Tipps für Käufer gebrauchter Diesel-VW

VW-Abgas-Skandal: Gebrauchtwagen-Kaufberatung

Kann ich den kaufen?

Im Skandal um die manipulierten Abgaswerte von Volkswagen droht eines unterzugehen: Die Fahrzeuge gehören weiterhin zum Besten, was der Markt zu bieten hat. Trotzdem muss man beim Kauf eines der betroffenen Dieselmodelle ein paar Dinge beachten.

  • Viele VW-Gebrauchtwagen sind mit einem der manipulierten Dieselmotoren ausgerüstet.
  • Wer so ein Fahrzeug verkaufen möchte, muss bisher nicht mit einem Preisabschlag rechnen.
  • Wer eines kauft, kann es ganz normal nutzen. Eine Rückgabe an den Hersteller ist nicht möglich.

KBA hat Umrüstung gestoppt

Die Rettung schien greifbar: Vergleichsweise simple Lösungen aus wenigen Bauteilen und Software-Updates sollten laut Volkswagen ausreichen, um die manipulierte Software zu vertreiben und aus den Auto mit manipuliertem Dieselmotor an Bord wieder „legale“ Autos zu machen.

Doch da hatten sich VW-Konzern ebenso wie die betroffenen Kunden offenbar zu früh gefreut: Nach der abgeschlossenen Umrüstung des Pick-up VW Amarok sollte nun der VW Passat an die Reihe kommen. Doch daraus wird erst mal nichts: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat die weitere Umrüstung gestoppt.

Der Grund dafür liegt offensichtlich in der „Null-Toleranz-Linie“ des KBA: Die nachgerüsteten Autos sollen für den Kunden exakt die gleichen Eigenschaften wie vorher haben, nur eben auf legalem Wege.

Grundsätzlich spricht nichts gegen einen Kauf

Nach einem stichprobenartigen Test an zwei Amarok der Fachzeitschrift Auto Motor und Sport gibt es daran jedoch Zweifel: Die Tester hatten Mehrverbräuche von 0,5 bis 0,7 Litern auf 100 Kilometer festgestellt. Die Motorleistung dagegen war gleich geblieben.

Eine endgültige Behebung der Mängel könnte also noch etwas dauern. Trotzdem gibt es genügend Gründe dafür, sich einen Wagen aus dem VW-Konzern mit dem manipulierten Diesel zuzulegen, denn der Motor hat nach wie vor sehr gute Fahreigenschaften und verbraucht auch ohne Manipulation erfreulich wenig.

Doch für Käufer gilt es, einige Dinge zu beachten. Dies sind die entscheidenden Unterschiede zwischen einem normalen Gebrauchtwagen und einem der manipulierten Diesel-VW.

Info auf vier Hersteller-Websites

Eingebaut wurden Motoren vom Typ EA189 (EA steht für „Entwicklungs-Auftrag“) in verschiedene Modelle des VW-Konzerns. Um die betroffenen Autos zu identifizieren, ist die jeweilige Fahrzeug-Ident-Nr. notwendig; sie befindet sich in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 und 2 unter „E“ = Fahrzeug-Identifizierungsnummer.

Diese Nummer geben Sie in einer der vier Konzern-Websites für Autos mit dem berüchtigten VW-Motor ein:

=> Volkswagen

=> Audi

=> Skoda

=> Seat

Gehört Ihr Fahrzeug dazu? Dann brauchen Sie jetzt nur zu warten: Der Hersteller wird Sie kontaktieren, sobald der Rückruf startet.

Wichtige Antworten für Autokäufer

Kann ich ein Schnäppchen machen?
Der Gedanke ist naheliegend, dass eigentlich dank der Betrugssoftware der Wiederverkaufswert sinken müsste. Doch dem ist derzeit nicht so. Gegenüber der Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ äußerte sich Christoph Ruhland, Direktor Marketing & Presse beim Marktbeobachter Schwacke so: „Bis heute sehen wir keine negativen Einflüsse auf den Restwertverlauf gebrauchter Diesel-Pkw außerhalb normaler Marktschwankungen. Ob das so bleibt, kann aber kein Mensch garantieren.“

Wie erkenne ich ein Auto, das bereits von VW nachgebessert wurde?
Bisher können noch nicht viele Fahrzeuge behandelt worden sein, aber das wird sich bald ändern. Drei Indizien: Erstens informiert ein Aufkleber in der Reserveradmulde des Autos über die Service-Aktion. Zusätzlich wird die Nachrüstung im Scheckheft eingetragen und drittens elektronisch im Auto selbst gespeichert. Diesen Eintrag können VW-Werkstätten auslesen.

Verliert mein VW irgendwann seine Zulassung?
Nein. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) plant keinen Entzug der Typgenehmigung, der dafür Voraussetzung wäre. Allerdings: Wenn VW den Rückruf durchführt, muss der Wagen zwingend in die Werkstatt. Verweigert der Eigentümer sich diesem Werkstattbesuch, droht tatsächlich der Entzug der Zulassung.

Was kostet mich der Rückruf?
VW hat zugesichert, dass dem Kunden keine Kosten entstehen. Auch beim nötigen Werkstattaufenthalt will VW für eine „Ersatzmobilität“ sorgen. Trotzdem ist wie bei jedem Werkstattaufenthalt natürlich ein gewisser Zeitaufwand nötig, da die Nachrüstung nur in einer der 2.173 Vertragswerkstätten geschehen kann. Die Werkstatt kann der Halter aber daraus frei wählen.

Kann ich mein Auto für den Rückruf anmelden?
So verständlich der Wunsch ist, „diese Sache“ hinter sich zu bringen – es gibt keine Möglichkeit, das Verfahren zu beschleunigen. Dazu ist die Menge der betroffenen Fahrzeuge zu hoch, allein bei VW geht man von 8,5 Millionen Autos aus. Das KBA wird die betroffenen Halter über VW anschreiben und zum Werkstattbesuch auffordern.

Kann ich mein Auto später an VW zurückgeben?
Nein. Das Landgericht Bochum hat gerade die Klage eines Autofahrers abgewiesen, der seinen VW Touran an den Händler zurückgeben wollte. Das Gericht sah keine „erhebliche Pflichtverletzung“ bei dem Autohaus. Offensichtlich hat Volkswagen auch Überlegungen aufgegeben, den Kunden eine Eintauschprämie analog zur Abwrackprämie anzubieten.

Kann ich mit dem VW ins Ausland reisen?
In ganz Europa sollten Sie hiermit keine Probleme haben. Allerdings: Sie können nicht in ein anderes Land umziehen und ihren Wagen mitnehmen. Zahlreiche Staaten haben angekündigt, dass sie bereits vorhandene VW mit dem berüchtigten Diesel zwar tolerieren würden, weitere jedoch nicht ins Land lassen wollen. Das dürfte sich erst nach der Nachrüstung ändern.

Basismotor mit 2,0 Liter Hubraum

Um welche Autos geht es überhaupt? Die VW-Dieselmotoren der Baureihe EA189 wurden 2008 auf den Markt gebracht; es handelt sich dabei um eine ganze Motoren-Familie, die in zahlreichen Automodellen des Konzerns laufen. Basis ist ein Vierzylinder-Diesel mit Turbolader, der aus 2,0 Liter 110 PS entwickelt. In zwei weiteren Versionen wurde die Leistungsausbeute auf 140 bzw. 170 PS erhöht.

Ein weiterer Motor mit 1,6 Liter Hubraum entwickelt je nach Konfiguration 75, 90 oder 105 PS. Grob geschätzt: Betroffen sind Diesel-Pkw der Konzernmarken VW, Audi, Skoda und Seat mit kleinem und mittleren Motor (75-170 PS) zwischen den Baujahren 2008 und 2014.

Welche Fahrzeuge das im einzelnen sind, sehen Sie in der => Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund