Nicht perfekt, aber mit Charakter

Kaufberatung: Alte Roadster, die Spaß machen

Offen und ehrlich

Ein britischer Roadster ist ein typischer Zweitwagen. Viele Modelle sind inzwischen reif fürs H-Kennzeichen. Doch nicht jeder der kleinen Flitzer taugt zum entspannten Wochenend-Ausflug. Eine persönliche Grenzerfahrung mit einem britischen Roadster prägte unseren Autoren.

24. September 2014

Es gibt Dinge im Leben, an die man immer wieder gern zurückdenkt. Die Ausflüge mit einem Roadster am Wochenende, zum Beispiel. Und dann gibt es Erinnerungen, die tun auch noch nach Jahrzehnten weh. Und damit meine ich nicht unbedingt Fotos aus der Schulzeit, wenn man gerade 50 geworden ist.

Die langen Haare von damals, sie würden jetzt einen kahlen Fleck umranden. Ich meine aber etwas anderes: Unangenehme Erinnerungen habe ich an meinen ersten – und bislang einzigen – britischen Roadster. Ein Triumph Spitfire war es, und als er schließlich in Flammen aufging, weinte ich ihm keine Träne nach.

Seitdem weiß ich: Wartung und Pflege mag irgendwie spießig sein, für manche Autotypen ist schon eine kurze Pause der Aufmerksamkeit tödlich. Und vor allem für britische Fabrikate.
 

 
 

 

Der erste Roadster

Die haben traditionell den Ruf, von miserabler Verarbeitung und Haltbarkeit zu sein. Warum sollte man sich dann einen anschaffen? Weil man neben Sorgen und Frust auch jede Menge positiver Gefühle erhält. Zum Beispiel offen durch herbstliche Hügel fahren, mit dem Wind im (noch vorhandenen) Haupthaar. Doch von Anfang an: Während meines Studiums wechselte ich etwa alle halbe Jahr mein Auto. Das lag zum einen an dem Gewinn, den ich mit dem Verkauf des vorherigen Wagens erzielte. Es war auskömmlich.

Zum anderen aber profitierte ich von der Wirkung, die derlei fliegender Wechsel regelmäßig auf Vertreterinnen des anderen Geschlecht hatte (was mir nicht lange verborgen blieb).

Bislang war ich immer Produkten des Hauses Alfa Romeo zugetan. Dann sollte es endlich einmal ein Roadster werden. Ein Triumph Spitfire aus Großbritannien, Heimat der kleinen offenen Sportwagen.

Der Spitfire löste sich auf

Heute, doppelt so alt wie damals, erinnere ich mich noch immer ungern an den Spitfire. Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass britische Roadster auch im erbärmlichen Zustand irgendwie fahrfähig sein würden. Was mir nicht klar war: Irgendwann endet auch diese Phase und so ein treuer Brite (und natürlich auch jedes andere Auto) zerfällt.

Was den Spitfire von anderen Autos unterschied: Er zerfiel an nahezu allen Punkten gleichzeitig. Nicht nur die Halbachsen, das Blech und die Kraftstoffversorgung wurden zunehmend marode. Sondern auch das Verdeck. Letzteres fiel nur deshalb nicht allzu unangenehm auf, weil das Wasser durch die vielen Rostlöcher im Boden gleich wieder ablief).

Kurz gesagt: Ich hatte schon beim Ankauf alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. In einer dunklen Garage unter Zeitdruck lässt sich eben kein Auto prüfen. Ein Vergaserbrand erlöste mich dann von der Frage, ob man eine teure – weil meine handwerklichkeiten Fähigkeiten bei weitem überschreitende – Vollsanierung in Auftrag geben sollte.

Benzingeruch nahm plötzlich zu

Zum Glück für mich kündigte der Spitfire seinen plötzlichen Tod wenigstens kurz zuvor an: Nächtens zog er nicht mehr gleichmäßig und roch noch stärker nach Benzin, als er es schon serienmäßig getan hatte.

Ein schneller Check unter die riesige Haube sollte es werden, das hätte ich lieber sein gelassen. Ein dumpfes „Buff!“ ertönte, der einströmende Sauerstoff hatte noch zum zünftigen Vergaserbrand gefehlt.

Mitten in der Nacht am Straßenrand war Hilfe nicht zur Stelle, und Handys gab es noch nicht. Bevor die Feuerwehr kam, war das Feuer fast schon erloschen. Und mit ihm der Spitfire: Das verkohlte Wrack wanderte schließlich auf den Schrott.

Britische Roadster sind liebenswert schrullig

Damit endete meine erste Liaison mit den leichten Zweisitzern. Doch man sieht sich immer zweimal im Leben - und zum Glück weiß ich heute, dass es zuverlässigere Konstruktionen gibt als diejenige, die mir damals beinahe unterm Hintern weggebrutzelt wäre.

Ihre Macken haben sie letztlich alle. Sie rosten, sie lecken, sie ölen. Warum ich englische Roadster trotzdem noch mag? Vielleicht auch, weil sie die Antithese zum großen, immer noch recht gut organisierten Britannien sind. Unsere Miteuropäer (jedenfalls jetzt noch) von der Insel hegen eben gewisse Vorlieben: So ist die tägliche Teepause nicht nur perfekt organisiert, sondern so etwas wie die DNA der Briten.

Dafür leisten Sie sich die eine oder andere Schrulligkeit: Auch in guten Hotels findet man immer noch Flokati im Bad, und die Erfindung des Einarmmischers am Waschtisch ist irgendwie auf dem Seeweg nach Southampton verloren gegangen. So hat man die Wahl zwischen eiskalten oder heißem Wasser. Genau so ist das auch mit den Roadstern: Halbe Sachen gibt es da nicht.

Der einzige wirklich gute Roadster

Einem Land, zu dessen Nationalsportarten das populäre „Birdwatching“ zählt (man sitzt in der Natur, beobachtet die Vögel und notiert sich dann, was für einer das gerade war), traut man diese unperfekten, aber herrlich archaischen Autos anfangs gar nicht zu. Dazu gehören die Produkte des einst legendären Marke MG und die Triumph TR 3 bis TR6.

Plötzlich erinnert man sich wieder an die schrägen Typen vom Schlage eines Daimler Dart und die Austins. Immerhin haben die Briten den einzig wirklich guten Roadster, den Mazda MX-5, eigentlich erfunden (das für unsere jüngeren Leser), sie haben ihn nur nicht konsequent weiterverfolgt und findigen Japanern überlassen.

Dass der MX-5 qualitativ hervorsticht, bestätigt nur meine These. Die britische Automobilindustrie ihrerseits hat sich mit einer Reihe von Fehlentscheidungen selbst erledigt. Konsequent und über Jahre hinweg. Auch das ist: sehr britisch.

Dennoch: Roadster sind zu schön, um sich ihre Probleme nicht regelmäßig zueigen zu machen. Hier die interessantesten Exemplare.

Mehr Inspirationen und handfeste Tipps in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund | Bildmaterial: Foto: Portal-Manufaktur
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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