Dekra Gebrauchtwagenreport 2016

Autos mit hohen HU-Mängelquoten

Vorsicht bei diesen Gebrauchtwagen

Die HU-Statistik zeigt einmal mehr: Es gibt gute und schlechte Autos. Die schlechten sind schlecht wegen unausgereifter Konstruktion, zu schwach ausgelegter Teile, schlampiger Verarbeitung und nachlässiger Pflege. Bei diesen Modellen müssen Sie besonders vorsichtig sein.

  • Der Dekra-Gebrauchtwagenreport zeigt neben guten Autos auch die mit den höchsten Mängelquoten
  • Von diesen Modellen haben zumeist nicht einmal die Hälfte die erste HU bestanden
  • Ursache sind unausgereifte Konstruktionen und mit zunehmendem Fahrzeugalter die Pflegebereitschaft der Besitzer

Je älter ein Auto, desto wichtiger die Pflege

Ein Wettlauf mit der Zeit: Jedes Auto verschleißt, wird alt, verfällt – das eine Modell früher, das andere später. Wann es losgeht, hängt vor allem mit der Konstruktion an sich zusammen und natürlich auch mit der Fertigungsqualität im Werk.

Es ist abhängig von der Güte der verwendeten Materialien und der Sorgfalt der Montagearbeiter beziehungsweise dem Qualitätsanspruch des Herstellers.

Doch mit zunehmendem Alter kommt ein wichtiger Aspekt hinzu: Immer wichtiger für den Zustand eines Autos wird der Besitzer – und wie ernst er oder sie das Thema Pflege und Instandhaltung nimmt.

Auch mal eine Wagenwäsche

Autofahrer haben es in der Hand, wie lange ihr Wagen hält, indem sie ihn regelmäßig warten lassen, die Intervalle für Ölwechsel und andere Wechseltermine einhalten und ab und zu auch mal eine Wäsche durchführen. Noch besser: Sie stellen ihr Auto unter einem festen Dach ab. Ein Carport ist besser eine Garage, weil dort bessere Durchlüftung stattfindet. Aber so ein Fahrzeug-Refugium hat natürlich längst nicht jeder.

Wir reden hier übrigens nicht von 2- oder 3-jährigen Gebrauchtwagen. Der Wettlauf mit dem Verfall beginnt zwar schon am ersten Tag der Nutzung, doch erst nach relativ langer Zeit wird Abnutzung sichtbar, in der Regel nach fünf bis sechs Jahren.

Und beginnt – hier schließt sich der Kreis – nicht bei jedem Automodell zur gleichen Zeit. Denn wo hochwertige Materialien und adäquate Verschleißteile eingesetzt werden, da treten altersbedingte Mängel und Verfallserscheinungen nachweislich später auf.

Mängelquote steigt mit Kilometerstand

Welche das sind, zeigt der

Dekra Gebrauchtwagenreport 2016

: Aus rund 15 Millionen Hauptuntersuchungen der vergangenen zwei Jahre haben die Prüfer Mängelprofile von 474 Modellen angelegt.

Sie zeigen, welche Baugruppen besonders häufig defekt waren und wann die Probleme beginnen. Jedes Modell ist in drei Gruppen analog zur Laufleistung aufgeschlüsselt: Junge Gebrauchtwagen mit unter 50.000 km, Mittelalte mit 50.000-100.000 km und Altwagen mit 100.000-150.000 km auf dem Tacho.

Dabei zeigt die Statistik: Die Mängelquote steigt bei nahezu jedem Modell – den guten wie den schlechten – mit zunehmender Laufleistung.

Alter allein nicht zwangsläufig Schuld

Das liegt nicht zwangsläufig am Alter allein: Meistens sind es Verschleißteile wie Bremsen, Glühlampen oder Stoßdämpfer, die bei der technischen Durchsicht auffallen und ausgetauscht werden müssen. Wer also sein Auto regelmäßig zur Inspektion bringt, sollte bei der HU eigentlich gar nicht auffällig werden.

Ein weiteres Phänomen, das die Statistik grundsätzlich ein wenig verzerrt, ist die Vermögenskurve: Ein hochwertiges Auto geht zumindest in den ersten zehn Lebensjahren durch die Hände wohlhabender Personen, die es entweder als Dienstwagen einsetzen und dann schon aufgrund des Leasing-Vertrages mustergültige Pflege walten lassen.

Oder sie leisten es sich privat, werden aber ebenfalls die hohen Haltungskosten zumeist problemlos bewältigen. Auch als Leasingrückläufer sind Premiumfahrzeuge noch so teuer, dass sie – vorerst – nicht in die Hände von Autofahrern gelangen, die sich den Unterhalt eigentlich nicht leisten können.

Billige Fabrikate werden verbraucht

Die billigen Fabrikate jedoch landen schnell auf einem Markt der Endverbraucher, und die wollen und müssen ihre Autos buchstäblich zu Ende verbrauchen. Das erklärt, warum sich unter den günstigen Kompakt- und Kleinwagen der Importeure viele mit Instandhaltungsstau verstecken.

Kommen nun noch nachlässige Fertigung und die ein oder andere unglückliche Konstruktion (z.B. zu klein dimensionierte Bremsscheiben, schlechte Rostvorsorge, zu dünnes Blech der Auspuffanlage) hinzu, ist der Abstieg im Gebrauchtwagenreport fast programmiert.

Das Fazit für alle, die ein haltbares Auto suchen, aber wenig investieren können oder wollen: Auch die üblichen Verdächtigen vom Mängelreport können gut und langlebig sein. Sie müssen nur sorgfältig aussuchen und sehr gründlich inspizieren, bevor Sie zuschlagen.

Das heißt: Bei den ausgewiesenen „Mängelriesen“ des Gebrauchtwagenreports sollte ein => Gebrauchtwagencheck beim Profi (also ein zertifizierter Gutachter) Standard sein. Tipp: Notieren Sie sich die einschlägigen Fehlerquellen des Fahrzeugtyps, nehmen Sie einen Experten (z.B. von Dekra oder einer anderen Prüforganisisation) zur Besichtigung mit, und schauen Sie unbedingt auch unter das Auto.

Viele Nieten auf dem Markt

Wer sparen will, könnte also die Negativ-Liste sogar als Kaufempfehlung für Schnäppchenjäger interpretieren. Das ist durchaus möglich – aber rechnen Sie damit, bei der Goldsuche auf viele Nieten zu stoßen.

Die Schlusslichter des Dekra-Mängelreports 2016 sowie Einzelheiten über ihre Schwachpunkte und Problemzonen finden Sie in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt / fayvels büro