Kaufberatung Geländewagen

Kaufberatung Geländewagen

Über Stock und Stein

SUVs, also Freizeitautos in Geländewagenoptik, sind schwer in Mode. Doch auch deren Vorfahren sind beliebt. Das mobile.de Magazin hat sich die schweren Jungs um Mercedes G und Jeep Wrangler genauer angesehen.

20. Februar 2013

Es wäre sicher übertrieben, von einem Glaubenskrieg zu sprechen, doch die Fahrer der „wahren“ Geländewagen schauen schon ein bisschen auf SUVs herab. So ein SUV ist ein Freizeitauto in Geländewagenoptik, aber zu ernsthaften Leistungen abseits der Straße kaum fähig.

Um das zu erreichen, nehmen Besitzer echter Geländewagen alter Prägung einige Entbehrungen auf sich, die Fahrer moderner SUVs kaum kennen.

 

 
 

Gut im Gelände, gewöhnungsbedürftig auf der Straße

Denn das muss man wissen: Im Gegensatz zu SUVs sind Geländewagen vom Schlage eines Jeep Wrangler oder Mercedes G-Modell auf den tatsächlichen Geländeeinsatz hin optimiert. Stabile Leiterrahmen aus der Frühzeit der Autokonstruktion, grobstollige Reifen und maximale Bodenfreiheit mit einem hohen Schwerpunkt sorgen auf der Straße für zumindest gewöhnungsbedürftige Fahreigenschaften.

Sonderlich viel Fahrkomfort wird ebenfalls nicht geboten, und wer sich im Innenraum eines Land Rover Defender umschaut, bekommt eine sehr klare Vorstellung davon, was „Zweckmäßigkeit“ bedeutet. Da Dämmmaterial sehr sporadisch verwendet wird und der Luftwiderstand meist abenteuerlich ist, sind Daueretappen auf der Autobahn ein sehr spezielles Vergnügen.

Dafür schlagen sich die Kraxler abseits der Pisten sehr gut. Dank hoher Achsverschränkungen, der guten Rundumsicht und durchzugskräftiger Motoren können sie meist mehr, als der Fahrer sich selbst zutraut.

War er wirklich im Gelände?

Geländewagen sind also sehr robust. Doch auch an ihnen geht ein harter Geländeeinsatz nicht spurlos vorbei. Daher ist die wichtigste Prüfung die, wie der Wagen von unten ausschaut. Kratz- und Schleifspuren - gerne von frischem Unterbodenschutz verdeckt - sowie übermäßige Verschmutzung deuten auf ein hartes Autoleben hin. Besonders belastet werden im Gelände das Fahrwerk sowie die Differentiale und Getriebe. Wer im Gelände die Todsünde begeht und ständig kuppelt, kann auch hier mit erhöhtem Verschleiß rechnen.

Der Urmeter aller Geländewagen

Ist das schon alles, was man bei gebrauchten Jeep Wrangler, Mercedes G-Modell, Land Rover Defender oder Toyota Land Cruiser beachten sollte?

Am häufigsten als reines Freizeitfahrzeug genutzt wird sicher der Jeep Wrangler. Gleichzeitig ist er der Wagen mit der längsten Geschichte. Sein Ur-Ur-Ur-Vater war der legendäre Willys MB, der während des zweiten Weltkrieges von Willys-Overland gebaut wurde.

Man könnte nun annehmen, dass nach einer Weiterentwicklungszeit von über 60 Jahren die Kinderkrankheiten ausgemerzt wären. Leider ist dem nicht so: Der größte Feind des Jeep Wranglers ist nach wie vor der Rost. Und der schlägt an allen Ecken der Karosserie (und davon gibt es beim Wrangler reichlich) sowie an den Aufnahmen der Blattfedern und dem sehr schnell rostenden Hauptschalldämpfer gnadenlos zu.

Mechanik ist fast unverwüstlich

Ganz anders ist es bei der Mechanik. Diese ist ebenso simpel wie langlebig, und man muss sich schon sehr viel Mühe geben, wenn man hier etwas vor 250.000 Kilometern zerstören will. Empfindlich sind lediglich die elektrischen Steckverbindungen.

Davon abgesehen ist der Wrangler ein sehr zuverlässiges Auto. Nur eines sollte derjenige wissen, der sich einen Wrangler zulegen möchte: Durch den hohen Schwerpunkt und den kurzen Radstand zeigt der Jeep beim Bremsen bergabwärts die Tendenz, über das kurvenäußere Vorderrad abzurollen. Also: immer schön langsam.

Über 60 Jahre alt: Der Land Rover

Ähnlich alt wie der Jeep ist auch der Land Rover (seit 1990: Land Rover Defender). Schon 1948 kam er auf die Welt und ist immer noch da. Das lässt auf grundsätzlich gute Qualitäten schließen, was auch richtig ist. Es gibt ihn in verschiedenen Karosserieformen, am häufigsten in Deutschland sind der lange (110) und kurze (90) Kastenaufbau.

Land Rover fahren ist die pure Entschleunigung. Auf der Autobahn kann man sich höchstens Duelle mit Lastwagen leisten, aber auch das lässt man wegen der hohen Geräuschkulisse lieber bleiben. Dafür macht der Landy im Gelände einfach das, wofür er gebaut wurde: Er kommt überall irgendwie durch.

Nicht immer halten das die Kreuz- und Kardanwellengelenke aus. Unter Lastwechseln dröhnt es dann, beziehungsweise es knackt in ganz engen Kurven. Ein Großteil der Elektrik des Landy befindet sich unter dem Fahrersitz. Dorthin lohnt ein Blick, denn bei tieferen Wasserdurchfahrten kann das Teil schon mal absaufen.

Öllecks werden teuer

Überhaupt sind die Elektrik und Elektronik zwar spärlich, aber doch vorhanden. Und können Ärger verursachen, weshalb man jeden Verbraucher prüfen sollte. Das Getriebe, der Motor und die Differentiale sind auf Ölaustritt zu prüfen. Leckt es, wird es teuer.

Rost ist ebenfalls ein Thema. Aber ein besonderes: Die Außenhaut des Landy besteht aus Aluminium, der Rahmen aus Stahl. Erneuert und verbessert man nicht regelmäßig den Schutz, kommt es zur Kontaktkorrosion.

Die zwei Versionen der G-Klasse

Ein richtiger Jungspund ist auch die Mercedes G-Klasse nicht mehr. Immerhin erschien das erste Modell schon 1979. Die große Frage bei der G-Klasse ist immer, welches Modell gerade vor einem steht. Erst einmal gibt es drei hauptsächliche Karosserievarianten: Das kurze Cabrio, den geschlossenen Kastenwagen (Station kurz) und dessen lange Version (Station lang).

Diese Karosserieversionen teilen sich ab 1990 in zwei weitere Gruppen, so dass man ab hier von zwei G-Modellen sprechen muss: Für Kommunen, die Armee und ähnliche Kunden wurde das Urmodell weiter produziert. Diese Varianten verfügen weiter über einen zuschaltbaren Allradantrieb. Manche dieser Wagen konnten auch Privatleute erwerben. Für private Käufer war jedoch eigentlich eine zweite Version ab 1990 gedacht, welche über permanenten Allrad sowie eine gehobene Ausstattung verfügt und heute noch gebaut wird.

Der Vollständigkeit halber: Seit 2006 gibt es auch die riesige GL-Klasse, die jedoch ein SUV ist und weder technisch noch optisch mit der G-Klasse etwas zu tun hat.

G-Klasse ist ein Arbeitspferd

Die erste Version ist oft mit Vorsicht zu genießen. Denn diese wurde meist als Arbeitsgerät oder von der Bundeswehr eingesetzt. Auch erfuhren sie oft nicht die gleiche Pflege wie die Versionen für den Privatmarkt. Das ist wichtig, denn die Karosserie der G-Klasse gilt als rostanfällig, wohingegen der Rahmen nahezu unzerstörbar ist. Als Rostnest gilt auch der Tank der G-Modelle.

Vorsicht gilt auch bei den jeweils schwächsten Versionen der Benziner und Diesel. Diese sind untermotorisiert. Autobahnetappen führen deshalb zu Dauervollgas, was vor allem die frühen Diesel mit Motorschäden schon bei unter 100.000 Kilometer quittieren.

Einen Blick wert ist auch der Zustand der Auspuffanlage, die verschlungen verlegt ist, was einen Tausch teuer macht. Dem hohen Leergewicht zollen die Bremsen Tribut – ein nötiger Wechsel der Bremsscheiben schon nach 30.000 Kilometern ist keine Seltenheit.

Der Land Cruiser war eigentlich ein Jeep

Eine ebenfalls sehr alte Konstruktion ist der Toyota Land Cruiser. Sein Ur-Ur-Uropa war ein Bantam Jeep. Die Japaner hatten während des zweiten Weltkrieges ein Exemplar erbeuten können. Beim Bantam Jeep handelt es sich übrigens um die Urform des bereits erwähnten Willys MB.

Und noch eine Besonderheit des Toyota Land Cruiser sollte man nicht unterschlagen: 2007 erreichte er mit zwei Toyota Hilux als erstes Auto überhaupt den magnetischen Nordpol.

Wobei man von DEM Land Cruiser eigentlich nicht sprechen kann. Das Modell J7 von 1984 ist die letzte Generation des Land Cruiser als beinharter Geländewagen, dem selbst sehr harte Einsätze nichts ausmachen. Er wird sogar parallel zu den Nachfolgegenerationen weiter gebaut und kommt beispielsweise bei UNO-Missionen oder der Deutschen Bergwacht zum Einsatz.

Nahe am SUV

Die Nachfolgegenerationen haben ein wenig Speck angesetzt. Sie wenden sich ab von der reinen Lehre und entwickeln sich eher in Richtung Luxus-Geländewagen. Ähnlich dem Mercedes G-Modell blieb auch bei ihm die hohe Geländefähigkeit erhalten, so dass er kein SUV geworden ist.

Die Starrachse hinten – bei Mobilen wie dem Range Rover längst verpönt – gehört hier immer noch zum guten Ton.

Er rostet – aber er kommt durch

Doch an seinen Qualitäten ändert das wenig. Das seit 2002 gebaute Modell J20 beispielsweise hat manche Mängel an der Vorderachse oder die Zylinderkopfschäden der Vorgänger-Diesel abgelegt. Er ist, wie ein Toyota eben sein sollte: ein von Mängeln weitgehend freies Auto.

Lediglich einen Mangel eint alle Land Cruiser-Generationen: Der Rostschutz ist bestenfalls ausreichend. Wer den Land Cruiser länger fahren will, sollte an einem nachträglichen Schutz nicht sparen. Ansonsten steht der Toyota bei der Hauptuntersuchung oder dem ADAC gut da.

Text: SH