Downsizing-Pioniere

Top Ten: Aufgeladene Hot Hatches der 1980er und heute

Was von den Downsizing-Pionieren blieb

Wenig Hubraum, viel Leistung - das gab es schon in den 80ern. 10 aufgeladene Flitzer von damals, und vergleichbare Autos, die ihre Schöpfer heute im Programm haben.

Autoquartett war mal einfach. Früher hieß es: „Vier gewinnt eher nicht“, denn vier (oder weniger) Zylinder waren zu schwach für den Stich. Also lieber Hände weg von den Feldern Leistung oder Geschwindigkeit.

Seit Mitte der 2000er-Jahre gelten neue Regeln. Auf den Spielkarten der sportlichen Klein- und Mittelklassewagen stehen überschaubare Motorengrößen mit hoher Leistung. Downsizing ist kein reines Phänomen der Neuzeit. Die Devise "mehr Pferde durch größere Aggregate" war platzbedingt oft keine Option, einige Hersteller setzten daher auf kompakte Motoren mit Aufladung. Wir stellen 10 Hubraumzwerge vor, die schon in den 1980ern und 1990ern Trumpfkarten gewesen wären – und prüfen, was die Marken heute Vergleichbares bieten.

1. Vom VW Polo G40 zum aktuellen GTI

1987 zeigte VW eine aufgeladene Polo-Kleinserie. 116 PS stark, hauchzart mehr Leistung als Golf II GTI 8V – und das mit einem Hubraum von nur 1,3 Litern. 1990 ging die unlimitierte Variante mit Kat und 113 PS in Produktion. Für die Leistung sorgte ein G-Lader. Die spiralförmige Spielart eines Kompressors gab dem Sportmodell seinen Namen: G40, wobei 40 auf die Größe des Laders verweist. Bekannter wurde der Lader in den Modellen Golf, Corrado und Passat G60.

Später hießen schnelle Polo-Modelle GTI. Der steht seit 2009 wieder in der Tradition des G40, zunächst war ein 1,4 Liter Turbo-Kompressor gut für 180 PS. Seit dem Facelift steckt im Polo GTI ein 1,8 Liter Motor mit nur einem Lader und 192 PS.

2. Vom Fiat Uno Turbo zum 695 Biposto

Der Fiat Uno Turbo bot ab Mitte der 80er Jahre bis zu 111 PS aus knapp 1,3 Litern. Der Block stammte in Grundzügen aus der Palette des Ritmo, die Aufladung sorgte für den Rest. Der kleine Turbo war im Breiten-Motorsport besonders aufgrund seines geringen Gewichts beliebt.

Kleiner Vierzylinder, Turbo und wenig Gewicht? Erinnert an das aktuelle Spitzenmodell auf 500er-Basis. Der leergeräumte 695 Biposto kommt mit 1.4 Litern und Turbounterstützung auf 190 PS. Im milderen 595 sind es 10 Pferde weniger.

3. Vom Daihatsu Charade Gtti zum Copen

Mit dem Charade bot Daihatsu das weltweit erste Auto mit mehr als 100 PS aus weniger als 1.000 ccm. Beides haarscharf: Aufgeladene 993 ccm waren für 101 PS gut. Wie VW beim Polo, setzte man unmittelbar danach wieder auf einen 1.6-Liter-Sauger. Es gibt Parallelen, gerade weil sich Daihatsu heutzutage in Japan auf das Segment der steuerbegünstigten Kei-Cars konzentriert.

Diese Kleinstwagenklasse wird steuerlich begünstigt, solange der Hubraum unter 0,66 Litern liegt. Der kurzzeitig auch in Deutschland erhältliche Copen tritt mit 0,6 Litern an und gehört - kaum vorstellbar - als Zweisitzer mit 64 PS zu den sportlichsten Autos seiner Art. Wie beim Charade treibt ein Dreizylinder-Turbo die Vorderachse an. Aufgrund des Rückzugs vom japanischen Markt ist der aktuelle Copen nicht mehr in Deutschland erhältlich.

Den Vorgänger mit Vierzylinder-Saugmotor gibt es bei mobile.de ab 3.900 Euro.

4. Vom Renault 5 Turbo zum Clio R.S

Ein Heck-Mittelmotor, und zwar längs? Wird im Renault 5 ganz schön eng. Ein Grund, warum die Franzosen 1980 beim R5 Turbo einen kompakten Motor benötigten. Der Sportwagen mit Heckantrieb beherbergt einen 1,4-Liter-Vierzylinder mit 160 PS.

Der Basis für Renaults Gruppe-B-Rallyefahrzeug wird ein ähnlich tückisches Fahrverhalten nachgesagt wie dem 2002 erschienenen Mittelmotor-Kompakten Clio Sport V6 . Als Nachfahre gilt der Clio R.S., 1,6 Liter reichen aufgeladen für bis zu 220 PS. Die Zeiten von Längsmotor und Heckantrieb sind bei Renault aber vorbei.

5. Vom MG Metro Turbo zum Mini John Cooper Works

Der Mini überlebte – zumindest als Modellbezeichnung – seinen Nachfolger MG Metro. Einen Turbolader hatte der Metro aber lange vor BMWs Neuauflage an Bord. Der leichte MG Metro Turbo war mit 98 PS aus 1,3 Litern Hubraum mehr als ausreichend motorisiert.

Aktuelle Mini-Motoren starten bei 1,2 Litern Hubraum. Turbolader gibt's serienmäßig. Ähnlich sportliche Ambitionen wie der Metro Turbo hegen aber nur die 2-Liter-Spitzenmodelle John Cooper Works.

6. Lancia Ypsilon einst und jetzt

Aus heutiger Sicht sind 85 PS eines Sportmodells nicht würdig. Selbst in den 80er-Jahren ging da mehr. Doch Lancia hielt das Gewicht des Y mithilfe eines 1,0 Liter kleinen, aufgeladenen Vierzylinder-Motors auf rekordverdächtigen 840 Kilogramm.

Vom sportlichen Anspruch früherer Tage ist bei Lancia nichts übrig, das Downsizing-Prinzip lebt aber: Die aktuellste Version mit 85-PS kommt mit zwei Brennräumen aus. Wird aber nur noch in Italien neu ausgeliefert.

7. Vom Nissan March Super Turbo zum Juke Nismo

Nissan lieferte aus Ingenieurssicht den Leckerbissen der 1980er Jahre. Im March Super Turbo steckte neben dem Abgasturbo auch ein Kompressor, der im unteren Drehzahlbereich für Schub sorgte. Der Exot ist nach europäischem Verständnis ein Micra. Der Sprint auf 100 soll in 7,7 Sekunden glücken – ein Wert, den seither kein serienmäßiger Micra unterbot.

Ob sich Haustuner Nismo des neuen Micra annimmt, wird sich zeigen. Bis dahin ist ein anderer der Nachfolger: Ähnlich kompakt, ähnlich sportlich, ähnlich ausgefallen ist so aktuell nur der Juke Nismo RS. 218 PS, 1,6 Liter – und dennoch laut Werksangaben einen Wimpernschlag langsamer von null auf 100: 7,8 Sekunden.

Den March gab es in Deutschland nur als Eigenimport. Gebrauchte Juke Nismo finden sich bei mobile.de ab 13.500 Euro.

8. Vom Mitsubishi Colt 1400 GT Turbo zum Space Star

Den 1,4-Liter-Colt gab es ausschließlich in Japan, wo der heute rare Mitsubishi immer noch eine riesige Fangemeinde hat. Ehe der Mitsubishi Lancer die Bühne betrat, waren die 103 PS des Kleinen der Gipfel der Sportlichkeit im Programm der Marke. Aktuell setzt Mitsubishi auf pure Vernunft. Dem einstigen turbobefeuerten Hot-Hatch kommt der SpaceStar als Zweizylinder-Turbo mit 80 PS noch am nächsten.

9. Vom Audi Urquattro zum TT RS

Downsizing mit fünf Zylindern? In der Tat, denn die Audi-Ingenieure konstruierten das Aggregat als Alternative zum Sechszylinder. Mit einem ernsthafteren Triebwerk wollte man den Audi 100 Ende der 70er-Jahre höher positionieren. Sprich: Mehr als vier Brennräume. Für sechs in Reihe reichte der Platz aber nicht aus. Audi brachte dem Fünfzylinder als erster Hersteller ausreichend Laufruhe bei und verwendete anschließend beim Quattro nichts Anderes mehr. Zum Verkaufsstart gab es 200 PS aus einem 2,1-Liter-Turbobenziner, im kürzeren Sportquattro war der gleiche Hubraum für 306 PS gut.

Auf mobile.de werden gepflegte „echte“ Quattro ab 30.900 Euro angeboten. Die Allrad-Legenden sind begehrt, auch als Wertanlage. Seit den frühen 2000er Jahren geht der Preis kontinuierlich nach oben.

Aufgeladene Fünfzylinder in Reihe, zwei Türen. Das gibt’s bei Audi auch heute noch. Jedenfalls einmal: Der TT schöpft als RS glatte 400 PS aus dem 2,5-Liter-Motor. Kommende Top-Modelle werden wieder auf vier Zylinder setzen.

10. Vom Opel Calibra 2.0 16 V Turbo zum GTC OPC

Der Calibra debütierte Ende der 1980er mit dem Sauger-Triebwerk C20XE. Dieser Zweiliter-16V markierte später turbobefeuert die Spitze der Motorenpalette. Der 204 PS starke C20LET übertraf den größeren V6 und gilt unter Opel-Fans noch heute als begehrtes Tuning-Objekt. Nicht wenige der Aggregate fanden den Weg in die Motorräume von B-Corsa.

Ein eigenständiges Coupé mit aufgeladenem Vierzylinder über der Vorderachse ist auch der GTC auf Basis des Astra J. In der OPC-Variante leistet er 280 PS. Markenfans befürchten inzwischen, der künftige Eigentümer PSA könnte den GTC aus dem Programm nehmen.

Viel PS aus wenig Hubraum, das konnten viele Hersteller schon vor über 30 Jahren. Treu geblieben sind sich die Downsizing-Pioniere aber selten. Meist stehen Modellreihen mit klassischen Saugern zwischen einstigen und heutigen aufgeladenen Motoren. Dass aktuelle Hot-Hatches und Mittelklasse-Sportler ein Vielfaches an Leistung bieten, relativiert sich allerdings durch das gestiegene Gewicht. Auf der anderen Seite werden auch die Turbolöcher immer kleiner - aber das steht auf keiner Autoquartett-Spielkarte.

Text: Sven Förster