Model X hat Falkenflügel

So schnell wie der Porsche 911 Turbo

Der Falke ist gelandet

Gegen den Rest der (Auto-)Welt: Nicht auf der IAA, sondern drei Tage später in Kalifornien hat Tesla mit viel Tamtam sein Elektro-SUV Model X vorgestellt. Es ist sehr schnell – und sehr teuer


 
 
1. Oktober 2015

Das war natürlich kein Zufall: Kurz nachdem die wichtigste Automesse der Welt ihre Pforten schließt, wird auf der anderen Seite des Globus in einem sorgfältig choreographierten Spektakel das neueste Elektroauto von Tesla Motors enthüllt.

Der kalifornische Hersteller, seit 2008 verkauft er Autos, hat sich von Anfang an als Gegenentwurf zur konventionellen Mobilität inszeniert. Da passt es, wenn man ganz bewusst das Elefantentreffen der Branche meidet (nur ein kleiner Tesla-Stand war in Frankfurt aufgebaut) – und trotzig-stolz seine eigene Party feiert.

Und wie ist die gewaltig: Ähnlich der Apple-Produktpräsentationen in einer riesigen Arena, und wie bei Apple beginnt sie als endlose Warteschleife, bis mit rund einer Stunde Verspätung (auch das sicher kein Zufall) der beste Autoverkäufer der Welt Elon Musk auf der Bühne erscheint. Und was hat er da mitgebracht?

So schnell wie ein Porsche 911 Turbo

Eine Mischung aus SUV und Van, mit drei Sitzreihen für sieben Personen. Besonders augenfällig: die Flügeltüren. Sie wurden ganz bewusst „Falcon Wings“, Falken-Flügel genannt, denn mit den in den USA „Gull Wings“ (Möwenflügeln) genannten des legendären Mercedes 300 SL dürfen sie um Himmels Willen nicht verwechselt werden. Diese schräge PR-Grätsche reizt vielleicht zu einem leichten Lächeln, der Rest des Autos aber nicht.

Allenfalls zu einem schweren: Model X bringt knapp 2,5 Tonnen auf die Waage, das wirkt auf den ersten Blick nicht besonders umweltfreundlich. Ein Großteil des Leergewichts geht natürlich auf die Akkus, die erst nach rund 400 Fahrkilometern aufgeladen werden müssen. Tesla-Standard eben, von der Konkurrenz bisher unerreicht.

Was erneut beeindruckt, sind die elektrischen Fahrleistungen: Zwei Motoren mit vorn 259 und hinten 503 PS peitschen den Wagen in minimal 3,2 Sekunden aus dem Stand auf 96,5 km/h (Tesla gibt das Beschleunigungsvermögen von 0 auf 60 Meilen, nicht auf 100 km an) – so schnell wie ein Porsche 911 Turbo auf dieser Distanz. Der Allradantrieb ist allerdings das einzige, was Model X einem SUV ähnlich macht. Es hat weder Differentialsperre noch Untersetzung. Aber es kann fast alles überholen.

Türen klappen selbst in engen Parklücken

Ob der X-Fahrer seinen Kindern eine solche Beschleunigung zumuten sollte, scheint zwar nicht ratsam – fall doch und ihnen dann auf der 3. Sitzbank speiübel wird, ist zumindest der rasche Ausstieg garantiert (um die Polster zu schonen). Denn die Falkenflügel sind doch etwas mehr als bloß nach oben öffnende Türen.

Sie sind mit diversen Sensoren bestückt und denken quasi mit: Kein Händchen wird eingeklemmt, beim Öffnen kein benachbartes Auto beschädigt. Bis auf 30 Zentimeter Abstand öffnen die Türen noch komplett und ohne Schramme, so dass auch der Ausstieg in engen Parklücken klappt, versichert Tesla. 

Apropos Einparken: Für das automatische Einparken stehen 360 Grad-Sensoren parat – auch das ist innovativ, denn die bisher in Autos verbauten Einparkhilfen spähen nicht nach allen Seiten aus.

Beste Crash-Werte dank einmaliger Knautschzone

Der lautlose Siebensitzer bietet aber nicht nur während des Anschnallvorgangs eine erhöhte Sicherheit. Der Tesla Model X soll in allen Kategorien der amerikanischen Crash-Tests die volle Punktzahl erreicht haben. Es wäre damit das erste SUV, dem das gelungen ist (abgesehen davon, dass es kein echtes SUV ist...).

Einen großen Anteil daran hat sicher das Fehlen eines Verbrennungsmotors im vorderen Teil des Fahrzeugs. Der dadurch gewonnene Platz vergrößert die Knautschzone von Model X und erhöht gleichzeitig das Absorbieren von Energie bei einem Hochgeschwindigkeitsaufprall.

Einen weiteren Vorteil in puncto Sicherheit bietet die sehr tiefe Positionierung der Batterien im Fahrzeugboden. Dadurch wird das bei SUV berüchtigte Überschlagrisiko nochmals minimiert. Die automatische Notfallbremse ist zudem die erste, die auch während sehr hohen Geschwindigkeiten funktionieren soll.

Türen öffnen, sobald man sich nähert

Im Innenraum des vollausgestattet rund 127.000 Euro teuren Model X P90D geht es Tesla-typisch futuristisch zu. Per 17 Zoll großem Touchscreen lässt sich nahezu alles im Fahrzeug steuern. Ob Medien, Navigation, Klima – das Infotainment mit 17 Lautsprechern lässt kaum Wünsche offen. Damit während der Fahrt nicht ständig auf den großen Bildschirm geschaut werden muss, steht für jede Funktion ein Sprachbefehl zur Verfügung.

Völlig ohne Befehl, weder per Schlüssel noch per Stimme, öffnen und schließen die Türen, sobald sich der Fahrer dem Fahrzeug nähert oder er wieder aussteigen möchte. „Warum sollte man überhaupt die Türen berühren?“, lautet die selbst beantwortete Frage von Tesla.

Wer weniger Reichweite, weniger Schnickschnack und weniger Glamour wünscht, ist zu einem weitaus niedrigeren Preis dabei: Ab 70.000 Euro soll das Basis-Model X bereits erhältlich sein, wird in der Branche berichtet.

Warteschlange bis Herbst 2016

Auf Akku und Antriebsstrang gibt Tesla acht Jahre Garantie. Das ist nicht üppig für ein Elektroauto, aber weit mehr, als im konventionellen Bereich üblich.

Bereits 25.000 Vorbestellungen soll es für Model X geben, was nicht verwundert: Ursprünglich sollte das 3. Modell in der Geschichte von Tesla Motors (nach Tesla Roadster und Model S) bereits 2012 auf den Markt kommen.

Nun ist es also soweit – und die Warterei geht weiter: Wer jetzt bestellt, erhält sein Auto voraussichtlich Ende 2016, gibt Tesla bekannt.

So sieht der geflügelte Tesla aus: Model X in der Bildergalerie.

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Text: Marcel Sommer; press-inform / Roland Wildberg