Test: Can-Am Spyder F3-S

386 Kilogramm, 115 PS – und ein böser Bass

Dreirad für Erwachsene

Wenn etwas abgefahren ist, dann das: der Can-Am Spyder F3, ein Dreirad der Superlative. Nichts weniger als eine „neue Dimension des Fahrens“ verspricht der Hersteller BRP. Das wollen wir wissen: Erster Ausritt auf dem 115-PS-Dreirad im „Naked Style“.

19. März 2015

Dreiräder sind was für Babys. Oder was für Luschen. An beiden Aussagen gibt es für Hardcore-Biker nichts zu rütteln. Respekt hatten die Fahrer des 2007 erstmals vorgestellten Can-Am Spyder darum bislang nicht zu erwarten von den Hütern der reinen Easy-Rider-Lehre. Das könnte sich jetzt ändern.

Bombardier Recreational Products, kurz BRP, schickt die nächste Variante seines dreirädrigen Can-Am Spyder ins Rennen. Und die ist radikal anders als ihre vollverkleideten, auf größtmöglichen Tourenkomfort ausgelegten Reise-Gevatter Spyder RS, RT und ST.
 

 
 

 

„Muskulös und maskulin“

Der Can-Am Spyder F3 und F3-S steht breitschultrig und für Can-Am-Verhältnisse geradezu nackt auf der Straße. Sichtbarer Gitterrohrrahmen à la Ducati, kein Windschutz, fettes Hinterrad (225/50 R15) – „muskulös und maskulin“, befindet Brand Managerin Danielle De Lange. Das lassen wir mal so stehen.

Sportlich knappe 11,5 Zentimeter Bodenfreiheit bleiben unter der Schnauze des F3. Hinter der breitmäuligen Grinsefront verbirgt sich ein praktisches Helm- und Krimskramsfach mit veritablen 24,4 Liter Stauraum. Die Klappe darüber öffnet stylisch nach vorn.

Runde Schnauze, aufrechte Scheinwerfer-Äuglein, dazu die freistehenden Vorderräder in Kleinwagenformat (165/55 R15): Wie ein Riesenlurch lauert der F3 auf der Straße. Irgendwie knuffig und grundsympathisch. Ein echter Aufmerksamkeitsmagnet. Im Rückspiegel und überhaupt.

Aufsehen und gute Laune garantiert

Scharenweise werden die Handys gezückt und Fotos gemacht, sobald unser Test-Tross durch die mallorquinischen Dörfer rollt. Auch der Sound beeindruckt: Die rechts montierte Auspufftüte von Abgaskünstler Akrapovic hat einen herrlich bösen Bass.

Beim Gasgeben röhrt der Endschalldämpfer satt und potent. Beim Gaswegnehmen bollert es und grummelt es und spotzt es wie bei einem gepimpten Achtzylinder. Da kommt Freude auf. Vor allem hinterm Lenker.

20 mögliche Sitzpositionen

Für ein maßgeschneidertes Fahrerlebnis soll das neue F3-UFit-System sorgen: Der breite Lenker und die massiven Fußrasten des neuen Can-Am Spyder lassen sich individuell an die Größe und die Vorlieben des Fahrers anpassen.

Easy Rider oder Power Cruiser, lässige Lümmelposition oder erhabene Hab-Acht-Stellung, alles eine Frage des A, B, C, D beziehungsweise 1, 2, 3, 4, 5. So heißen die vier Lenker- und fünf Fußrasten-Positionen. Macht zwanzig F3-Sitzpositionen insgesamt. Beim Händler soll es keine zehn Minuten dauern, bis der nackte Spyder jedem ab 1,52 Meter Körpergröße passt, verspricht De Lange.

Der F3-Fahrer hockt in einer tief ausgeschnittenen, extrem komfortablen Sitzmulde. „Er sitzt quasi im Fahrzeug, nicht bloß darauf“, betont Can-Am. 67,5 Zentimeter trennen Po und Straßenbelag. Auch kleine Fahrer oder Fahrerinnen kriegen also jederzeit beide Füße auf den Boden. Was hier aber gar nicht nötig ist: Umfallen kann der F3 ja nicht. Eigentlich.

Etwas Arbeit muss sein

Aufsteigen darf jeder, der im Besitz eines Autoführerscheins ist. Wer die Lizenz nach dem 19. Januar 2013 gemacht hat, benötigt zusätzlich Klasse A. Autofahrer finden sich schnell zurecht: Alle Spyder haben rechts eine zentrale Fußbremse. Drauf latschen wie im Auto, dann steht die Fuhre zuverlässig. Geschaltet wird semi-automatisch. Rauf per Taste links am Lenker, runter automatisch (oder ebenfalls per Schaltwippe).

Allerlei Elektronik von der Stabilitätskontrolle SCS (Stability Control System) über ABS bis Traktionskontrolle (TCS) und dynamische Servolenkung (DPS/Dynamic Power Steering) bringen die 386 Kilo schwere Fuhre narrensicher und behände durch die Kurven.

Motorradfahrer müssen sich anfangs umgewöhnen: Man lehnt sich wie auf einem Moped in die Kurve, gleichwohl schiebt der Spyder „gefühlt“ wie ein Auto nach außen. Drei vier Übungsrunden vor dem Start, dann hat das erfahrungsgemäß jeder drauf. Und ist garantiert mit Spaß dabei, die Bereitschaft zu leichter körperlicher Arbeit, vor allem mit den Oberarmen, vorausgesetzt. Merke: Je schneller der F3 unterwegs ist, desto geringer wird der Kraftaufwand beim Lenken.

Breit wie Smart, flink wie Kart

Die 115 PS des Dreizylinder-Reihenmotors von Rotax schieben den Can-Am Spyder F3 munter an. 130 Nm Drehmoment erlauben verheißungsvolle Zwischenspurts. 4,8 Sekunden auf Tempo100, gut 180 km/h Spitze – wer es drauf anlegt, kann es auf dem F3 durchaus fliegen lassen. Alles in allem mag er es sportlich, aber nicht brachial. Wer zu schnell in die Kurven rast oder die Kurvenradien allzu eng wählt, wird von der Elektronik ziemlich konsequent auf den Pfad der Fahrtugend gebracht.

2,64 Meter lang, vorn knapp 1,50 Meter breit – mit diesen Abmessungen trennen den Can-Am Spyder F3 nur wenige Zentimeter vom Smart fortwo Cabrio (2,70 x 1,56 m). Auch die Spurweite vorn gibt sich nicht viel. Gleiches gilt für den Parkraumbedarf.

Nur hinten sieht die Sache anders aus: Da hat der Can-Am Spyder traditionell nur ein Rad. Mit ein bisschen Übung schwänzelt es beim Abbiegen keck ein bisschen hin und her. Auch in dieser Hinsicht ist der Can-Am Spyder F3 einem Riesenlurch nicht ganz unähnlich.

Mehr über den neuen F3 – und was er kostet – verrät die Bildergalerie.

Can-Am-Suche bei mobile.de

Suche nach Can-Am

 

Text: Ralf Bielefeldt