Draufzahlen für die Sicherheit

Winterreifen werden durch RDKS teurer

Nie mehr Reifen wechseln?

Winterreifen adé: Ganzjahresreifen erscheinen vielen Autofahrern als bequemere Alternative zu Winterreifen. Fast alle großen Reifenmarken bieten einen im Sortiment an. Die Vorteile liegen auf der Hand, doch geht das auf Kosten der Sicherheit?
 

 
 
21. Oktober 2015

Fahren Sie mit Winterreifen? Die meisten Deutschen sind das inzwischen gewohnt: Laut einer Umfrage fahren 83% der Autofahrer mit Winterreifen. In naher Zukunft werden viele das überdenken, vielleicht auch Sie: Die Kosten, die der doppelte Radsatz mit sich bringt, wird leider merklich steigen.

Dann nämlich, wenn auch Ihr Auto mit Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) ausgerüstet ist. Dieses System misst den Luftdruck im Reifen und schlägt Alarm, wenn ein Plattfuß droht. Seit 1. November 2014 muss diese Funktion in allen Neuwagen enthalten sein.

Das Problem: Je nachdem, welche Technik beim RDKS Anwendung findet, müssen die Reifen mit Sensoren ausgestattet werden. Das macht pro Rad mindestens 50 Euro, also für den Winterreifensatz noch mal ab 80 Euro – zum Glück nur einmal. Doch hinzu kommt: Das System muss bei jeder Radmontage neu kalibriert werden.

Zusätzliche Kosten für die Kalibrierung

Was Sie schon ahnten: Ganz allein kann der Autobesitzer das nicht mehr machen. Statt also, wie bisher, mit Wagenheber und Drehmomentschlüssel die Winterreifen kostengünstig selbst zu montieren, heißt es in Zukunft: Ab zur Werkstatt und dort zu den üblichen 50-80 Euro für die Montage auch noch ca. 100 Euro für die Kalibrierung berappen.

Ausnahme sind lediglich indirekte RDKS, die vorwiegend von Volkswagen-Marken (Seat, Skoda, Volkwagen, Audi) verwendet werden. Hier messen die bereits vorhandenen ABS-Sensoren den Umfang des Rades (weniger Luft = geringerer Umfang). Wenn man so will, ein Kaufargument für diese Marken.

Wer das aber nicht will, hat zu diesen nicht unbeträchtlichen jährlichen Zusatzkosten nur 1 Alternative: die Montage von Ganzjahresreifen.

Schlauer Trick oder fauler Kompromiss?

Diese Reifen können das ganze Jahr über montiert bleiben und ersparen damit den Reifenwechsel im Frühjahr und Herbst. Außerdem spart man die Anschaffung des 2. Felgensatzes und die schon erwähnten, teuren Montagekosten bei RDKS. Allerdings: Bislang galten Ganzjahresreifen als fauler Kompromiss, die weder im Sommer noch im Winter die Leistungen der jeweiligen Spezialisten erreichen.

Das ist auch kein Wunder: Die Reifen müssen in einem riesigen Temperaturfenster von -20 bis +40 Grad optimale Stabilität aufweisen. Das ist für Reifenkonstrukteure eine große Aufgabe, und bisher waren die Ergebnisse auch nicht überzeugend.

Doch das scheint sich derzeit zu ändern: Laut aktuellen Tests von ADAC, dem Fachmagazin „Auto Bild“ oder dem VOX-TV-Magazin „auto mobil“ holen Ganzjahresreifen stark auf. Vor allem bei den Wintereigenschaften sind gute Ganzjahresreifen dicht dran an den Werten der Winterreifen.

Im Sommer lassen Ganzjahresreifen stark nach

Aber ausgerechnet die Bremsleistungen auf trockener Fahrbahn waren teils extrem schlechter als bei Sommerreifen. So benötigte ein VW Golf beim Abbremsen aus 100 km/h bis zum Stillstand mit einem schlechten Ganzjahresreifen volle neun Meter mehr als mit dem Referenz(-Sommer)reifen. Das entspricht knapp zehn Prozent des Bremswegs und könnte im schlechtesten Fall bereits einen bösen Crash hervorrufen.

Daniel Bott, Projektleiter ADAC Winterreifentest: „Das Ergebnis überzeugte nicht.“ Lediglich zwei Modelle hätten die Gesamtnote „Ausreichend“ erhalten, die beiden anderen fallen mit einem „Mangelhaft“ durch. Die Kompromisse, die bei den aktuellen Ganzjahresreifen eingegangen werden, bergen laut ADAC im Sommer eine zu große Gefahr für die Verkehrssicherheit.

Auch er finde es verständlich, wenn viele Autofahrer sich den Aufwand und die Kosten des Wechsels ersparen wollen. Doch er gibt zu bedenken: „Wir haben die Pneus im Sommer bei 30 Grad Celsius und unter den gleichen Bedingungen wie die Winterpneus getestet. Genau diesen Spagat muss ein Ganzjahresreifen leisten. „Die Testergebnisse zeigen, wie schwer und derzeit noch fast unlösbar das ist“, so Bott.

In Höhenlagen sind Winterreifen Pflicht

Letztendlich muss jeder die Entscheidung für sich selbst treffen. Wer aber in höheren Lagen wohnt oder häufig unterwegs ist, kommt um Winterreifen sowieso nicht herum. Wer im Flachland oder in der Stadt wohnt, noch dazu wenig fährt, hat ein erheblich geringeres Risiko.

Diese Tipps helfen beim Wechsel:

  • Wer seine Reifen in der Werkstatt wechseln lässt, kann die Reifen dort auch für Kosten von 20-40 Euro im Jahr einlagern lassen
  • Wer seine Räder zu Hause lagert, sollte sie dafür einzeln auf den Boden legen. Alternativ sind entweder ein Felgenbaum (ab 10 Euro) oder Felgenhaken für die Wand geeignet
  • Der Lagerraum sollte trocken und kühl sein, große Temperaturschwankungen sind zu vermeiden
  • Den Luftdruck der gelagerten Reifen sollten Sie um 0,5 bar erhöhen
  • Die gesetzliche Mindestprofiltiefe liegt bei 1,6 Millimeter für Sommer- wie Winterreifen. Experten halten das für zu wenig und empfehlen den Tausch bereits bei 4 Millimeter Profiltiefe
  • Wann ist ein Reifen zu alt? Darüber herrscht bisher Uneinigkeit. Der Gesetzgeber setzt keine Grenze. Dennoch werden Reifen mit zunehmendem Alter schlechter, weil Weichmacher aus der Gummimischung entweichen und sich das Material chemisch verändert. Der Reifen wird härter und spröder, das verringert den Grip.
  • Auskunft über das Produktionsjahr gibt die DOT-Nummer auf der Reifenflanke. Dort steht zum Beispiel 2408. Die beiden ersten Zahlen geben die Produktionswoche im Jahr an, hier im Beispiel die 24. Kalenderwoche des Jahres. Die beiden letzten Zahlen, hier 08, bezeichnet das Produktionsjahr, also 2008.
  • Als Richtwert gilt: Reifen sollten spätestens nach zehn Jahren erneuert werden, unabhängig von der Profiltiefe.

Von O bis O soll man mit Winterreifen fahren, richtig – aber was heißt das überhaupt? Mehr über Winterreifen in der Bildergalerie.

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Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund