Übersehene Sportwagen

Übersehene Sportwagen

Nische in der Nische

Wer an Sportwagen denkt, hat meistens schon bestimmte Marken oder gar Modelle im Kopf. Das mobile.de Magazin hat fünf spannende Alternativen von Alpine bis Lotus gefunden.

Einen Sportwagen muss man sich leisten können. Das ist gar nicht mal finanziell gemeint, aber logische Gründe für diese Fahrzeuggattung sind eher schwer zu finden. Die meist niedrige Bauhöhe oder der geringe Transportraum können im Alltag hinderlich sein.

Idealerweise ist der Sportwagen nicht der Erstwagen. Dann nämlich darf es auch etwas unvernünftiger zugehen, denn es gibt spannende Alternativen zum 911.

 
 
 

So schnell wie ein Porsche

Ein Renault Alpine A610 beispielsweise, einer der wenigen französischen Sportwagen. Ganz ernst genommen wurden die Flundern in ihrer Bauzeit zwischen 1984 bis 1995 jedoch selten.

Dass sich da mal keiner täuscht: Vor allem das Modell Alpine A610 Turbo ab 1991 machte mit 250 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 265 km/h so manchem Porschefahrer das Leben schwer.

Allerdings sollte man fahren können, wenn man einen Alpine schnell bewegt. Wie der Porsche 911 ist der Alpine ein Heckmotor-Sportwagen und hat im Grenzbereich so seine Tücken.

Der Alpine ist unter den fünf Vorschlägen die alltagstauglichste Alternative. Natürlich kann man auch eine Lotus Elise im Alltag fahren, aber gedacht ist der britische Leichtbau-Sportwagen eher für die spaßigen Momente im Leben. Der Kofferraum ist ein Witz, und der Innenraum mit dem Adjektiv „spärlich“ noch freundlich umschrieben.

Kurven gierig aufsaugen

Nicht mal Leistung bietet so eine Lotus Elise, die ersten Modelle kamen 1996 mit 122 PS auf den Markt. Entsprechend gering waren die Erwartungen der Fachwelt – und verkehrten sich ins Gegenteil, sobald man ein paar Meter gefahren war.

Werden Autos heute immer schwerer, so setzt die Elise mit ihrer Kunststoffkarosserie auf einem Alurahmen voll auf Leichtbau. Die Fahrleistungen der nur knapp über 700 Kilo schweren Elise sind damit in der Beschleunigung ausreichend, vor allem aber ist der Wagen ein Wunder an Handlichkeit.

Auf einer kurvigen Landstraße kennt die Elise daher kaum Gegner. Okay, Dauervollgas auf der Autobahn ist ein wenig enttäuschend, aber die Geschwindigkeit, mit der der Lotus um Kurven wieselt ist atemberaubend und ein Kontrapunkt zu den übergewichtigen Supersportwagen.

Eigentlich günstig im Unterhalt

Zurzeit sind Lotus Elise mit Rechtslenkung schon für teils unter 10.000 Euro zu haben. Da sollte man sehr genau in die Wartungshistorie schauen, denn die eigentlich im Unterhalt günstigen Briten-Importe können teuer werden, wenn sie nur nachlässig gepflegt wurden. Ein Tipp sind zudem die Exemplare mit Toyota-Motoren. Diese zogen zwischen 2004 und 2006 in die Elise ein, sind pflegeleichter und teils über 200 PS stark. Solch eine Elise beschleunigt in unter fünf Sekunden auf 100 km/h.

Italienischer Stil

Von solchen Fahrleistungen oder einem unkomplizierten Wesen können Besitzer eines Maserati Merak nur träumen, das muss mal klar gesagt werden. Von heftigen Problemen mit den Zahnrädern und Steuerketten seines Motors wird berichtet, und wer einen Unfall baut, darf sich auf teils jahrelange Teilesuche begeben. Die Rostvorsorge ist nahezu nicht existent.

Also: Das Anschauen genießen und weiter suchen nach einem Ferrari Mondial, der in ähnlichen Preiskategorien unterwegs ist?

Gemach, so einfach ist es nicht. Der zwischen 1973 und 1982 gebaute Mittelmotor-Sportwagen verfügt über einige Qualitäten, die ihn in anderem Licht erscheinen lassen. Er ist ein 2+2-Sitzer, was man ihm was man ihm erst einmal nicht zutraut. Und die Probleme des Motors sind nicht nur bekannt, sie sind inzwischen abgestellt. Die kritischen Teile bekommt man bei spezialisierten Händlern.

Ein Drittel günstiger als ein Ferrari

Wenn man ein rostfreies Exemplar bekommen kann, erhält man zum vergleichsweise kleinen Preis – ein Ferrari 308 GTB ist etwa ein Drittel teurer – einen eher komfortablen Mittelmotor-Sportler mit einer klaren, wunderschön gezeichneten Karosserie. Auch das Fahrwerk ist spitzenklasse und kann wesentlich mehr als der tatsächlich eher schmächtige Motor zu leisten imstande ist. Ein zweiter Blick lohnt auf jeden Fall.

Das Lieblingsauto vom Chef

Ebenfalls aus Italien stammt der 1970 erschienene Lamborghini Jarama. Sehr gute Exemplare gibt es für unter 50.000 Euro. Das ist viel Geld – aber eine der günstigsten Möglichkeiten einen klassischen Lamborghini zu fahren, der den berühmten 12-Zylinder unter der Haube trägt. Der Jarama hat eine skurrile Einzigartigkeit. Da er als praktischer GT konzipiert ist, finden ihn ihm nicht nur vier Personen Platz, sondern er ist auch der bislang einzige Lamborghini mit umklappbarer Rücksitzbank.

Angeblich war der Jarama das Lieblingsauto des Firmengründers Ferruccio Lamborghini. Das muss am Fahrgestell gelegen haben, denn der Wagen mit den seltsamen Proportionen hat einen sehr kurzen Radstand. Mit der zweiten Serie ab 1972 bekam der Wagen auch eine Servolenkung – was ihn endgültig zum Kurvenkünstler macht.

Ungewöhnliche Details

Sein Design stammt wie das der wesentlich berühmteren Brüder Miura und Countach vom damaligen Bertone-Designer Marcello Gandini. Die halboffenen Scheinwerfer wie auch die Abrisskante über der Heckscheibe sind besondere Kennzeichen. Wie auch beim Maserati gilt: Verfügt das angepeilte Exemplar über eine komplette Werkstatthistorie, ist er natürlich nicht billig, aber auch keine finanzielle Katastrophe.

Charmanter Flop

Wenn man dem DeLorean DMC-12 Böses wollte, dann müsste man ihn als totalen Flop bezeichnen. Seine Bauzeit betrug nur zwei Jahre (1981-1982), und mit ihm ging die ganze Firma den Bach herunter. Der für einen Sportwagen vergleichsweise schwache Motor (ein V6 von Renault mit 132 PS), das wilde Fahrverhalten oder die teils schlimme Verarbeitungsqualität sprechen tatsächlich nicht gerade für ihn.

Aber der DeLorean DMC-12 ist ein interessantes Stück Technik- und Zeitgeschichte – und das nicht nur, weil er in der „Zurück in die Zukunft“-Reihe eine Filmkarriere als fahrende (und später fliegende) Zeitmaschine hingelegt hatte. Um es kurz zu machen: Aufgrund diverser Organisationsmängel verschleppte sich die Konstruktion um Jahre. Zum Schluss – die Geldgeber drängelten schon – blieb Firmengründer und Namensgeber John DeLorean nichts andere übrig, als die komplette Konstruktion an Lotus auszulagern.

Unter Zeitdruck entwickelten die Briten, was das Zeug hielt. Und so war das Ergebnis dann auch: Das Fahrgestell musste vom Lotus Esprit übernommen werden, was in der Folge den geplanten Mittelmotor verhinderte. Der Heckmotor sorgt für ein teils abenteuerliches Fahrverhalten. Die Kinderkrankheiten wurden während der Produktion nie richtig auskuriert.

Erst mit der Zeit gereift

Wie das so ist mit Flops: Heute kümmert sich eine rührige Szene um den Sportwagen mit der Optik einer rasenden (naja, nur 132 PS….) Edelstahlspüle. Experten können exakt Auskunft geben, welche Updates wann nachzuholen waren. Wer eine aufwendige Recherche sowie die Clubmitgliedschaft nicht scheut, ist hier bestens bedient.
Denn aus heutiger Sicht ist der DeLorean immer noch kein richtiger Sportwagen. Aber ein schöner, zeitgenössischer und bei richtiger Pflege auch nicht zu teurer Gleiter in Sportwagenoptik. Übrigens: In den USA werden aus Restbeständen und nachgefertigten Teilen wieder Neuwagen hergestellt. So hat er noch ein langes Leben vor sich, der DMC-12.

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Text: SH | Bildmaterial: SH