Wie haltbar sind Dacia & Co.?

Kaufberatung: Billigautos als junge Gebrauchtwagen

Günstig, aber auch gut?

Billigautos wie einen nur drei Jahre alten Dacia Sandero bekommt man für weniger als 5.000 Euro. Doch wie ist es um die Qualität bestellt? Sind die Discount-Pkw dauerhaft haltbar oder wird’s im Alter doch teuer? Die Antwort fällt zwiespältig aus.

25. November 2014

Mehr sparen ist kaum möglich: Für nur 6.890 Euro kann man den Dacia Sandero als Neuwagen bekommen. Ein VW Polo, etwa gleich groß, kostet dagegen fast das Doppelte: Er kostet neu nach Preisliste ab 12.600 Euro.

Der Dacia erweist sich als besonders wertstabil. Bei mobile.de finden sich rund drei Jahre alte Exemplare für deutlich über 4.000 Euro. Auch mehr als 5.000 Euro für gut ausgestattete Exemplare werden verlangt. Und das trifft auch auf andere Billig-Fabrikate zu.

Lohnt es sich nun, ein Billigauto wie den Dacia aus 2. Hand zu erwerben? Eigentlich ist ein drei Jahre altes Auto doch „fast neu“ – aber gilt diese Binsenweisheit auch auf dem Discount-Markt?
 

 
 

 

Wer billig kauft, ist bescheiden

Eine ähnliche Entwicklung lässt sich also bei fast allen Vertretern der Billigautos beobachten, ob diese nun Fiat Punto, Nissan Micra oder Ford Ka heißen. Was den Verkäufer freut, wirft eine verständliche Frage auf: Lohnt sich das dauerhaft? Sind die Billigheimer nach drei Jahren schon ziemlich am Ende, oder hält die einfache Technik vielleicht sogar besonders gut?

Die von mobile.de befragten Fachleute vom TÜV und dem ADAC kommen zu sehr unterschiedlichen Aussagen. Einig sind sie sich aber in der Einschätzung darüber, welche Ansprüche die meisten Käufer an diese Autos haben.

Helmut Klein, Ingenieur im ADAC-Technikzentrum Landsberg, formuliert es so: „Gegenüber Verarbeitungsmängeln wie Klappern zeigen die Kunden beispielsweise des Dacias gewisse Nehmerqualitäten.“ Diese Fahrer seien nicht verwöhnt und würden ihr Auto primär als Nutzgegenstand betrachten. „Wir bekommen kaum negatives Mitglieder-Feedback.“

Jeder 9. Sandero besteht die 1. HU nicht

Mit anderen Worten: Nach kurzer Zeit verwohnte Innenräume, ungleichmäßige Spaltmaße oder Klappergeräusche würden einen Mercedes-Fahrer sofort in seine Niederlassung treiben, wo er sich mindestens beim Geschäftsführer beschweren würde. Fahrer eines Billigautos neigen nach Einschätzung des ADAC-Experten hingegen dazu, solche Eigenschaften als Begleiterscheinung des günstigen Preises zu akzeptieren.

Woher kommen aber die teils unterschiedlichen Bewertungen von TÜV, Dekra, GTÜ einerseits und des ADAC andererseits? Das lässt sich am Beispiel des Dacia Sandero deutlich machen. Der jeweilige TÜV-Mängelindex eines Modells beantwortet die Frage, wie viele aus 100 Exemplaren des Autos bei der ersten Vorführung nach drei Jahren mit erheblichen Mängeln durchfallen.

Und das Kompaktauto der rumänischen Renault-Tochter sieht in dieser Statistik mit einem Mängelindex von 11,2% schon bei der ersten Durchsicht schlecht aus. Konkret: Bereits jeder neunte drei Jahre alte Sandero fällt durch. Ob Achsaufhängung, Lenkung, Beleuchtung, Auspuff oder Ölverlust – die Mängelliste ist lang.

TÜV hat andere Prüfkriterien

Der ADAC hingegen hat in seiner Pannenstatistik am Sandero kaum etwas zu beanstanden. Zwar hält der billige Dacia einen Respektabstand zur Spitze, ist aber weit besser als der Durchschnitt in seiner Klasse.

Was auf den ersten Blick verwundert, erklärt sich aus der unterschiedlichen Betrachtungsweise der Experten. Der TÜV und die anderen Prüf-Organisationen wie Dekra und GTÜ untersuchen die Fahrzeuge zu einem bestimmten Zeitpunkt auf ihre Verkehrssicherheit. Die ADAC-Straßenwacht dagegen registriert einen Fehler nur dann, wenn der Wagen liegenbleibt. Tut er das jedoch nicht, muss der ADAC auch nicht ausrücken und folglich ist der Wagen in der Pannenstatistik des Autoclubs unauffällig.

Die Antwort auf die Frage, ob ein Billigauto auch aus zweiter Hand ein guter Kauf ist, muss also aus mehreren Quellen kombiniert werden. Dafür hat mobile.de zehn der beliebtesten Billigautos mit ihren Schwächen als mindestens drei Jahre alte Autos bewertet und in der Bildergalerie zusammengestellt.

Billigautos werden mit den Jahren teuer

Klar wird in diesem Vergleich: Billig können Autos maximal in der Anschaffung im Vergleich zu etablierten Marken sein. Bei sehr vielen Billigautos drohen laut TÜV, ADAC und Dekra jedoch hohe Folgekosten. Ein hochwertiger, gut gepflegter Gebrauchtwagen, obschon in höherem Alter, scheint daher der bessere Kauf zu sein.

Das erklärt sich auch aus der Art der Mängel: Ein defekter Scheinwerfe (einer der häufigsten Mängel im aktuellen TÜV-Report) ist zumeist günstig zu reparieren. Doch Ölverlust am Motor, verschlissene Antriebswellen und Achsaufhängungen sowie durchgerostete Auspuffanlagen kommen erheblich teurer. Und was bereits nach drei Jahren kaputt ist, hält auch reparariert sicher nicht länger als drei weitere Jahre. Heißt nichts anderes als: Billigautos werden mit den Jahren teuer.

Für unter 10.000 Euro bekommt man bei mobile.de zwei bis drei Jahre alte Volkswagen Polo. Beim ADAC kommt dieser gut weg, beim TÜV stören Ölverlust am Motor und mangelhafte Bremsen. Das ist wenig im Vergleich zu dem, was manche Billigautos an finanziellen Abenteuern bereithalten.

Mehr über Mängel und Preise der Billigautos in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund | Bildmaterial: VW