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Michael Schumachers Mercedes E-Klasse E55 AMG: Gefahren

So fährt Schumis altes T-Modell

Diese Meldung ging durchs Internet: Ein Berliner Autohändler verkauft Michael Schumachers alte E-Klasse bei mobile.de. Wir fuhren vorbei und machten eine Probefahrt.

„Der Papstgolf hat schließlich auch 90.000 Euro gebracht. Und das war nur ein Golf“. Olli hält kurz inne. Dann grinst er und sagt: „Und das war nur der Papst.“ Olli ist Verkäufer beim Autohändler CTS in Berlin-Marienfelde. Gemeinsam stehen wir vor einem Auto, das einst Michael Schumacher gehörte.
Auch, wenn Olli beim Papstgolf etwas daneben liegt - das Auto wurde 2005 für 190.000 Euro bei eBay versteigert – mit teuren Autos aus prominentem Vorbesitz kennt er sich aus. In der Halle hinter ihm parkt ein Chrysler 300 aus dem Besitz von James Brown, im Verkaufsraum um die Ecke steht das letzte Auto, das Elvis Presley jemals kaufte: ein Triumph TR6.
Seit vergangener Woche bietet der Berliner Händler auf mobile.de die 18 Jahre alte Mercedes E-Klasse an, die vor uns steht. Ein T-Modell aus der 210er-Baureihe, E55 AMG mit 5,5-Liter-V8 und 354 PS - aber auch guten 200.000 Kilometern auf dem Digitaldisplay. Eine Halterabfrage aus der Schweiz belegt: Der erste Besitzer dieses Autos war der siebenmalige Formel-1-Weltmeister. Der Preis: happige 120.000 Euro.

 

Direktlink zum Angebot: Mercedes E-Klasse T-Modell S210, E55 AMG, aus Vorbesitz von Michael Schumacher
 

120.000 Euro für Schumis Benz

Das ist verdammt viel Geld für ein Auto, das in vergleichbarem Zustand eher für um die 8.000 Euro gehandelt wird. Das Blech des 210ers ist gut – die üblichen durch Lackprobleme verursachten Rostflechten an Kotflügeln, Türen und Heckklappe fehlen. Lediglich im Mercedes-Stern auf der Heckklappe wächst eine zarte Rostblüte. Dazu hat der Kombi bereits die kleine Mopf, Vollausstattung und Designo-Leder aus dem Individualisierungsprogramm. Vor dem Verkauf will der Händler noch eine „Inspektion“ machen lassen – Bremsen, Zündkerzen, Öl.
Andererseits haben die 18-Zoll-AMG-Felgen Bordsteinschäden, die Front Steinschläge, Sitzen und Lenkrad sieht man den Kilometerstand natürlich etwas an und die Heckklappe ziert neben einem Michael-Schumacher-Aufkleber auch ein Nordschleifen-Sticker. Dass die Veredelungen von einem nachfolgenden Besitzer und Schumacher-Fan stammen, ist wahrscheinlicher als dass sie der Erstbesitzer selbst angebracht hat.
Die Ferrari-Plakette auf der Klappe des unbenutzten Aschenbechers könnte dagegen wirklich aus Schumachers Zeit stammen. ’98, als der Mercedes ausgeliefert wurde, hatte Schumi gerade zwei Jahre bei den Roten hinter sich. Bis zum ersten gemeinsamen Titel dauerte es noch zwei Jahre.
 

Auf eine Runde durch Marienfelde

Im Innenraum riecht es nach Cockpitspray. Verkäufer Olli und ich setzen uns in den Schumi-Benz und starten zu einer Probefahrt. Im Stand war der große V8 kaum zu hören, er läuft ruhig und sauber – nur von der linken Zylinderbank hört man beim Kaltstart ein leichtes Tickern. Nicht allzu beunruhigend bei der Laufleistung.
Ich kenne den S210 – allerdings nur vom unteren Ende der Leistungskette. Mein Alltagsauto ist ein rostiger E 200 T mit 163 PS und 264.000 Kilometern auf dem Blech. Eine Fehlkombination aus Sparmotor, lahmer Automatik und zu viel Fahrzeuggewicht sorgt für hohen Verbrauch bei gemächlicher Fahrt. Aber man sitzt bequem und die Technik hält.
Schumis Benz dagegen fährt noch heute weltmeisterlich. Ein Tritt aufs Gas, ein Runterschalten der Automatik und der V8 ist da, mit dezentem Sound und ordentlichem Antritt. In 5,9 Sekunden fährt der E55 theoretisch auf Tempo 100 – viel zu schnell für Marienfelde. Doch für einen kurzen Spurt und ein Grinsen im Gesicht reicht es locker. Lenkung und Fahrwerk arbeiten noch wie zu Schumis Ferrari-Zeiten – straff und präzise. 210er sind eben trotz vieler Problemchen Dauerläufer.
 

Wer kauft den Schumi-Benz?

Ollis Smartphone klingelt mal wieder. Das tut es ständig, seitdem das Auto angeboten wird. Diesmal war es ein Russe, der den Benz kaufen will, sagt Olli entspannt. Dass der Wagen am Ende keinen Käufer findet, glaubt er nicht. Vor E-Mails kann er sich schließlich kaum retten.
Andere Beobachter sehen das kritischer. Auch auf MOTOR-TALK war der Schumi-Benz schon Thema. So schlecht, wie er im Netz mitunter gemacht wird, ist er sicher nicht. Dass der Kombi wirklich aus Schumachers Besitz stammt, gilt in der Szene als unbestritten. Fraglich ist dagegen, ob der Formel-1-Fahrer wirklich oft am Steuer saß.
Offiziell fasste Schumi damals nämlich ausschließlich Ferrari an – oder den Fiat Multipla. Privat schwört der erfolgreichste Formel-1-Fahrer auf Komfort, wie er MOTOR-TALK in einem Interview erzählte. Warum also keine S-Klasse, sondern einen E-Klasse-Lastesel?
 

Wertentwicklung bei Prominenten-Autos

Die Antwort liegt womöglich auf dem Rücken der Pferde. Ende 2015 wurde das Auto zuletzt auf eBay verkauft. Die Anzeige kann noch aufgerufen werden und zeigt den Mercedes mit einem „CS Ranch“ Aufkleber auf der Heckscheibe – Werbung für Corinna Schumachers Pferderanch in der Schweiz.
Damals ging der E55 laut der eBay-Anzeige für rund 22.000 Euro weg. Der aktuelle Preis ist natürlich eine Zahl, über die man bei wirklichem Interesse intensiv sprechen kann, deutet Verkäufer Olli an. Fakt ist dagegen: Mit Prominenten-Autos kann man sich schnell verzocken, wie das amerikanische Casino lernen musste, das damals den Papst-Golf kaufte. Als es das Auto 2013 erneut auf eBay verkaufen wollte, kletterte der Preis mit 16.500 Euro nicht mal über das geforderte Minimalgebot.

 


 

Text: Philipp Monse