Fahrbericht: Fernlenk-Autos

Autos, die wirklich jeder gern fährt

Fahren ohne Führerschein

Ein Lamborghini, ein Porsche oder doch lieber eine Baumaschine? RC-Cars, also funkferngesteuerte Modellautos, bieten eine riesige Auswahl und sind das ideale Weihnachtsgeschenk. Das mobile.de Magazin hat den Führer durch den Angebotsdschungel.

 
 
15. Dezember 2015

Die erste Testfahrt ist umwerfend: Der kleine Buggy hält voll drauf, in Sekundenbruchteilen muss jetzt reagiert werden. Das sonst beinahe „lahme“ Tempo von 50 km/h kann in einer Einkaufspassage sehr, sehr schnell sein. Also: Lenken, jetzt!

Doch der Steuerimpuls führt zu einem veritablen Crash: Natürlich hätte man spiegelverkehrt lenken müssen, doch das gelingt erst mit etwas Übung.

So landet der Flitzer im Schaufenster. Glücklicherweise stecken sowohl der kleine Wagen als auch die Scheibe den Unfall ohne bleibende Schäden weg.

Auswahl zwischen 30 und 1.000€

Galten funkferngesteuerte Modellautos in ihrer Frühzeit als reines Kinderspielzeug, hat sich die Szene heute zu einem ernsthaften Hobby entwickelt. Es gibt Meisterschaften, Panzerschlachten (dazu später mehr) und für wirklich ambitionierte Piloten auch Autos, die weit über 1.000 Euro kosten können. Was also den Lieben unter den Weihnachtsbaum legen?

Einer, der diese Frage beantworten kann, ist Dirk Marquard. Er ist Inhaber eines Modellsport-Fachgeschäfts und bietet neben Schiffen und Flugzeugen eben auch RC-Autos an. Wobei es das eine Modellauto gar nicht gibt.

Die Einsteigermodelle kosten ab 30 Euro, die Preise reichen bis weit über 1.000 Euro, zur Wahl stehen außerdem Baumaschinen, modellgetreue Nachbauten originaler Vorbilder in allen Größen und Phantasiegefährte. Mindestens das erste RC-Autos sollte man im Fachgeschäft kaufen, weil Probefahrten im Internet naturgemäß nicht möglich sind.

Tuningteile zum Nachrüsten

Der Fachhändler: „Man kann Modellautos sowohl in Altersstufen als auch nach ihren Einsatzgebieten unterteilen. Bis etwa sechs Jahre genügen ganz einfache Modellautos, die es ab 30 Euro gibt. Nachteil: Sind sie beschädigt, übersteigt die Reparatur oft den Wert“. Um den günstigen Preis zu erreichen, wird natürlich einfachere Technik verbaut. Dies betreffe vor allem das Fahrwerk. Ein kleines Modellauto mit einem einfachen Fahrwerk braucht auch eine glatte Oberfläche (siehe Bildergalerie).

Wasserfest sind sie auch nicht, was den Radius auf die eigene Wohnung beschränkt. „Ab etwa acht Jahren kann man dann in den Modellbau einsteigen. Diese Autos kosten rund 150 Euro und sind sehr stabil, mit allen möglichen Zubehör- und Tuningteilen nachzurüsten, leicht zu reparieren und erreichen 50 km/h“, so Marquard.

Ein weiterer Vorteil liegt in der aufwendigen Fahrwerkstechnik, erklärt der Verkäufer. Einzelradaufhängungen wie beim großen Vorbild sorgten für eine Straßenlage, die auch Unebenheiten gewachsen ist.

RC-Modelle können meterlang sein

Übrigens: Abweichend vom großen Vorbild haben viele Fernlenk-Modelle standardmäßig einen Vierradantrieb, der für ein nochmals verbessertes Fahrverhalten sorgt. Wer die Einsatzmöglichkeiten seines Modells weiter erhöhen möchte, greift zu einem geländegängigen Modell. Das sind entweder vorbildgetreue Nachbauten existierender Geländewagen (beispielsweise Toyotas von Tamiya) oder aber Phantasiegefährte im Buggy-Stil.

Die Letzteren sind als Weihnachtsgeschenke zwar mit 150 Euro nicht ganz billig, aber die erste Wahl: Sie sind noch nicht zu aufwendig, gleichzeitig aber flexibel genug, um Fahrspaß über längere Zeit zu garantieren.

Ab dieser Klasse fächert sich die Modellautowelt nahezu unendlich auf. Da gibt es meterlange Benziner, Bagger oder aber echte Rennfahrzeuge.

Benzinmotoren aufwendig im Unterhalt

Benzingetriebene Fahrzeuge sind dabei ein Fall für Spezialisten: Sie erweisen sich als wesentlich aufwendiger in der Wartung und werden fast nur im Wettbewerben eingesetzt. Ein limitierender Faktor ist auch das verwendete Methanol-Benzin: Es darf erst ab 18 Jahren verkauft werden.

Die gleiche Altersgrenze gilt übrigens auch für Panzer, wenn sie – kein Witz – über echte Artillerie verfügen. Die Kampfmaschinchen gibt es entweder als sehr aufwendige Reproduktionen früherer und heutiger Modelle, bei denen der Bastelspaß im Vordergrund steht.

Diese Modelle sind natürlich extrem geländegängig, aber ziemlich langsam. Sie werden daher meistens von erwachsenen Männern gekauft, der Preis beginnt hier ab 500 Euro.

Panzer, die wirklich schießen

Darunter rangieren Fertigmodelle, die ab 100 Euro kosten und schussfähig sind. Die Geschosse fliegen dabei bis zu 30 Meter weit. Mehrere Mitspieler können so gegeneinander eine Schlacht austragen. Registriert die Infrarottechnik einen Treffer, fallen beim Gegner diverse Funktionen aus. Solche privaten Krisenfälle sollten – anders als in der Realität – nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen werden.

Eine gewisse geistige Reife verlangt auch die Spitzenklasse der Modellautos (will man nicht bereits nach kurzer Zeit Tränen trocknen). Sie kostet ab 400 Euro, bietet feinste Fahrwerkstechnik und erreicht bis zu 100 km/h.

Mit anderen Worten: Ein derart schnelles Modellauto kann ernsthafte Verletzungen hervorrufen und ist auch seinerseits filigran. So was verträgt sich nicht mit Kinderhänden; hier sollte sich der Beschenkte als ausreichend selbstbeherrscht erweisen.

Es existiert auch ein Gebrauchtmarkt

Wem das zu teuer ist, der kann sich ein gebrauchtes Modellauto zulegen. Dirk Marquard: „Bei bekannten Marken ist nahezu alles reparierbar. Zwei Tipps: Beim Gebrauchtkauf sollte man sich die Antriebswellen anschauen. Ist deren Querstift ausgeschlagen, wurde das Auto hart rangenommen. Und ein Akku mit üblichen 4.000 mAh sollte das Auto rund 25 Minuten antreiben können“.

Die meisten Reparaturfälle bei ihm gibt es übrigens, wenn das Auto verliehen wurde. Das spiegelverkehrte Lenken, wenn einem das Auto entgegenkommt, lässt sich nur nach einiger Übung sicher erfahren. Also: langsam angehen lassen.

Die zweite Quelle für Unfälle sind Sprünge. Tatsächlich hat die Drehgeschwindigkeit der Räder auch ohne Bodenkontakt Einfluss auf den Flug. Wer beim Sprung Vollgas gibt, wird mit dem Heck zuerst aufsetzten, wer kein Gas gibt, sorgt für eine Landung auf der Nase.

Welches RC-Modell, welcher Anwendungsfall? Hier ein schneller Überblick in der Bildergalerie.

Text: Portal-Manufaktur / Stephan Hellmund