Wo Parken der wahre Horror ist

Manhattan: Die Hölle für Auto-Pendler

2.500 Dollar für einen Parkplatz

Nirgends auf der Welt ist das Parkchaos derart groß wie in Manhattan. Astronomisch hohe Abstellgebühren, keine Freiflächen und eine erdrückende Bevölkerungsdichte treiben seltsame Blüten bei der Suche nach einem Ruheplätzchen für das eigene Auto

16. Juni 2015

Von der Finanzkrise ist in Manhattan, dem Herzen von New York, schon lange nichts mehr zu spüren. Neue Wolkenkratzer bohren sich allmonatlich in den Himmel, die Straßen sind überfüllter denn je und an Parkplätze ist insbesondere südlich des Central Parks nicht zu denken.

Wer meint, dass er mit der Vermietung von Wohnungen und Geschäftsräumen in Großraum Big Apple ein Vermögen machen kann, hat sich noch nie die Tarife für den ruhenden Verkehr Manhattans zu Gemüte geführt. 

Das wäre die Geschäftsidee: Parkplätze sind nämlich nicht nur teuer in New York City, sondern zudem noch seltener als Grünzonen. Kein Wunder, dass viele New Yorker auf die Yellow Cabs ausweichen, denn die sind immer in Bewegung bzw. verstopfen die übervollen Straßen.

 
 

2.500 Dollar für einen Stellplatz

Gegen Manhattans Parkgebühren wirkt die Parkraumbewirtschaftung von München oder Frankfurt wie ein Sozialtarif: Das sichere Abstellen am Straßenrand kostet im Meatpacking District oder im trendigen SoHo zwischen 32 und 40 Dollar – aber pro Stunde!

Diese Sätze gelten für ein Parkhaus genauso wie für die spärliche Anzahl kleiner Freiflächen, die durch Stahlgerüste im Laufe der Jahre zu Hochregallagern für Autos wurden. Am Wochenende zumindest gelten geringe Nachlässe.

Wer richtig sparen will, kauft sich sowieso ein Monatsticket für sein Quartier. Auch hier sind die Kosten verblüffend: Zwischen 400 und 2.500 Dollar sind für einen Stellplatz monatlich zu zahlen, je nachdem wo das Fahrzeug steht, ob es bewacht wird oder gar ein festes Dach über dem Kopf hat.

Viele New Yorker haben mehrere Autos

Schon seit ein paar Jahren liefern sich die teuersten Parkplätze ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Luxuscondominiums, die überall aus dem Boden sprießen. Wenn das edle Apartment an der Upper West Side oder nahe der Park Avenue 5, 10 oder 25 Millionen Dollar kostet, kommt es auf einen teuren Parkplatz mehr oder weniger auch nicht mehr an.

Viele New Yorker haben auch in Manhattan mehrere Fahrzeuge, und da muss man zu seiner Luxusunterkunft im 56. Stock gerne schon einmal zwei oder drei Parkplätze im Parkhaus um die Ecke dazu mieten.

Diese Probleme hätten die Anwohner und Beschäftigte zwischen Meatpacking- und Financial District auch gerne. Hier gibt es zumeist keine Parkhäuser, und insbesondere in den kleinen Gassen wie Christopher Street, Leroy Street oder südlich des Holland Tunnels kann nur auf der Straße geparkt werden.

Das Warten auf die Straßenreinigung

Mindestens einmal in der Woche spielt sich in solchen Stadtteilen ein absurdes Schauspiel ab: Die Straße wird routinemäßig gereinigt, doch vorher muss die Straße komplett von ruhendem Verkehr entledigt sein.

Wer abgeschleppt wird, muss dafür umgerechnet 375 Dollar zahlen – das ist zwar vergleichsweise günstig, aber natürlich will sich jeder den Ärger ersparen. Kurz bevor also der Reinigungswagen der Stadtverwaltung anrollt, sitzen alle bereits mit scharrenden Hufen und laufendem Motor in den eigenen Autos, um direkt nach der Reinigungsprozedur wieder einen der raren Abstellplätze am Straßenrand zu ergattern.

Klappt nicht immer, da auch viele Anwohner aus den Straßen der Umgebung suchen und ein paar Verkaufswagen für Döner, Falafel und Burger ebenfalls einen ertragreichen Stellplatz ergattern wollen.

Roboterparken als Alternative

Doch nicht nur Anwohner haben mit dem kargen Angebot an Parkmöglichkeiten zu kämpfen. Gerade im Süden der Manhattan-Insel gibt es seit einigen Jahren die ersten Roboterparkhäuser. Das erste eröffnete 2009 in der Baxster Street.

Das Haus mit der Adresse 123 Baxster Street, New York, Manhattan, ist von außen alles andere als spektakulär. Nebenan ein wenig ansprechender Asia-Imbiss und gegenüber ein Laden für alles und nichts. Über der breiten Einfahrt blinkt ein Dioden-Laufband, das einen auf das Roboter-Parkhaus hinweist.

In den Morgen- und Abendstunden gibt es noch einen Einweiser, der einen mit einer roten Fahne auf den freien Parkraum aufmerksam macht. Die überdachte kleine Halle wirkt im Gegensatz zu den meisten anderen Gebäuden in der Umgebung klinisch rein und absolut sauber.

Selbst kleine Parkhäuser rentieren sich

Gerade rollt ein Chrysler 300 in die Halle. Der Kunde tipp auf dem großen Bildschirm nach ein paar Anweisungen, und die graue Limousine wird von der Stahlpalette fast lautlos ins Nirgendwo hinter einem sich schließenden Rolltor entführt. Der ganze Vorgang dauert gerade einmal ein paar Augenblicke und erinnert stark an die Arbeitsweise einer Autowaschanlage.

Die Technik dahinter ist aber keineswegs trivial. Haben sich die Computer davon überzeugt, dass der Wagen ordnungsgemäß im Aufzug steht, geht das Rolltor zu und das Auto abwärts. Hier wird es auf seiner Palette in ein mächtiges Stahlgestell gefahren. „In unserer Robotergarage können Autos bis 5,20 Meter Länge parken“, sagt Ari Millstein, Chef der Firma AutoMotion Parking Systems, zu der die Garage in der Baxster Street gehört. Das decke rund 95 Prozent aller Fahrzeuge ab.

Insgesamt können in dem Gebäude knapp 70 Fahrzeuge parken. Hört sich klein an. Doch bei Parkgebühren von mindestens 25 Dollar in der Stunde weiß man, wieso selbst so ein Parkhäuschen in kürzester Zeit satten Gewinn abwirft. Rund die Hälfte der Parkkunden wohnt im gleichen Gebäude. Denn die Autos werden von einem ausgeklügelten Computersystem in einem Regallager abgestellt, das sich in den Kelleretagen der Baxster Street befindet.

Hebebühnen verdoppeln Kapazität

Das Haus wurde 2007 komplett neu erbaut. Ehemals war es ein ganz normales Parkhaus. Doch ein Investor setzte auf die gewinnbringende Mischung aus Park- und Wohnraum. Heute befinden sich in den oberen Etagen des Gebäudes 26 schicke Apartments und drei Geschäfte. „Bei uns parken viele Kunden, die hochwertige Autos besitzen, die nicht beschädigt werden sollen“, sagt Manager Millstein.

Durch eine Handvoll Hebebühnen wird die Kapazität der Fläche in der Baxster Street verdoppelt. Die Software und das Hochregal-Lager des ersten Roboter-Parkhauses in New York kommen übrigens aus Deutschland.

Den Nutzern von Manhattans erster Robotergarage ist ein sicherer Parkplatz die monatlichen Miete von bisweilen deutlich über 500 Dollar allemal wert. Autos mit besonders großen Abmessungen kosten sogar mindestens 750 Dollar pro Monat. Da ist eines der gelben New Yorker Taxis allemal eine Alternative.

Mehr über die Parkplatz-Suche in New York City in der Bildergalerie.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff