Was älteren Fahrern nützt

Das richtige Fahrzeug für die Großeltern

Hilfe, mein Opa braucht ein Auto!

Großeltern sind heute mit 70 voll mobil. Am Steuer fühlen sie sich 30 Jahre jünger. Daher mögen die „Bestager“ auch keine „Senioren-Autos“. Aber wenn nun ein neuer Wagen gekauft wird, lassen sie sich natürlich von Kindern und Enkeln gern beraten. Für sie ist diese Kaufberatung geschrieben

16. Dezember 2014

Hilfe, Opa braucht ein neues Auto! Mit gemischten Gefühlen dürften die meisten von uns auf diese Nachricht reagieren – natürlich freuen wir uns, wenn die Großeltern-Generation sich heute so mobil fühlt, dass sie auch jenseits der 70 selbstverständlich im Fahrersitz Platz nehmen möchten. Doch zugleich sorgen wir uns ein bisschen, denn im Straßenverkehr sind nun mal alle Sinne und schnelle Reaktionen gefragt; und das lässt im Alter nun mal nach.

Dumm nur, dass Oma und Opa davon oft nichts wissen wollen: Ein „Senioren-Auto“ finden die meisten Senioren regelrecht abtörnend. Verständlich, denn keiner möchte gern an eigene Handicaps erinnert werden. Und daher bewirbt auch kein Hersteller ein Modell als besonders altersgerecht.

Es gibt sie aber doch – Modelle, die besonders sicher, komfortabel, übersichtlich und praktisch sind. Natürlich gefallen die auch jüngeren Autofahrern. Aber Oma und Opa werden viele Eigenschaften dieser Autos besonders schätzen. Es schadet also nichts, unseren Großeltern beim Autokauf mit ein paar Tipps zur Seite zu stehen.
 

 
 

 

Das Stufenheck ist Opas Liebling

Das passende Auto fängt schon bei der Karosserieform an. Wenig überraschend, haben Coupé-Käufer in Deutschland den geringsten Altersdurchschnitt. Sie sind aber trotzdem auch bereits 48,2 Jahre alt, jedenfalls die Neuwagenkäufer. Besonders beliebt bei Senioren ist die klassische Autoform, also die Stufenhecklimousine. Das Durchschnittsalter dieser Käuferschicht liegt bei 55,8 Jahren (Neuwagen).

Das überrascht ein wenig, denn es gibt in Form von Vans oder SUV neuartige Bauformen, die älteren Autofahrern wesentlich mehr Komfort bieten: Dazu gehören hohe Sitzposition, Übersichtlichkeit beim Manövrieren und die Kopffreiheit. All dies hilft, wenn es mit der eigenen Beweglichkeit nicht mehr „so wie früher“ ist.

Vans und SUV gibt es heute in allen Größen und nahezu allen Herstellern von klein oder auch „kompakt“ (Opel Mokka und Meriva) bis groß (VW Touareg und Ford Galaxy).

ADAC-Prüfprogramm für Senioren

Der ADAC hat ein besonderes Prüfprogramm für Senioren-Autos entwickelt: „Fit & Mobil“ wird es im schönsten Euphemismus genannt. In Sachen Übersichtlichkeit punkten hier beispielsweise BMW 2er Active Tourer, Kia Soul und der VW Golf Sportsvan (Gebrauchtwagen-Käufer sollten nach dem Vorgängermodell VW Golf Plus suchen).

Je nach dem individuellen Empfinden kann allerdings auch der Ein- und Ausstieg schwierig werden, da breite Schweller, zu kleine Türausschnitte oder eine zu schmale Türöffnung den Zugang erschweren.

Ebenfalls eine Frage der individuellen Fähigkeiten ist die Frage nach der intuitiven und sicheren Bedienung. Es geht hier nicht um gut oder schlecht, sondern um die persönlichen Vorlieben. Moderne Autos haben eine fast unüberschaubare Anzahl an Bedienungselementen, die je nach Marke anders ausgeführt sind. Audi setzt auf das MMI-System, BMW hat den iDrive entwickelt. Das liegt nicht jedem.

Wichtig: Ausgiebiges Probieren vor dem Kauf

Im Klartext: Wer zum Beispiel ein Smartphone für neumodischen Unfug hält und deshalb das gute alte Wählscheibentelefon schätzt, wird mit dem komplett per Touchscreen gesteuerten Tesla Modell S eher nicht glücklich. Das jedoch muss im wahrsten Sinne des Wortes „erfahren“ werden.

Wichtig ist, dass alle Basisfunktionen eines Autos wie die Position des Lenkrades, der Schalter, der Komfortfunktionen wie Heizung und Klimaanlage sowie des Navigationsgeräts sicher und intuitiv vom Senior bedient werden können.

Daher der – naheliegende – Tipp: Vor dem Kauf sollten Oma & Opa ausgiebig proben. Das heißt: Sitzen, Sitzposition verändern, Bedienungselemente ausprobieren und Probefahrt machen. Sie sollten auf diese Weise möglichst viele unterschiedliche Modelle und Fabrikate testen, um das Auto zu finden, dass ihnen am ehesten zusagt.

Notbrems-Assistent verhindert Auffahren

Im Alter ist es trotz diverser Sehhilfen mit dem sicheren Erkennen und Einschätzen von Verkehrssituationen schwieriger. Das gilt umso mehr bei Nacht. Aber die Technik hat hier riesige Entwicklungssprünge gemacht, moderne LED- oder Xenon-Lichtsysteme tragen sehr stark zur Sicherheit bei. Auch hier sind Vans und SUV wieder im Vorteil, weil der Fahrer durch die höhere Sitzposition weniger vom Gegenverkehr geblendet wird.

Eine riesige Erleichterung können auch die diversen Assistenzsysteme bringen. Das gilt beispielsweise für den Tote-Winkel-Warner, der sehr komfortabel ist, wenn der betagte Fahrer den Schulterblick vor dem Aus- und Einscheren nicht mehr mit der gleichen Anmut ausführen kann wie in seiner Jugend. Ebenso sinnvoll: Die automatische Notbremsung, die einen Auffahrunfall vermeiden kann. Es gibt sie inzwischen schon in vielen Kleinwagen.

Die ist wirkungsvoll, wie das konkrete Beispiel aus einem ADAC-Test zeigt: „Was ein Notbremsassistent bringt, zeigt sich an der aktuellen Mercedes B-Klasse: Sie wurde 2011 mit dem Notbremssystem serienmäßig eingeführt“, heißt es in einer Stellungnahme des Autoclubs. Laut Auswertung des Statistischen Bundesamtes und der Mercedes Unfallforschung seien die Auffahrunfälle bei der B-Klasse seitdem um bis zu 20 Prozent zurückgegangen. Ein starkes Argument für Assistenten.

Komfort kann man auch übertreiben

Die Sicherheit für sich und andere muss die höchste Aufmerksamkeit bei der Autokauf-Beratung eines Senioren genießen. Die gute Nachricht: Auch Assistenzsysteme, die noch vor wenigen Jahren ausschließlich teuren Spitzenprodukten wie der Mercedes S-Klasse vorbehalten waren, haben inzwischen in den meisten Volumenmodellen Einzug gehalten.

So ist auch im neuen Opel Corsa als Option eine Frontkamera für die Verkehrszeichenerkennung sowie die bereits erwähnte Kollisionswarnung installiert. Und auch der neue VW Polo kann ebenso wie der Kleinstwagen VW Up! gegen Aufpreis mit dem Notbremssystem ausgestattet werden.

Doch zu viel des Guten kann auch als Entmündigung verstanden werden. Und, was noch mehr zählt: Wer sich gar nicht anstrengt, rostet schneller ein. Daher sollten Senioren es auch im Auto mit der Bequemlichkeit nicht zu weit treiben, ein Tote-Winkel-Warner ersetzt letztendlich nicht den Schulterblick. Einen Notbremsassistent sollte der neue Großeltern-Wagen als technisches Feature unbedingt haben, doch der Rest ist eher Geschmackssache und macht das Auto teurer.

Die besten Autos für Großeltern in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund