Das kommt 2016 auf Sie zu

Neues für Autofahrer im Neuen Jahr

Kommt das Tempolimit?

Für Autofahrer gibt es 2016 einige wichtige Neuerungen. Dazu zählt ein Autobahn-Tempolimit (noch im Teststadium), eine neue Art von Tempokontrolle, verschärfte Sicherheitsanforderungen bei Motorrädern sowie Steueränderungen für Elektroautos.

11. Dezember 2015

Ausgerechnet im Heimatland von Porsche & Daimler wird die Raser-Freiheit beschnitten: Die Rot-Grüne Landesregierung von Baden-Württemberg testet 2016 eine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen.

Die CDU-Opposition befürchtet bereits die Einführung des flächendeckenden Tempolimits durch die Hintertür: Auf zwei Teststrecken wird ab Mai nur noch 120 km/h erlaubt sein. Betroffen sind ein Abschnitt der Bodensee-Autobahn A 81 zwischen Engen und Bad Dürrheim im Schwarzwald sowie zwischen Wangen und Aitrach auf der Allgäu-Autobahn A 98. Beide Strecken sind jeweils 48 Kilometer lang.

Die Begründung der Bremser: Unfallforschung. Drei Jahre soll gemessen werden, dann wird ausgewertet. Der ADAC meint dazu: Ein Drittel des gesamten Verkehrs findet auf Autobahnen statt, dem gegenüber stehen nur 6% aller Unfälle mit Personenschaden – da wären Landstraßen weitaus gefährlicher. Der CDU-Landtagsabgeordnete Reuther schimpfte gegenüber dem „Deutschlandfunk“: „Für mich ist das Regulierungswut, grüne Bevormundungspolitik“.

Section Control auf der B6

Raser müssen jetzt ganz tapfer sein, denn es kommt noch dicker: Zeitgleich wird in einem anderen Bundesland ein neues Verfahren zur Tempokontrolle auf Autobahnen getestet: die „Section Control“ (Abschnitts-Überwachung).

Die Section Control ist bereits in Italien und Österreich eine verbreitete Methode, Temposünder lückenlos zu erfassen: Statt Radarfallen zu installieren, wird eine Strecke komplett mit Kameras überwacht. Sie registrieren jedes Fahrzeug und speichern relevante Daten: Kennzeichen sowie Ein- und Ausfahrt; also die Zeitpunkte, zu denen das Fahrzeug in einen Abschnitt ein- und wieder ausfährt. Liegt die Fahrtzeit, in der es den jeweiligen Abschnitt durchquert hat, unter einem vorherbestimmten Limit, wird automatisch ein Bußgeldbescheid zugestellt.

Der Pilotversuch für Deutschland findet nun in Niedersachsen auf der Bundesstraße 6 zwischen Laatzen und Gleidingen (bei Hannover) statt. Sechs Kameras sind auf der 2,1 km langen Strecke installiert und zeichnen grundsätzlich jeden auf, der sie befährt. Das Verfahren ist datenschutzrechtlich umstritten, weil es prinzipiell alles speichert.

Förderung für E-Autos

Das klingt ein wenig beunruhigend, aber zum Glück kündigt sich auch etwas Gutes für 2016 an: Die Bundesregierung plant eine stärkere finanzielle Förderung von Elektroautos. Ob diese Förderung wieder in Form einer Abwrackprämie (für einen Gebrauchtwagen mit Verbrennungsmotor) oder einer Steuerrückzahlung o.ä. erfolgt, ist noch nicht bekannt.

Währenddessen geht eine bereits bestehende Förderung um die Hälfte zurück: Ab 1. Januar 2016 werden neue Elektroautos nur noch fünf Jahre von der Kfz-Steuer befreit sein (bisher zehn Jahre). Wer sich also in Gedanken trägt, ein neues Elektroauto zu kaufen, sollte dies noch im alten Jahr realisieren.

Auch die Finanzhilfe für die Nachrüstung eines Diesel-Partikelfilters wird voraussichtlich Mitte Februar 2016 auslaufen. Wer also einen gebrauchten Diesel (älter als neun Jahre) fährt und mit Einbau des Partikelfilters Steuern sparen möchte, sollte den Antrag schnellstens stellen. Maximal 260 Euro legt der Staat für Kauf und Einbau dazu. Der Filter muss bis 31. Dezember 2015 in die Zulassungsbescheinigung eingetragen worden sein.

Mehr Fußgängerschutz

Das Jahr 2016 bringt mehr Sicherheit, zum Beispiel für Fußgänger: Seit längerem bewertet der unabhängige NCAP-Crashtest nicht nur die passive Sicherheit eines Autos. Immer wichtiger wird, wie stark Assistenzsysteme im Auto aktiv den Unfall schon im Vorfeld verhindern können.

Das führt ab Januar dazu, dass auch der Fußgängerschutz verbessert wird. Die volle Punktzahl erhält ein Auto dann nur noch, wenn es eine Fußgängererkennung vorweisen kann. Dieses System soll einen Unfall mit einem Fußgänger bis 40 km/h unmöglich machen.

Sicherer & Sauberer

Anfang des neuen Jahres ändert sich auch etwas für Motorradfahrer: Neu entwickelte Zweiräder müssen dann die Abgasvorschriften der Norm Euro 4 erfüllen. Diese Vorschrift betrifft motorisierte Zwei- und Dreiräder mit einem Hubraum über 50 Kubikzentimeter oder einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit über 45 km/h.

Ab Januar 2016 tritt für alle neu entwickelten Motorräder mit einem Hubraum über 125 Kubikzentimeter zudem die ABS Pflicht in Kraft, ab 2017 für alle Motorräder mit Neuzulassung.

Autoversicherung kündigen

Übrigens: Wer den Kündigungstermin am 30. November für seine Kfz-Versicherung verpasst hat, kann in diesem Jahr trotzdem noch wechseln. Voraussetzung ist laut ADAC allerdings, dass die Versicherung teurer wird, ohne dass ein Schaden vorlag. Das wird Sonderkündigungsrecht genannt.

Wichtig ist, dass der Kunde in der schriftlichen Kündigung klar Bezug auf die Beitragserhöhung nimmt, ansonsten kann diese nach dem 30. November abgelehnt werden. Jederzeit kündigen können Autofahrer ihre Kfz-Versicherung dagegen nach einem Schadensfall.

Die Kündigung sollte der Versicherungsnehmer generell per Einschreiben/Rückschein abschicken. Kauft er ein neues Auto, kann er dieses ebenfalls jederzeit bei einem anderen Anbieter versichern.

Rote Nummer zum Tanken

2016 ändern sich auch viele Regional- und Typklassen, die bei den Versicherungstarifen auch als Grundlage dienen. Nach der aktuellen Regionalstatistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind allerdings die meisten Autofahrer davon nicht betroffen. 15 Prozent aller Autofahrer müssen einen höheren Tarif in Kauf nehmen, während es für 20 Prozent günstiger wird. Eine Übersicht bietet der GdV.

Im Laufe des Jahres soll ein Gesetz erlassen werden, welches den Begriff "Carsharing" genauer definiert und wie man diese Fahrzeuge kennzeichnet. In der Folge sollen Kommunen Vergünstigungen für Carsharing-Autos ermöglichen wie beispielsweise freies Parken.

Ebenfalls im Lauf des Jahres wird die Fahrzeug-Zulassungsverordnung (StVZO) geändert, das betrifft vor allem Autohändler: Sie dürfen dann die roten Kennzeichen (06er-Tafeln) nicht mehr nur für Überführungs- oder Erprobungsfahrten, sondern auch zum Tanken oder Waschen von Verkaufsfahrzeugen nutzen, was bislang ausgeschlossen war.

Die wichtigsten Neuerungen für Autofahrer im Jahr 2016 in der => Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund