Gebrauchtwagentester „Die Prüfer“

Gebrauchtwagentester „Die Prüfer“

Dein Freund und Prüfer

Wer einen Gebrauchtwagen kaufen will, braucht für die Begutachtung manchmal fachkundigen Rat. Die Alternative zum Bekannten, „der sich auskennt“: ein Autoexperte auf Bestellung.

12. Oktober 2012

Ihr Standort: Stuttgart. Der Jaguar Ihrer Träume: in Stralsund. Was nun? Die Katze im Sack zu kaufen wäre Wahnsinn. Doch schon für die Anfahrt zur Autobesichtigung wären hundert Euro fällig, fürs Kurzzeitkennzeichen inklusive Versicherung noch mal so viel.

Autokäufer, die sich auf so etwas einlassen, stehen unter großem Druck, den Wagen zu kaufen – auch wenn sie vielleicht das ein oder andere Detail am Fahrzeug entdeckt haben, das „eigentlich“ dagegen spricht. Und bei einem Auto „um die Ecke“ wohl auch nicht zum Kaufabschluss führen würde.

Das Internet, das Tor zur (Auto-)Welt, erweitert den Suchradius gewaltig, aber verleitet auch zu Handlungen, die einem später vielleicht Leid tun. Wer bei der Suchmaske von Gebrauchtwagenbörsen die Umkreissuche nicht aktiviert, hat automatisch Fahrzeuge in der Ergebnisliste, die vielleicht 1.000 Kilometer entfernt auf einen Käufer warten.

 

 
 

Gebrauchtwagenkauf kann man nicht üben

Für einen Gebrauchtwagen gibt der Deutsche durchschnittlich 9.740 Euro aus, hat die Deutsche Automobil Treuhand kürzlich berechnet. Das ist eine Menge Geld – zumal sich Autofahrer laut Statistik alle sechs Jahre einen neuen Gebrauchtwagen zulegen.

Alle sechs Jahre, da besteht kaum die Möglichkeit, wirklich Übung zu bekommen im „Auto kaufen“. Fehlt dann auch noch die Fachkenntnis, sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Besichtigung denkbar schlecht.

Also muss Unterstützung ran. Alex Schult stand genau vor diesem Problem: Der 28-jährige Monteur aus Chemnitz wollte sich einen gebrauchten Golf zulegen. Sein alter Peugeot fährt zwar noch, aber mit 150.000 Kilometern auf der Uhr ist ein Ende absehbar.

Ein Schnäppchen – wenn es keine Mängel gibt

In Berlin wurde Schult fündig: Ein Golf Diesel, Baujahr 2011, nur 20.000 Kilometer gelaufen, Verhandlungsbasis 15.000 Euro. Beinahe ein Schnäppchen – aber nur, wenn das Auto keine versteckten Mängel aufweist.

Alex ist selbstkritisch: „Die Batterie checken, das traue ich mir ja noch zu – aber Chassis oder Motor schaue ich mir auf keinen Fall allein an!“ Die 260 Kilometer bis Berlin stellen für den Monteur kein Hindernis dar, er nimmt sich einen halben Tag frei. Aber woher nun einen Auto-Experten nehmen?

„Suche Kfz-Mechaniker, der mich auf Probefahrt begleitet – biete lebenslange Dankbarkeit.“ In regionalen Kontaktbörsen wird man so ein Inserat kaum finden, doch der Bedarf scheint da zu sein.

Kontaktbörse für Autokäufer und Sachverständige

Davon jedenfalls ist Torsten Henning überzeugt: E-Mails von begeisterten Kunden zeigen dem Ingenieur aus Jena, dass viele Autokäufer sich nichts sehnlicher wünschen als fachkundige Begleitung. Denn vielen fehlt der oft zitierte „befreundete Kfz-Mechaniker“.

Also hat Henning vor dreieinhalb Jahren eine Art „Partnervermittlung“ gegründet: Die Prüfer. Es ist zwar nur Liebe auf Zeit, die er anbahnt, aber sie ist zu beiderseitigem Nutzen. „Zwei Drittel der Autos, die die Prüfer für gut befanden, wurden von den Kunden auch gekauft.“

Fachkenntnis, abrufbar aus der Datenbank

Die Idee dahinter ist simpel: Wer keine Fachkenntnis hat, der holt sich welche. Das funktioniert beim Geigenunterricht ebenso wie beim Bergsteigen. Warum also nicht auch beim Autokauf?

Alex Schult lässt sich darauf ein: Über die Datenbank von „Die Prüfer“ bucht er eine „Kaufbegleitung“ für 150 Euro. Zugegebenerweise eine Hemmschwelle: „Wenn ich den Wagen nicht kaufe, sind die 150 Euro weg. Das stört natürlich ein bisschen.“ Und schließt in den meisten Fällen aus, dass man seinen „Prüfer“ gleich zu fünf, sechs Autos mitschleppt.

Wenn der Prüfer Mängel entdeckt, legt er zum Gutachten noch eine Liste der Reparaturkosten an. Mit der kann sogleich nachverhandelt werden. „20 bis 25 Prozent auf den Händlerverkaufspreis sparen unsere Kunden dabei in der Regel“, sagt Torsten Henning von „Die Prüfer“.

Den Gutachter, ein zertifizierter Kfz-Sachverständiger, kann sich Schult nicht selbst aussuchen – er wird nach Standort und Verfügbarkeit zugeteilt. „Die Prüfer“, das sind rund 300 selbstständige Sachverständige, die im Verband FSP (Fahrzeugs-Sicherheitsprüfung) organisiert sind.

Nicht immer gern gesehen bei Händlern

Jetzt muss der Kaufinteressent nur noch die Erlaubnis des Verkäufers einholen – den Besichtigungstermin vereinbart der Prüfer dann in Abstimmung mit ihm. Der Verkäufer, ein kleiner Händler aus dem Südwesten Berlins, gibt seine Zustimmung per Telefon.

„Das ist nicht immer so – manche Verkäufer lassen den Prüfer nur ungern auf den Hof“, sagt Udo Schütt. Für den TÜV Rheinland hat er FSP nach der Wiedervereinigung als ursprünglich ostdeutsche Sachverständigen-Organisation aufgebaut. Inzwischen ist FSP in ganz Deutschland vertreten.

Schütt: „Wer etwas zu verbergen hat, versucht die Arbeit der Prüfer zu erschweren.“ So komme es vor, dass bei Ankunft des Sachverständigen durch einen „unglücklichen Zufall“ keine Hebebühne frei sei. Oder das zu prüfende Auto ist völlig zugeparkt. Oder die Rote Nummer für die Probefahrt ist nicht auffindbar. Sachen gibt’s…

Keine Zauberei: Der Prüfer kennt sein Metier

Doch der Händler beim Prüfzentrum in Berlin-Mariendorf hat alles perfekt vorbereitet: Der schwarze Golf GTD steht aufgeschlossen und gewaschen vor der Halle, die Bühne wartet. Kurzes Händeschütteln mit dem Berliner Prüfer Ingo Kohlmann, dann geht es auch schon los. Kohlmann packt seinen Aktenkoffer aus. „Da ist meine Werkstatt drin.“

Lackschicht-Messgerät, Kamera, Kugelschreiber – an die Arbeit. Die Prüfung selbst ist keine Zauberei: Kohlmann kennt sein Metier, spult routiniert das Programm ab.

Als erstes vergleicht er Fahrgestell- und Motornummer mit den Daten im Fahrzeugschein. Stimmt alles überein? „Das ist ein häufiger Mangel – oftmals steckt aber keine böse Absicht dahinter, sondern bloß ein Tippfehler.

Der Prüfer dreht mehrere Runden um das Auto

Nach den Formalien geht es an die Lappalien: Kohlmann schlendert mit Argusaugen einmal rund um die Karosse, findet winzige Lackmängel und einen feinen Kratzer in der Windschutzscheibe. Zügig, aber nicht hastig: Eine 150-Punkte-Liste hat er abzuarbeiten.

Anschließend greift der Sachverständige zum Lackschichten-Messgerät und umrundet damit den Golf. Die Mikrometer-Angaben sind überall konstant – das heißt: Die Lackschicht ist überall gleich dick.

Hätte der Wagen einen reparierten Unfallschaden, würde das Messgerät ein anderes Ergebnis liefern: Spachtelmasse oder eine neue Lackschicht erhöhen den Abstand zur Karosserie signifikant.

Auch von unten keine sichtbaren Mängel

Als nächstes kommen Motorraum, Kofferraum und schließlich der Innenraum dran – jeweils ohne böse Überraschungen. Anschließend kommt der Wagen auf die Hebebühne – Bodengruppe inspizieren. Das knapp eineinhalb Jahre alte Auto sieht von unten aus wie frisch vom Band gelaufen. Auch eine Probefahrt zusammen mit Kaufinteressent Schult verläuft ohne böse Überraschungen.

Prüfer Kohlmann macht eine letzte Runde, um den gesamten Wagen ausgiebig zu fotografieren. Die Fotos sind Teil des Gutachtens für den Käufer. Noch ein paar Notizen und eine mündliche Auskunft: „Können Sie kaufen“, meint der Sachverständige lapidar.

Natürlich kann er das nicht schreiben, denn im Gutachten dürfen nur rechtlich einwandfreie Floskeln stehen. Darin unterscheidet sich eine Begutachtung durch „Die Prüfer“ nicht im Geringsten von anderen Sachverständigen-Gutachten.

Käufer Schult jedenfalls bereut seine Entscheidung nicht: „Allein hätte ich mir das nicht zugetraut – beim nächsten Gebrauchtwagen schicke ich den Prüfer gleich allein hin.“

Nur jeder vierte Kunde kommt mit

Die Mehrheit der Kunden hat dieses Vertrauen: „Drei Viertel der Kunden buchen „die Prüfer“, ohne dabei zu sein“, sagt Geschäftsführer Torsten Henning. In Österreich wird die Dienstleistung seit kurzem zum gleichen Preis angeboten. Ziel ist es, unseren Service in ganz Europa zu etablieren – mit einheitlichen Standards und Tarifen.“

Direkte Konkurrenz gibt es für „Die Prüfer“ bisher nicht: „Die meisten Sachverständigen sitzen in ihren Prüfzentren und wollen da auch bleiben – wir gehen zum Kunden, das ist der Unterschied.“

Ähnliche Unterstützung beim Autokauf bieten auch Online-Dienste wie CHECK MY CAR oder die „Social-Gebrauchtwagencheck-Community“ ferntester.de. Allerdings handelt es sich hierbei laut ferntester.de um „Autofreunde, Hobbyschrauber oder Mechaniker“, die „für ein paar Euro Spritgeld oder einen Kasten Bier“ anrücken, nicht aber um anerkannte Kfz-Sachverständige.

Die Preise der Autoprüfer:
Kaufbegleitung inklusive Gutachten mit Mängelliste und Aufstellung der Reparaturkosten: 150 Euro.
Gebrauchtwagencheck innerhalb von 2-3 Tagen, ohne Probefahrt: 120 Euro
Gebrauchtwagencheck innerhalb von 48 Stunden, mit Probefahrt: 150 Euro

Text: aw/fayvels büro