Der Plastik-Porsche von Playmobil

911er fürs Kinderzimmer

Mein erster Porsche

Sportlich spielen: Playmobil lässt erstmals ein Marken-Auto durch seine Miniaturwelt aus Plastik fahren; den Porsche 911. Vorbei die Zeit, als Spielautos in neutralem Design den Playmobil-Figuren als Transportmittel dienten. Rückblick auf 40 Jahre Mini-Motorisierung von Geobra Brandstätter

19. Februar 2015

Playmobil ist – unter anderem – ein großer deutscher Autohersteller, wenn nicht einer der größten: In den 40 Jahren, in denen Milliarden von Plastikmännchen und -frauchen die fränkische Spielzeugfabrik verließen, rollten auch Millionen von Autos in die Kinderzimmer der Welt.

Der Fuhrpark von Playmobil ist auch ein Spiegel des gesellschaftlichen Wandels: Waren anfangs vor allem Baustellen- und Einsatzfahrzeuge im Programm, wandelte sich auch die Miniaturwelt von einer Arbeits- in eine Freizeitgesellschaft; immer mehr Pkw tauchten auf, die Caravans, Bootsanhänger und Crossmotorräder auf Trailern in den Urlaub zogen.

Beim neuesten Modell holte man sich erstmals einen offiziellen Autohersteller ins Boot. Aber nicht irgendeinen: Das neueste Spielzeugauto ist ein knallroter Porsche 911 Carrera S mit lackierten Felgen, mächtigem Heckspoiler und echter Beleuchtung.
 

 
 

 

Packung im Porsche-Design

Zum Set gehören nicht nur die legendären, 7,5 Zentimeter großen Spielfiguren, sondern auch eine Werkstattannahme nebst Tresen und Ersatzteilen, ebenfalls mit dem Porsche-Signet verziert. Die Packung kostet knackige 39,99 Euro und kommt in einer Packung, die sich ebenfalls stark am Porsche-Design orientiert. Das erste Playmobilauto mit Marken-Identität.

Mit diesem Lizenzprodukt ist Playmobil vermutlich auf eine Einbahnstraße abgebogen: Bisher war der Hersteller streng neutral geblieben, was Product-Placement in seiner Miniaturwelt betrifft. Doch die Anfrage von Porsche, ob man nicht den neuen 911er als Lizenzprodukt ins Programm nehmen wolle, war offenbar zu attraktiv für den Spielwarenhersteller 

Oder haben die Kinder danach gebettelt? Wohl kaum, denn bisher ging das Spiel mit bunten Figuren und dem ebenso bunten, vielfältigen Zubehör ja auch.

Zustieg durchs offene Dach

Seit 40 Jahren nutzen die Playmobil-Figuren mit dem Dauerlächeln und den zangenförmigen Händen ein wachsendes Fahrzeugangebot. Heerscharen von Jungen und Mädchen (inzwischen die 3. Generation) kennen diese anfangs klobigen, doch nach und nach immer detaillierteren Modelle mit abnehmbaren Teilen. Wer richtig spielen und die Modelle nicht erst wie bei Lego oder Fischer Technik zusammenbauen wollte, kam und kommt um Playmobil kaum herum.

Den Anfang macht Mitte der 70er Jahre der Bau-Lkw. Das ist ein zweckmäßiger Arbeitswagen in orange, mit beweglicher Schüttmulde und sehr viel Werkzeug für den dazugehörigen, behelmten Bauarbeiter. Zwei Jahre später kommt dann der erste Pkw, allerdings in Polizeiausführung: ein grünes Spielmobil, darin ein ebenso grüner Schutzmann mit Mütze, Kelle und Funkgerät.

Das Auto selbst trägt keinerlei Markenattribute in sich. Zusteigen können die Playmobil-Polizisten erst, wenn das Dach abgenommen wird – Türen gibt es nicht. Wer will, kann immerhin Frontscheibenrahmen (ohne Glas) und Stoßfänger entfernen. Die Detailgetreue des Modells ist nahezu null. Aber darum geht es ja nicht; ob ein Auto fährt bzw. seine Insassen spannende Situationen meistern, hängt ja nicht von dem Logo an seiner Front ab.

Polizistin mit langen Wimpern

In den 80er Jahren sind nur wenige grundlegende Änderungen an den Spielmobilen zu entdecken. Das ändert sich erst Anfang der 90er. Die sogenannte Reiselimousine aus dem Jahre 1992 könnte mit etwas Kreativität auch ein VW Golf I sein. Das Dach mit Fahrradträger lässt sich abnehmen und die Windschutzscheibe besteht nunmehr aus durchsichtigem Kunststoff.

Mittlerweile verfügen die Playmobil Figuren auch über abgesetzte, drehbare Hände und Füße, und das Spielset glänzt mit zeitgemäßen Freizeitdetails wie Baseball-Kappe, Sonnenbrille oder eine sportliche Weste. Wer das neu aufgelegte Polizeiauto des Jahre 1997 in die Hand nimmt, erkennt schnell, wie viel sich in den zurückliegenden 20 Jahren verändert hat.

Im Vergleich zum ersten Spielset ist die Besatzung nunmehr zweiköpfig: Ein Polizist mit charakteristischem Schnauzer, eine Polizistin mit betörend langen Wimpern, detailgetreue Kleidung, Funkgerät und Pistole. Auch wenn der Polizeiwagen selbst gesichtslos bleibt, verfügt er jetzt über Kunststoff-Frontscheibe, Kühlergrill, Profilreifen und eine sich öffnende Heckklappe.

Laptop fürs Chip-Tuning

Als die Welle der Familienvans über Europa schwappt, lässt Playmobil 2005 einen blauen Cityvan in das Spielzeugprogramm einfahren. Nachempfundene Alufelgen, Sportlenkrad und jede Menge Laderaum passen gut zu der weiblichen Spielfigur, die das Set neben Einkaufswagen, Blumentöpfen und einem Sack Blumenerde enthält.

Der Van selbst erinnert an eine Mischung aus VW Touran und Renault Espace. Zwei Jahre später versucht sich die Playmobil-Autofabrik mit ein bisschen Motorsport: Als kompletten Gegensatz zum Blumenkauf mit dem Lifestyle-Van wird die Autowerkstatt Tuning 24 eröffnet.

Der rote Renner, eng verwandt mit dem Polizeiauto aus dem Jahre 1997, kann mit unterschiedlichen Schwellern, Felgen und Schürzen nach Wunsch individualisiert werden. Dafür gibt es jede Menge Werkzeug, und für das Chip-Tuning steht ein Playmobil-Tuner in weißem Overall mit roten Schuhen und einem Laptop bereit.

Die Braut steigt per Hockwende ein

2008 konstruiert Playmobil das nächste Polizeifahrzeug: Ein Polizeivan für vier Personen mit jeder Menge Ausstattung, Ordnungshütern in blauen Uniformen und blinkendem Blaulicht auf dem Dach. Die Polizistin klimpert noch immer mit den Wimpern, der Schutzmann hingegen ist wieder zur modischen Ursprungsform zurückgekehrt: Sein Schnauzer ist ab. Dafür trägt der Herr Wachtmeister nun Krawatte und ist – unter anderem – mit einem Messgerät zur detailgetreuen Unfallaufnahme bewaffnet.

Wer statt grauem Alltag lieber den Höhepunkt des Lebens nachspielen will, kommt noch im gleichen Jahr mit dem Hochzeitsauto auf seine bzw. ihre Kosten. Auch wenn der Heiratsshow von Linda de Mol schon Jahre zuvor der Saft abgedreht wurde, kommt das gelbe Cabriolet mit Blumenschmuck auf der Motorhaube und hinter den Sitzen offenbar gut an. Zum Reisegepäck, mit dem es für das frisch getraute Brautpaar in die Flitterwochen fährt, gehört auch eine Dosenkette, die das Traum-Auto hinter sich herzieht.

Auf seinem Kennzeichen prangt ausnahmsweise auch nicht das PM für „Playmobil“, sondern zwei Herzchen, und die Braut ist dank Kopfschmuck und Schleier ihr Leben lang auf Hochzeitsreise – was kleine Mädchen wohl weniger stört... Übrigens muss auch die Braut ihre Kutsche per Hockwende besteigen, denn Türen hat auch dieses Playmobilauto nicht.

Einsamer Jetski-Fahrer im Roadster

Um dem gesteigerten Freizeitbedürfnis Rechnung zu tragen, wird ab dem Jahre 2009 ein großes Spielset mit Familienvan sowie Motorboot und Anhänger herausgebracht. Zwei erwachsene Playmobil-Figuren und zwei Kinder nebst umfangreichem Spielzeug tragen den eigenen Nachwuchs in eine heile Urlaubs- oder Wochenendwelt.

In die gleiche Richtung geht der (sehr) kompakte Roadster mit Jetski im Gefolge von 2011. Wie man es nun schon jahrzehntelang von Playmobil-Hersteller Geobra Brandstätter kannte, ist der Typ des Autos auch hier kaum zu erahnen. Es gibt zwei Sitzplätze, doch an Bord nur einen männlichen Beach-Single mit Sonnenbrille, der seinen Jetski per Anhänger einsam an die Küste bringt (wo er vielleicht auch Bekanntschaften macht?).

Im Laufe der zurückliegenden Jahre werden auch immer mehr Playmobil-Sondereditionen aufgelegt, so zum Beispiel speziell ausgestattete Autos für ziemlich dubiose Agenten oder solche für eindeutig dubiose Gangster. Die Fahrzeuge hier: Noch phantasievoller, noch marken-ungetreuer und natürlich mit eingebauten Waffen und allerlei super-geheimen Überraschungen gerüstet.

Baut Playmobil nur noch Marken-Autos?

Einen großen Sprung macht dann das Automodell des Jahres 2013. Der Crossover ist eine Mischung aus SUV und Familienvan mit robusten Schürzen rundum, mehr Bodenfreiheit und Geländereifen. Passend zum Freizeit-Auto ist der Familienvater stilecht mit einem rustikalen Bart unterwegs und trägt ein weit geöffnetes Hawaii-Hemd.

Der Innenraum des Familiencrossovers (natürlich ohne Türen) lässt sich mit offenem Dach und großer Heckklappe kreativ bespielen. 2014 taucht der 2011er-Roadster erneut auf, aber diesmal in der Farbe weiß mit violettem Innenraum als Accessoire der rosa Mädchen-Welt von Playmobil. Die blonde Fahrerin trägt einen langen Zopf und ist mit einem kleinen Schoßhündchen unterwegs.

Da ist der 2015er Porsche 911 Carrera S (für 39,99 Euro) eine überraschend realitätsnahe Neuerung. Es bleibt abzuwarten, ob nun sämtliche Modelle der Playmobil-Welt in Zukunft mit Marken-Identität ausgestattet werden? Eigentlich entbehrlich; viel wichtiger scheint uns dagegen eine schon damals (zu unseren Zeiten) schmerzlich vermisste Innovation: Baut endlich Türen ein!

Die Auto-Story von Playmobil sehen Sie in der Bildergalerie.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff / mob