Kaufberatung gebrauchte Vans

Kaufberatung gebrauchte Vans

Wenn Sie mal richtig viel Platz brauchen

Ob Familie, Hobby oder Gewerbe: Manche Menschen brauchen ziemlich viel Platz, wenn sie unterwegs sind. Vans sind nicht so modisch wie SUVs, aber günstiger.

16. Oktober 2013

Einst waren sie Trendsetter, einen Minivan musste jeder Autobauer im Programm haben. Jetzt sind sie ein wenig in die Jahre gekommen, die neue Mode der Freizeitautos in Geländewagenoptik (SUV) löst die Vans nach und nach ab. Trotzdem: Es gibt sie noch, und es gibt gute Gründe dafür.

Im Verhältnis zur Grundfläche bieten sie viel mehr Stauraum als jede andere Autogattung. Kein Wunder, dass ihr Anblick ein wenig an einen Ziegelstein erinnert. Das gilt vor allem für die älteren Vans wie den VW Bus T3. Aber ist das überhaupt ein Van?

 
 
 

Van stammt vom Planwagen ab

Der VW Bus ist der verbreitetste Transporter in Deutschland. Man kann ihn als Van bezeichnen, doch eine allgemeingültige Erklärung für den Begriff gibt es nicht. In Amerika wird der Begriff eigentlich für große Lieferwagen benutzt, er ist eine Ableitung von „Caravan“, dem ursprünglichen Wort für Planwagen.

Mit einem Planwagen haben die seit 1983 hierzulande angebotenen Vans rein gar nichts zu tun. Der deutsche Begriff wäre eher Großraumlimousine. Diese verbindet Komfort und eben das große Platzangebot. Das bekannteste Beispiel ist der VW Multivan, wie der Bus offiziell heißt. In seinen Stauraum hinter dem Fahrersitz passen satte 4.525 Liter, in die ebenfalls angebotene Langversion sogar 5.800 Liter.

Der VW fährt wie ein Pkw

Trotz großem Platzangebot fährt sich die Fuhre fast wie ein Pkw. Auch Fahrkomfort und eine gute Bedienung werden geboten. Alles gut also? Technisch gesehen zumindest dann, wenn ein größerer Dieselmotor gewählt wurde. Die Benziner verbrauchen viel, die kleinen Diesel sind mit dem schweren Auto überfordert.

Der Großvater aller europäischen Vans ist der Renault Espace, dessen erste Ausführung aus dem Jahr 1984 stammt. Die heutige, vierte Generation ist die erste, die in konventioneller Stahlbauweise hergestellt wurde. Die Vorgänger setzten auf eine Kunststoffkarosserie über einem Stahlskelett.

Verarbeitung ist ein bisschen mau

Auch den jetzigen Espace gibt es als Langversion. Er bleibt zwar konzeptbedingt hinter dem VW Bus zurück, doch die maximal 3.050 Liter und sieben Sitze sind ebenfalls groß. Autotester empfanden das Fahrverhalten als limousinen-artig, hier hat Renault gute Arbeit geleistet.

Ganz auf der Höhe der Zeit ist er jedoch nicht, denn seine futuristischen Digitalanzeigen sind gewöhnungsbedürftig. Zugleich sind die Kunststoffe im Innenraum nicht von sonderlich hoher Qualität, so dass ein gebrauchter Espace auch schnell genauso aussieht.

Peugeot ist ein Spätstarter

Ernsthafte Bemühungen im Van-Markt sind bei Peugeot erst seit 2009 zu bemerken, als das Modell 5008 erschien. Vorher ging man ein paar halbherzige Kooperationen ein, mehr nicht. Zwischen VW Bus, Espace und dem 5008 liegt eine ganze Fahrzeugklasse, denn der 5008 gehört den Kompaktvans an.

Trotzdem können in ihm bis zu sieben Personen transportiert werden. Wird der ganze Platz nur für Gepäck ausgenutzt, sind es maximal 1.754 Liter. Traditionell setzten viele französische Autos auf hohen Fahrkomfort, an diese Tradition will der Peugeot wieder anknüpfen.

Der variable Innenraum, die versenkbaren Fondsitze sowie die standfesten Bremsen sorgten für gute Urteile. Negativ fielen die umständliche Navi- und Radiobedienung sowie die etwas gefühllose Lenkung auf.

Vom Pionier zum Fiat

Er gehört zu den Pionieren der Van-Mode, der Chrysler Voyager. Doch seit 1983, als der erste Voyager erschien, hat sich das Blatt gewendet. In Deutschland ist er als Neuwagen aus dem Straßenbild verschwunden, umgelabelt als Fiat Freemont. Doch gebraucht gibt es den Chrysler noch, und das zum sehr kleinen Kurs. Er ist anders als seine Konkurrenten, die innwendig doch eher karg daherkommen.

Groß und luxuriös wirkt der Innenraum, amerikanisch-fluffig ist das Fahrgefühl. Ganz klar als Gleiter ausgelegt, sind ihm sportliche Allüren komplett fremd. Leider ist auch die Verarbeitung dazu angetan, alle Vorurteile über amerikanische Autos zu bestätigen. Weder außen noch innen bleibt der Glanz lange erhalten.

Den Voyager gibt es ab 1996 ebenfalls als verlängerte Version. Die trägt dann den Namenszusatz „Grand“ und fasst bis zu 4.880 Litern. Anfällig zeigen sich oft die Zylinderköpfe der Diesel, die Benziner sind dafür trinkfest.

Der VW Bus von Mercedes

Dem deutschen Platzhirsch VW Bus versucht Mercedes seit den 90er-Jahren mit dem ebenso deutschen Viano Paroli zu bieten, dessen erste Version noch V-Klasse hieß. Auch ihn gibt es als Lang- oder Kurzversion, insgesamt sind es sogar drei verschiedene Längen und zwei Dachhöhen. Bis zu 3.050 Liter passen hinein, doch der Vergleich mit dem Volkswagen trügt. Dem Viano, selbst dem ab 2005 neuen Modell, merkt man seine Nutzfahrzeug-Herkunft viel stärker als dem Wolfsburger an.

Dazu trägt der etwas freudlose Innenraum bei, vor allem aber der Fahrkomfort sowie die dürftige Geräuschdämmung. Das äußert sich natürlich umso stärker, wenn ein Diesel unter der Haube steckt. Ist es ein vergleichsweise leiser Benziner, muss man sich auf einen hohen Spritverbrauch einstellen.

Der Riese aus Korea

Man könnte nun auf die Idee kommen, sich einen Koreaner zuzulegen. Marken wie Kia oder Hyundai bekommen von der Fachpresse hohes Lob für Verarbeitung, Technik und mittlerweile auch das Design. Der Kia Canvival dagegen stammt noch aus einer frühen Zeit. Der Wagen ist vor allem im Interieur ziemlich amerikanisch.

Das betrifft leider auch die Verarbeitung, dafür gibt es jedoch kaum Platzsorgen. Kein Wunder: der Kia ist fast fünf Meter lang. Er ist grundsätzlich siebensitzig, die Einzelsitze der mittleren Reihe sind um 180 Grad drehbar, so dass sich eine Sitzanordnung wie in einem Zugabteil ergeben kann. Die dritte Sitzreihe ist verschieb- und klappbar. Zusätzlich hat der Kia Carnival zwei große Schiebetüren an den Seiten, die einen bequemen Zugang ermöglichen.

Nach dem Umklappen und Ausbauen aller hinteren Sitze ist der Laderaum 3.321 Liter groß. Wobei gilt: Je weiter vorn man sitzt, desto bequemer ist der Kia Carnival. Auch das Gewicht des Kia Carnival fällt mit 2,2 Tonnen aus dem Rahmen. Neben den lauten Dieselmotoren standen der große Wendekreis sowie die indirekte Lenkung des Kia Carnival in der Kritik.

Detaillierte Informationen zu den jeweiligen Vans finden Sie in der Bildergalerie.

Text: SH | Bildmaterial: Peugeot