Ladenhüter im Autohaus

Verlierer der Zulassungs-Statistik

Die standen 2015 im Regen

Ladenhüter in den Showrooms: Diese 20 Modelle haben dem Autohandel 2015 keinen Spaß gemacht. Das macht sie umso interessanter für Rabattjäger

 
 
16. Dezember 2015

2015 war ein Autojahr in Deutschland. Das kann man bereits nach den ersten elf Monaten mit gutem Gewissen sagen. Plus 5,4 Prozent lautet die Bilanz von Januar bis November. Macht in Summe 2.958.687 Neuzulassungen. Bis Jahresende werden es rund 3,2 Millionen sein. Knapp 200.000 mehr als 2014 (3,04 Millionen).

Alles bestens also? Längst nicht für alle Marken und Modelle. Honda zum Beispiel hat auf dem deutschen Markt gegen den Trend 7,2 Prozent eingebüßt in den ersten elf Monaten (19.076 Erstanmeldungen insgesamt), Billigheimer Dacia sackte um 7,1 Prozent auf 41.930 erstmals angemeldete Autos.

Auch Toyota musste Federn lassen: minus 6,6 Prozent, bleiben 61.009 Neuzulassungen. Neue Nippon-Nummer eins ist Nissan (64.204, +11,9%). Egal, ob das schlechte Abschneiden von übermächtiger Konkurrenz verursacht wurde oder von einem anstehenden Modellwechsel: Diese und andere Zulassungs-Verlierer sind für Schnäppchenjäger ein Gewinn.

Eine italienische Legende stirbt

Endgültig in der Wahrnehmungs-Versenkung verschwunden ist Lancia. 645 Neuwägelchen hat die italienische Marke, Tochter von Fiat, noch absetzen können von Januar bis November. Macht minus 44,9 Prozent. Selbst Chevrolet (-88,1%), offiziell bereits abgemeldet vom deutschen Markt, verkaufte acht Bestands-Neuwagen mehr.

Schwer angeschlagen krebst auch Alfa Romeo vor sich hin: 2.592 Neuzulassungen hat das einstige sportliche Aushängeschild von Fiat übers laufende Jahr zusammengekratzt, 13,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Geringere Absatzzahlen meldet nur der erstarkte Luxushersteller Lexus, dem sein neuer rabiater Look zu 1.470 Erstanmeldungen verholfen hat (+27,2%).

Performance-Überflieger 2015 sind bislang Smart (plus 79 Prozent), Jeep (+52,1%) und Mitsubishi (+48,7%). Zweistellig zulegen konnten in den ersten elf Monaten auch Land Rover, Jaguar, Porsche, Mini, Suzuki und Volvo.

Zwei Sportcoupés fanden kein Interesse

Deutlich nach oben auf 39.700 Einheiten ging es fürs Sportwagen-Segment (+12,9%). Der Erfolg des neuen Audi TT (7.965 Neuzulassungen, +115,6%) und des im Juni gestarteten Ford Mustang (1.557) kostete andere Modelle richtig Performance. Für den Toyota GT86 ging es seit Jahresanfang um 46,6 Prozent runter auf homöopathische 317 Neuzulassungen. Der Peugeot RCZ büßte 31,9 Prozent ein, macht bislang 722 Erstanmeldungen in diesem Jahr.

In der Hochpreisliga musste der Mercedes SL 16,9 Prozent abgeben, macht nur noch 789 Neuzulassungen. Auch hier steht ein Modellwechsel an, Anfang 2016 kommt der überarbeitete SL. Das dürfte kräftig auf die Kurse drücken beim einstigen Vorzeige-Benz mit dem Baureihenkürzel „R 231“.

Den Abwärtstrend der Italiener bekommt auch Sportwagenbauer Ferrari zu spüren. Minus 43,8 Prozent beim F12 (63 Neuzulassungen), minus 32,5 Prozent beim 458 (239 Neuzulassungen), minus 31,3 Prozent beim FF (33 Neuzulassungen) – das kompensiert auch der im Juni gestartete 488 GTB mit seinen 93 Erstanmeldungen nicht.

Schnäppchenjagd im Boom-Segment

So oder so bringt Feilschen in dieser Leistungsliga wenig; Schnäppchen sind bei sechsstelligen Preisen auch dann nicht zu erwarten, wenn man dem Verkäufer 10.000 Euro Rabatt oder mehr abschnacken kann. Aber Versuch macht bekanntlich klug.

Der Mercedes GL zum Beispiel bietet sich dafür bestens an. Das S-gewordene Nachfolgemodell GLS (ab 74.791 Euro) lockt mit einem prestigeträchtigen Buchstaben mehr im Namen. Der aktuelle Luxus-Geländewagen bezahlt den Baureihenwechsel mit einem Minus von 19 Prozent in der Zulassungs-Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA).

Da geht bestimmt was, wenn man höflich vorspricht beim Mercedes-Händler seines Vertrauens. 20 Prozent auf einen gut ausgestatteten „Auslauf“-GL 500 machen immerhin rund 25.000 Euro Ersparnis aus.

Verhageltes X-Jahr für BMW

Wenn es auch etwas weniger allradpompös sein darf: BMW blickt auf ein recht verhageltes X-Jahr zurück. BMW X1 minus 39,3 Prozent, BMW X3 minus 12,1 Prozent, BMW X5 minus 16 Prozent – auch das könnte man ja durchaus mal in die Waagschale werfen bei den Preisverhandlungen für die robusten Bayern.

Echte Schnäppchen sind erfahrungsgemäß bei Modellen zu machen, die sich – meist nach tragischem Ladenhüter-Dasein – gänzlich aus den Showrooms verabschieden. Volkswagen hätte da aktuell das Coupé-Cabrio VW Eos (1.370 Neuzulassungen) im Angebot.

Abschiedsrunde für Eos, Accord & Co.

Der Golf-Ableger mit aufwändiger Klappdach-Konstruktion bekommt bekanntlich keinen Nachfolger, die Neuzulassungsbilanz von minus 35,6 Prozent ist ob der mittlerweile eingestellten Produktion also nicht verwunderlich.

Im November schafften es noch fünf Eos zum KBA. Drei Exemplare mehr als vom Honda Accord (703 Erstanmeldungen seit Januar, minus 41,4 Prozent), der wie der Suzuki Grand Vitara (357, minus 85,5 Prozent) ebenfalls ohne direkten Nachfolger vom deutschen Markt verschwindet.

Modelle, die den Neuwagenverkäufern 2015 keinen Spaß gemacht haben – aber vielleicht Ihnen? Die Preise für diese Ladenhüter dürften verhandelbar sein... Hier die 20 Zulassungs-Verlierer in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt / fayvels büro
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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