Tachomanipulation

Gebrauchtwagenkauf: Tachomanipulationen aufdecken

Kilometerstand: Weniger ist mehr

Aufgepasst: Schon ab 50 Euro kann man den Tacho eines Gebrauchtwagens manipulieren. Damit Sie nicht auf einen Langstreckenläufer hineinfallen, gibt es hier unsere Tipps.

 
 

 

Sicher, es war ein extremer Fall: Die Polizei hatte einen BMW gefunden, der tatsächlich 700.000 Kilometer gelaufen hatte. Laut Verkäufer betrug die Laufleistung jedoch nur 150.000 Kilometer. Das ist zwar verboten, jedoch relativ einfach. Ab 50 Euro kostet das Manipulieren eines Tachos. Lässt der Verkäufer den Wagen dazu noch optisch aufhübschen, fällt das dem Laien kaum auf.

Selbst Experten haben Probleme, die Manipulationen aufzudecken. Moderne Autos sind komplett vernetzt. Hier, an der Bordelektronik, setzen die Betrüger an. Auch wenn der Tachostand in mehreren Bauteilen der Elektronik abgelegt ist, erwischen die Betrüger auch diese Daten. Kommt ein neues Automodell heraus, dauert das nötige Software-Update meinst nur kurz, und die Betrüger können weitermachen.

Der allgemeine Zustand gibt erste Hinweise

Die sichersten Hinweise auf eine abweichende Laufleistung finden sich in der „Hardware“ des Autos. Das wichtigste hierbei ist, dass Kilometerstand und Zustand zusammenpassen müssen. Die Indizien für einen weit höheren Kilometerstand sind zahlreich und wären deshalb sehr teuer in der Gesamtheit zu beheben. Smart Repair reicht dann nicht. Hat man ein Auto bis 20.000 Kilometer vor sich stehen, dürfen zwar Gebrauchsspuren wie leicht abgenutzte Pedalgummis zu sehen sein, mehr aber auch nicht.

Die Indizien auf eine höhere Laufleistung als angegeben sind im Innenraum: Ausgeleierte Sitze, abgescheuerte Sitzwangen, abgegriffene Lenkräder und Schalthebel. Außen geht es um den Gesamtzustand. Man kann am Lack einschätzen, ob der Wagen 100 oder 1.000 Autowäschen überstehen musste. Auch viele Steinschläge, Schrammen an den Felgen oder verkratzte Scheiben deuten auf einen hohen Kilometerstand hin.

Die Papiere müssen komplett sein

Der ADAC rät, den Papieren große Aufmerksamkeit zu schenken. Dazu gehört das Scheckheft, aber auch Rechnungen mit aufgedrucktem Kilometerstand. Misstrauisch sollte man werden, wenn das Auto erst viel, dann plötzlich jedoch sehr wenig bewegt sein soll. Wer in zwei Jahren 50.000 Kilometer fährt, wird in den folgenden Jahren nicht nur 5.000 Kilometer fahren oder muss dies gut begründen.

Ist der Verkäufer nicht der erste Besitzer, kann man über den Kfz-Schein den Vorbesitzer herausfinden und diesen kontaktieren. Als letzter Rettungsanker gilt beim ADAC der Kaufvertrag: Hier dürfen keine Formulierungen wie „Tachostand abgelesen“ oder „laut Tacho“ stehen. Nur wer sich die tatsächliche Laufleistung schriftlich im Kaufvertrag zusichern lässt, hat im Falle des Falles die Chance auf Schadensersatz.

Text: SHell