mobile.de: Kaufberatung Erdgasautos

Kaufberatung: Erdgasautos

Gas geben ohne Reue

In der Diskussion um Elektroautos wird übersehen, dass es schon seit Jahren eine umweltfreundliche Alternative zu Benzin oder Diesel gibt: Erdgasautos. Doch worauf muss man beim Gebrauchtkauf achten?

Etwa 3.800 gebrauchte erdgasbetriebene (CNG) Fahrzeuge stehen derzeit bei mobile.de zum Verkauf. Dazu kommen nochmal etwa 15.000 mit Flüssiggas-Antrieb (LPG), die hier allerdings nicht behandelt werden. Das ist immerhin rund ein Drittel mehr an CNG-Fahrzeugen als noch vor zwei Jahren. Erst die Benzin-Preisschocks der vergangenen Jahre haben dazu beigetragen, dass sich gasbetrieben Autos immer öfter durchsetzen.

Arnulf Thiemel von ADAC-Technikzentrum: „Am gebräuchlichsten sind beim CNG-Antrieb Fahrzeuge, die bereits ab Werk dafür ausgestattet wurden. Umrüstungen gibt es nur wenige.“

 
 
 

Erdgas ist günstig und umweltfreundlich

Und welche Rolle spielt die Umweltfreundlichkeit bei der Kaufentscheidung? Nun, genaue Untersuchungen, warum sich Gebrauchtwagenkäufer ein solches Auto zulegen, gibt es nicht. Es mögen vor allem Preisgründe sein, dass die meisten Autofahrer beim Neukauf ein Häkchen beim Thema Gasantrieb machen, denn Erdgas ist im Vergleich zum konventionellen Treibstoff sehr günstig.

Doch es kommt auch auf seine Kosten, wer der Umwelt etwas Gutes tun will. Schon seit Jahren liegen gasbetriebene Autos beim ADAC im EcoTest auf den vorderen Plätzen – und schlagen dabei zum Beispiel Öko-Dauerbrenner vom Schlage eines Toyota Prius.

Erdgas schont den Motor

Diese Umweltfreundlichkeit hat noch einen anderen, sehr angenehmen Nebeneffekt: Erdgas beispielsweise hat eine wesentlich höhere Energiedichte als Benzin. Sie liegt etwa bei 130 Oktan, was dem guten Stoff für Formel1-Autos entspricht. Erdgas enthält überdies wesentlich weniger Schadstoffe als normaler Sprit. Diesseits der Rennpiste sorgen diese beiden Faktoren dafür, dass der Verbrennungsvorgang im Motor viel weicher und sauberer abläuft als bei einem Benziner. Und das wiederum wirkt sich auf die Dauerhaltbarkeit des Motors positiv aus.

Tankstellennetz sehr dünn

Alles gut also, der nächste Gebrauchte soll ein gasbetriebenes Auto werden? So einfach ist es nicht. Zuerst muss man ausrechnen, ob sich die Sache lohnt. Das ist eine individuelle Entscheidung. Ein hindernder Faktor ist das spärliche Tankstellennetz. Rund 900 gibt es bundesweit, allerdings sind nur drei Viertel frei zugänglich. Arnulf Thiemel warnt denn auch: „Liegt die nächste Tankstelle weiter entfernt, wird es schnell unwirtschaftlich. Wer öfters im Ausland ist, sollte sich den Kauf ebenfalls überlegen. Eine nennenswerte Tankstellen-Infrastruktur gibt es außer in Deutschland nur noch in Norditalien und der Schweiz.“

Der schnelle Check

Vom ADAC stammt auch diese Formel, mit der sich jeder schnell die Wirtschaftlichkeit eine Gasautos ausrechnen kann. Dabei multipliziert man den Aufpreis gegenüber einen herkömmlichen Fahrzeug oder aber die Umrüstkosten mit 100. Das Ergebnis teilt man dann durch das Ergebnis von l/100km Benzin x Literpreis minus kg/100 km Erdgas x kg-Preis. Als Ergebnis erhält man die Fahrstrecke in Kilometern, bis sich die Umrüstung oder der Aufpreis amortisiert hat.

Umgebaute Autos müssen geprüft werden

Auf dem Markt wird man zwei verschiedene Varianten von Gasautos finden. Diejenigen, die ab Werk als Gasauto konzipiert wurden und - extrem selten - nachgerüstete Fahrzeuge (Umbaukosten: zwischen 2.500 und 4.500 Euro). Es wäre falsch, generell von nachgerüsteten Wagen abzuraten. Die Vorschriften beim Einbau – der vom einer Prüfstelle abgenommen werden muss – sind streng und werden natürlich auch bei der zweijährlichen Hauptuntersuchung mit geprüft.

Frühe Erdgasautos sind träge

Unbedingt sollte man eine Probefahrt machen. ADAC-Experte Thiemel: „Noch vor drei bis vier Jahren war es so, dass Gasautos eher träge beschleunigten. Fahren Sie daher eine bekannte Strecke mit dem Gasauto und prüfen Sie, ob ihnen die gebotene Leistung reicht.“

Gut zu wissen:

  • Als Gefahrenhinweis wird dem normalerweise geruchslosen Erdgas ein penetrant stinkender Geruchstoff beigemischt. Stinkt es am Gebrauchtwagen: Finger weg!
  • Bei nachgerüsteten Autos wird der Gastank meistens im Innenraum oder dem Kofferraum untergebracht. Das kostet Platz
  • Bei der nötigen Gas-Anlagen-Prüfung (GAP) wird meistens die Hauptuntersuchung gleich mit erledigt. Dann kostet die GAP 20 Euro (ohne HU: 26 Euro)
  • Gemäß Energiesteuergesetz (EnergieStG) gilt der ermäßigte Steuersatz für Gasbetrieb bis 31. Dezember 2018 – was danach kommt, ist noch nicht klar
  • Der ADAC hat schon 2004 einen Erdgas-Opel Zafira gecrasht. Ergebnis: Nur das höhere Gewicht brachte eine leichte Verschlechterung der Sicherheit. Die Erdgas-Anlage überstand sowohl Frontal- als auch Seitencrash ohne jedes Problem. Um den Extremfall zu simulieren, zündeten die ADAC-Techniker den Zafira hinterher absichtlich an. Ergebnis: Die Explosion blieb aus, das Gas brannte kontrolliert ab.
  •  Viele lokale Energieversorger fördern den Kauf gasbetriebener Autos. Zudem sind Einsparungen bei der Versicherungsprämie möglich.
Text: SH | Bildmaterial: Mercedes-Benz