Gebrauchte mit hohen Laufleistungen

Gebrauchte mit hohen Laufleistungen

Der Dauerläufer-Mythos

Sind Gebrauchtwagen mit sehr hohem Kilometerstand ein Risiko? Nicht unbedingt – aber Käufer sollten ein paar Dinge beachten.

12. Februar 2014

Früher, das wissen wir doch alle, da war alles besser. Sagenhafte Laufleistungen wurden beispielsweise frühen Mercedes-Dieseln zugeschrieben: Bei 300.000 Kilometern wären diese doch „gerade erst eingefahren“. Und unlängst erklärte ein Berliner Taxifahrer im Magazin stern seine Verbundenheit mit der Mercedes E-Klasse damit, dass diese eben rund 800.000 Kilometer hielten.

Also kann man die günstige E-Klasse mit 370.000 Kilometern auf der Uhr bedenkenlos kaufen? Wer so denkt, kann eine teure Bauchlandung erleiden. Selbst vom mobile.de Magazin befragte Fachleute beispielsweise einschlägiger Organisationen weigern sich, konkrete Fahrzeugempfehlungen auszusprechen. Denn: Die Mythen von früher gelten nicht mehr, und es ist fraglich, ob sie jemals gegolten haben.

 

 
 

Diesel heute generell anfälliger

Der Mythos vom unkaputtbaren Diesel ist einer davon: Wer sich vor dem Kauf informiert, macht eine überraschende Entdeckung: Modellabhängig sind oftmals nicht die so hoch gelobten Diesel die jeweils zuverlässigste Variante.

Selbst die ADAC-Pannenstatistik hilft nicht in jedem Fall weiter. Ein Beispiel: In der Pannenstatistik des Clubs rangiert eben die Mercedes E-Klasse ziemlich weit vorne. Doch gleichzeitig häufen sich in Fachmagazinen Klagen über eben diese Fahrzeuge, die mit fehlerhaften – und sehr teuren – Injektoren der Einspritzanlage auffielen. Wie passt das zusammen?

Die Lösung ist ganz einfach: Die ADAC-Pannenstatistik nimmt nur Wagen auf, die tatsächlich liegengeblieben sind. Die Mercedes E-Klassen mit defekten Injektoren erreichten im Notprogramm noch die nächste Werkstatt – fielen beim ADAC also gar nicht auf.

Zahlen aus der Hauptuntersuchung

In der Bildergalerie finden sie Modelle, die der Dekra bei der Hauptuntersuchung positiv aufgefallen sind. Die Dekra setzt ihre Zahlen aus den Mängeln bei der Hauptuntersuchung in Relation zur Fahrleistung und veröffentlicht diese. Ein sicherer Beweis für eine gute Dauerhaltbarkeit ist das jedoch nicht. Die Hauptuntersuchung ist immer nur ein Ausschnitt aus dem Autoleben, nicht jedoch ein ständiger Begleiter.

Das Vorleben ist entscheidend

Nach übereinstimmender Meinung der Fachleute ist entscheidend für die Haltbarkeit eines Wagens die Art und Weise, wie diese Laufleistung zustande gekommen ist. Beispiel Taxen: Diese Wagen laufen oft ständig. Im Dreischicht-Betrieb bleiben die Motoren immer betriebswarm, also entfällt die besonders verschleißfördernde Kaltlaufphase, und die Motoren halten länger.

Schon die nächste Formulierung in Verkaufsanzeigen, „Langstreckenfahrzeug“, sagt dagegen recht wenig aus. Ein mäßig motorisierter Kompaktwagen, der oft nahe der Höchstgeschwindigkeit über die Autobahn geprügelt wurde, ist sicher nicht die beste Wahl. Hingegen kann ein bei Vertretern beliebter VW Passat Diesel, der jährlich 50.000 Kilometer normal bewegt wurde, auch nach vier Jahren und mit 200.000 Kilometern auf dem Tacho ein guter Kauf sein.

Hier ist vom Interessenten also ein wenig detektivisches Gespür gefragt – beispielsweise kann man den Vorbesitzer bei der Probefahrt die ersten Kilometer selbst fahren lassen. Treibt er den Wagen kalt voran, sollte man sich woanders umsehen.

Wartung ist wichtig – und der Nachweis davon

Eine weitere Voraussetzung für ein langes Autoleben ist die Wartung. Ein durchgestempeltes Scheckheft ist Pflicht. Liegt hinten im Kofferraum noch der Fünf-Liter-Kanister mit Öl aus dem Baumarkt, kann das ebenfalls ein Warnhinweis sein.

Der letzte Kauftipp für ein Auto mit hoher Laufleistung ist, dass der Wagen möglichst serienmäßig sein sollte. Zubehör unbekannter Herkunft macht ein Auto nicht unbedingt besser. Das gilt vor allem für das Chiptuning: Hierbei werden zur Leistungssteigerung Eingriffe in die Motorelektronik vorgenommen – mit oft fatalen Folgen.

Entscheidend für die Qualitäten eines Langläufers sind also das individuelle Auto und vor allem das, was es in seinem Vorleben durchgemacht hat. Das gilt übrigens auch für den entgegengesetzten Fall: Ein zehn Jahre altes Auto mit nur 35.000 Kilometern kann hauptsächlich im Kurzstreckenbetrieb eingesetzt worden sein – und damit sollte es ebenfalls nicht in die engere Wahl kommen.

Text: SH | Bildmaterial: Mercedes-Benz
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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