Mehr Telematik-Versicherungen

Neue Versicherungen mit Telematik-Tarif

Umsichtig fahren und Geld sparen

Der Markt für Telematik-Autoversicherungen wächst: Die Allianz ist kürzlich gestartet, im Herbst wollen HUK Coburg und Sparkassen-Direktversicherung folgen. Außerdem wird es bald ein Exklusiv-Angebot für Opelfahrer geben.

  • Immer mehr Versicherungen räumen Autofahrern Versicherungsrabatt ein, wenn die ihren Fahrstil transparent machen.
  • Je nach Angebot sind zwischen 20 und 40 Prozent Nachlass möglich.
  • Die meisten dieser Tarife richten sich an junge Fahrer.

Ruhiger Fahrstil bringt mehr Rabatt

Immer mehr Autoversicherungen bieten Telematik-Tarife an: Zu den bereits vorhandenen vier Produkten ist kürzlich auch der Marktführer Allianz mit „Bonusdrive“ gestoßen. Dabei wird insbesondere jungen Fahrern und Familien bis zu 20 Prozent Rabatt in Aussicht gestellt, wenn sie der Versicherung erlauben, ihren Fahrstil aufzuzeichnen und zu bewerten. Dafür wird Elektronik im Auto installiert, die während der Fahrt ein Profil aufzeichnet und an die Versicherung übermittelt. Im Herbst wollen HUK Coburg und Sparkassen-Direktversicherung mit ähnlichen Produkten starten.

Beim Telematik-Tarif soll umsichtiges Fahren belohnt werden: Je entspannter der Fahrstil, desto höher der Rabatt. Bewertet wird zum Beispiel, wie stark das Auto beschleunigt, wie heftig es bremst und wie rasant es durch Kurven fährt. Auch Tageszeit und der Straßentyp werden bewertet. So haben Nachtfahrten eine negativen Einfluss auf das Scoring, Autobahnetappen hingegen einen vorteilhaften.

Die meisten Telematik-Tarife richten sich ausdrücklich an junge Fahrer; beispielsweise bietet die Allianz den „Bonusdrive“-Tarif ausschließlich bis 28 Jahre an. Der Grund: Junge Leute sind die unfallträchtigste Gruppe unter den Autofahrern und verursachen daher die höchsten Kosten. Ein weiterer Telematik-Tarif der Allianz, der in Kürze starten soll, macht hier eine Ausnahme: Die „Opel Autoversicherung Plus“ richtet sich exklusiv an Opelfahrer aller Altersstufen.

Opel-Kunden müssen Onstar abonnieren

Die einzige Bedingung: Die zukünftigen Telematik-Kunden müssen Abonnenten des Opel-Onlinedienstes Onstar sein, der seit Herbst 2015 sukzessive in neuen Opel-Modellen angeboten wird. Damit ist bereits ein Teil der Technik vorhanden, um Fahrdaten aufzuzeichnen und der Versicherung zu übermitteln.

Zusätzlich wird – wie auch bei anderen Telematik-Tarifen – eine App im Smartphone gespeichert. Sie erhebt beim Opel-Tarif keine eigenen Fahrdaten, sondern schließt sich mit dem Bordcomputer kurz, der das Profil an die Allianz  weiterleitet. Die Daten sind laut Allianz nach dem neuesten Stand der IT-Sicherheit geschützt und werden im Einklang mit dem Datenschutz verarbeitet.

Ähnlich wie beim Marktführer funktioniert auch die Datenerhebung der anderen Telematik-Versicherungen: Entweder speichert der Kunde eine App im Smartphone oder lässt ein spezielles Aufzeichnungsgerät im Auto, Box genannt, installieren. Die Datenaufzeichnung startet automatisch beim Losfahren. Außerdem enthält die Software eine Notruf-Funktion, die bei Unfällen aktiviert wird.

100 Euro Kosten pro Telematik-Kunde

Die Messung, Weiterleitung und Auswertung der Daten nach allen Regeln des Datenschutzes ist ein aufwändiges Verfahren, das hohe Kosten verursacht. Die Sparkassen-Direktversicherung „S-Direct“ hat im Rahmen eines Pilotprojekts, bei dem ein Telematik-Tarif mit 1.000 Kunden bis Anfang 2016 getestet wurde, eine genaue Aufstellung vorgenommen: Inklusive der Blackbox fürs Auto, dem Service und der Telekommunikation kostete das Produkt pro Kunde rund 100 Euro im Jahr.

S-Direct-Vorstand Jürgen Cramer: „Bei einer durchschnittlichen Haftpflicht-Prämie von 404 Euro jährlich ist das schon sehr hoch.“ Die Kostenquote für S Direct liegt laut dem Vorstand bei durchschnittlich 11 Prozent.

Daher sucht die Versicherung derzeit noch nach einem günstigen Anbieter für die Box und die dazugehörige Datenauswertung. Produkte von neun Kandidaten seien dafür derzeit im Test. Cramer: „Es gibt bisher keinen Favoriten.“

App nicht gegen Manipulation abgesichert

Ein Produkt ausschließlich auf Basis einer Smartphone-App, wie es die Axa-Versicherung anbietet, kommt für Cramer hingegen nicht in Frage. „Eine App hat Schwächen.“ Das betreffe einerseits die Crash-Gefahr: Kommt es zu einem heftigen Unfall, sei nicht gewährleistet, dass Smartphone und App heil bleiben – auf die komme es aber an, schon allein aufgrund der integrierten Notruf-Funktion.

Cramers zweiter Einwand gegen eine reine App-basierte Lösung ist mangelnder Schutz gegen Manipulation: „Sie können das Smartphone auch Ihrer Oma mitgeben für eine Registrierungsfahrt.“ Damit sei valide Datenerhebung, bezogen auf den individuellen Versicherungsnehmer, nicht mehr gesichert.

Allianz-App kurzfristig abschaltbar

Auch die Möglichkeit für den Fahrer, die App nach Belieben ein- und auszuschalten, disqualifiziert das Verfahren nach Ansicht des Versicherers. Cramer: „Sie können bei einer App frei entscheiden: Bin ich heute brav oder lasse ich die Sau raus?“

Hier unterscheiden sich die Produkte teils erheblich: Bei der Technik, welche die Allianz installiert, schaltet sich die App im Auto immer ein – sie kann vom Fahrer lediglich kurzfristig deaktiviert werden. Doch geschieht das zu lange oder zu oft, wird der Rabatt wieder annulliert.

Obwohl S Direct bereits mit dem Pilot-Produkt nach eigenen Angaben sehr ermutigende Ergebnisse erzielt und großes Kundeninteresse geweckt hat, glaubt man dort übrigens nicht an eine Revolution des Versicherungsmarktes: „Telematik-Produkte sind nicht die Zukunft für den Massenmarkt, zu erwarten sind allenfalls fünf bis zehn Prozent Marktanteil“, sagt Jürgen Cramer. Vor allem bei höherwertigen Fahrzeugen und jungen Fahrern sieht er Potenzial.

Tarif-Details in der Bildergalerie

Inzwischen bieten fünf Versicherungsgesellschaften Telematik-Tarife an, im Herbst wollen zwei weitere starten. Schauen Sie sich an, wie die Technik funktioniert und erfahren Sie mehr über die jeweiligen Tarife – in der Bildergalerie.

Text: Roland Wildberg