu den angestrebten 400 PS fehlt noch ein Viertel.

Chiptuning kann ins Auge gehen

Die Lösung der fehlenden PS liegt im Chip-Tuning. Dabei werden über Eingriffe in die computerisierte Motorsteuerung wesentlich höhere Motorleistungen erreicht. Experten sehen diese Art der Leistungssteigerung zumeist kritisch. So zählt der ADAC-Experte Arnulf Thiemel folgende Dinge auf, die schief gehen können:

  • nicht funktionierende Steuergeräte, weil die neue Software nicht läuft
  • überhöhte Temperaturen, Einspritzdrücke und Turbolader-Drehzahlen können zu Defekten führen
  • erhöhte Belastung des Antriebsstranges (Kupplung, Getriebe, Antriebswellen, Reifen) und der Bremsanlage; ggf. sind Umbauten und/oder Reifen mit höherem Geschwindigkeitsindex erforderlich
  • Verschlechterung der Abgaswerte („Rußen“ bei Diesel-Motoren)
  • Verlust des Versicherungsschutzes, wenn das Tuning nicht in die Fahrzeugpapiere eingetragen und der Versicherung gemeldet wurde
  • Verlust der Hersteller-Gewährleistung oder -Garantie

 

 

Weiter rät Thiemel, dass Chip-Tuning beim Verkauf eines Gebrauchtwagens auf jeden Fall angegeben und im Kaufvertrag vermerkt werden sollte. Denn selbst wenn es vor dem Verkauf ausgebaut wurde, muss der Käufer darüber informiert sein. Chip-Tuning ist zudem nicht gleich Chip-Tuning (siehe Kasten „Das ist Chip-Tuning“ am Ende des Textes). Auf jeden Fall sollten sich Interessenten für chip-getunte Fahrzeuge vorher von einem Experten beraten lassen.

US-Boliden mit monströsem V8

Die dritte Kategorie der 400 PS-Autos besteht aus US-Autos in jeder Bauform und von jeder Marke: Cadillac, Chrysler 300C, Corvette oder riesige Geländewagen und Pick Ups. Die ebenso faszinierenden wie monströsen V8-Motoren der Amerikaner haben ihren ganz eigenen Reiz. Wer es sportlich haben will, ist sicher mit einer Chevrolet Corvette gut beraten. Hier stimmt seit der vierten Generation (1984 bis 1996) das Fahrwerk, serienmäßig überwindet aber erst die sechste Generation (ab Baujahr 2005) die 400 PS-Mauer.

Garniert wird das Ganze mit eingesprengten Exoten vom Schlage eines Maserati Quattroporte, auch einen Bentley Turbo R gibt es zu dem Kurs. Doch im Gegensatz zu den US-Amerikanern haben alle anderen ein Problem: Hier gibt es zwar den Ankauf der PS zu einem sehr guten Kurs, nicht jedoch Wartung und Reparaturen.

Am Ende aller Träume muss also immer die Warnung stehen: Auch wenn es die 400 PS zu einem sagenhaft günstigen Kurs gibt – billig ist auf die Dauer keines dieser Autos. Hier haben nur die amerikanischen V8 einen echten Preis-Vorteil, denn ihre Wartungskosten halten sich zumeist in Grenzen.

Das passiert beim Chiptuning

„10-Cent-Tuning“: Hier wird ein Widerstand zwischen einem Temperaturgeber und dem Motorsteuergerät eingebaut. Er täuscht falsche Werte vor. Das führt dazu, dass mehr Kraftstoff eingespritzt wird.

Zwischenstecker („Black-Box“, „Power-Box“): Eine elektronische Schaltung wird zwischen Motorsteuergerät und Einspritzung bzw. Sensoren gesteckt und gaukelt falsche Werte vor, so dass mehr Kraftstoff zugemessen wird.

Neuprogrammieren des Motorsteuergerätes: Veränderung der Software, die aus diversen Kenngrößen (z.B. Ansaugluft-Temperatur und -Menge, Motordrehzahl, Gaspedalstellung) die Einspritzmenge, den Zünd- und Einspritzzeitpunkt, den Ladedruck und die Abgas-Rückführrate errechnet.

Geändertes elektronisches Gaspedal: Schon bei wenig Gaspedalweg wird eine hohe Leistungsanforderung an das Motorsteuergerät gemeldet. Faktisch ist das keine Leistungssteigerung, sondern nur eine Veränderung des Ansprechverhaltens.

Quelle: ADAC

Mehr Inspirationen und handfeste Tipps in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund | Bildmaterial: Foto: Portal-Manufaktur
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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