Diese Autos kauft die Welt

Auto-Bestseller in anderen Ländern

Wo niemand Golf fährt

Von winzig bis ganz groß, die bestverkauften Autos der Welt könnten unterschiedlicher kaum sein. Einige dieser internationale Verkaufsschlager sind richtige Exoten, die man in Deutschland nicht zu sehen bekommt. Eine kleine Weltreise in Sachen Lieblings-Autos.

24. August 2015

Eins fällt auf bei den Lieblingsautos weltweit: Wie bei uns der VW Golf, so sind die Verkaufsschlager andernorts oft Fahrzeuge, die im Land selbst hergestellt werden.

Einfach zu beantworten ist die Zuordnung der Autogröße: Je größer die meistverkauften Autos, desto höher das Bruttosozialprodukt des Landes.

Da wundert es nicht, dass sich in den USA der gewaltige Ford F 150 am besten verkauft, während in Schwellenländern eher die Kompaktautos dominieren.

 
 

Mini-Autos sind nur selten populär

Wer aber vermutet, dass in der 3. Welt die ganz kleinen Hüpfer der absolute Renner sind, der wird enttäuscht werden. Die Beispiele aus Indien – ein Bestseller und ein ausgebremstes Fahrzeug mit Bestseller-Potenzial – sind nicht nur exotisch, sie zeigen auch, dass die Kluft zwischen Vernunft und Statusbedürfnis hier enorm groß zu sein scheint.

Interessant ist auch, dass einer der beiden ökologisch ziemlich korrekten „Inder“ nicht nur auf Basis sicherheitstechnischer Probleme Gegenwind bekommt, sondern auch aus sozialökonomischen Gründen. Die internationale Autowelt ist viel spannender, als viele sich das vorstellen.

Australien: Toyota Corolla

Wer hätte das gedacht: Im Land von Crocodile Dundee sind zwar Geländewagen, SUV und Pickups beliebt, der Bestseller in Down Under des Jahres 2014 aber ist der Toyota Corolla SX Hatch.

Das gute Ergebnis wundert insofern nicht, als der Corolla generationsübergreifend - noch vor dem VW Golf - das meistverkaufte Auto der Welt ist. Seit 1966 wurden weit über 30 Millionen Exemplare gebaut.

Damit hängt der Toyota, das den Ruf hat, grundsolide und extrem zuverlässig zu sein, sogar den VW Käfer (23,5 Millionen) weit ab. Nur am Rande: Auch in den USA glänzte der Corolla mit einem dritten Platz unter den Neuzulassungen des Jahres 2014.

Indiens Bestseller kostet 3.500 Euro

Das beliebteste Automobil Indiens ist bei uns ein Exot: Nur 24 Stück wurden 2014 hierzulande vom Suzuki Alto verkauft. In Indien liegen die Verkaufszahlen knapp 1.000mal höher – aber pro Monat. Seit fast zehn Jahren dominiert der Zwerg – in Indien heißt er Maruti Alto – den dortigen Automarkt.

Unschlagbar ist vor allem sein günstiger Preis, der beim letzten Generationswechsel aufgrund von Materialeinsparungen sowie neuer, effektiverer Produktionsanlagen sogar ein Stück gesunken ist. Der Fünftürer kostet in Indien neu nur 3.500 Euro.

Auf ein Kaufangebot zu diesem Kurs brauchen wir uns hier keine Hoffnungen zu machen, denn die Indien-Ausführung hat technisch wenig mit ihrem europäischen Namensvetter gemeinsam. Das Geheimnis des Maruti Alto? Neben dem geringen Kaufpreis ist es die Größe: Er ist klein. Das spart Spritkosten und macht das Vorankommen in den chronisch verstopften und zum Teil engen Straßen indischer Metropolen deutlich einfacher.

Warum der Bajaj nicht verkauft wird

Sein 200-ccm-Motor, der auf 100 km nur 3 Liter benötigt, schafft mit seinen 20 PS maximal 70 km/h. Es gibt auch Modelle, die mit Autogas fahren. Bajaj, der Hersteller des RE 60 war bislang für dreirädrige Motorrikschas bekannt, die seit Jahrzehnten die Straßen Süd- und Südostasiens bevölkern. In Thailand nennt man sie Tuktuk in Anspielung auf das Geräusch ihrer Zweitakt-Motoren.

Der RE 60 sollte im Oktober 2014 für unter 3.000 Dollar an den Start gehen. Doch bisher verzögerten rechtliche Probleme den Verkaufsstart. Ursache sind einerseits die mangelhafte Sicherheit des Fahrzeugs, die Crashtests belegten, sowie sein potenzieller Einfluss auf das soziale Gefüge Indiens. Es wird nämlich befürchtet, dass der RE 60 Hunderttausende Motorrikschafahrer arbeitslos machen könnte.

Allerdings kann auch die Konkurrenz hinter diesem Gerichtsverfahren stecken. Denn der indische Automarkt mit Wachstumsmargen von 10 bis 15 Prozent jährlich gilt als hoch interessant für viele Wettbewerber.

Hondas N-Box ist in Japan der Start

Eine japanische Spezialität wie Sushi und Manga: Kei Cars sind die Bonsais unter den Autos. Der erste dieser etwas anderen Art war der 2008 vorgestellte Daihatsu Tanto, ein Miniatur-Van. Selbst winzige Geländewagen gibt es unter diesen Kleinstwagen, die fast wie eine optische Täuschung wirken. Sie haben wie der Daihatsu Copen auch Freunde im Westen gefunden.

Grund für die Kreation dieser Autozwerg-Kategorie war der Platzmangel in Japan. Es geht ums Parken. Eine der bürokratischen Besonderheiten des Inselstaates ist der Parkplatz-Nachweis. Den muss man beibringen, um in den urbanen Zentren überhaupt ein Auto besitzen zu dürfen. Für die Kei-Cars entfällt diese Nachweispflicht.

Wer ein solches Bonsai-Auto kauft, ersteht ein damit verbundenes Parkprivileg. Mit diesem verbunden sind aber strikte Beschränkungen. Ein Kei Car darf höchstens 3,40 Meter lang, 1,48 Meter breit und zwei Meter hoch sein. Ein Hubraum von 660 Kubikzentimetern darf nicht überschritten werden. Ergo ist das meistverkaufte Auto in Japan ein Kei: der Honda N-Box.

Lada beherrscht den russischen Markt

Seit 1970 ist der Held des Autoverkaufs in Russland und der damaligen Sowjetunion ein Lada. Sein bei uns bekanntester Abkömmling ist das Urviech Lada Niva.

Im Jahr 2014 wurden in Russland ungeachtet des wirtschaftlichen Fortschritts und der Öffnung des russischen Marktes immerhin noch fast 153.000 Exemplare des rund 5.500 Euro günstigen Modells Granta verkauft. Diese Stufenheck-Limousine, die 2011 vorgestellt wurde, ist der Nachfolger des Lada Nova beziehungsweise Riva.

Zwar macht dem russischen Urgestein inzwischen die asiatische Konkurrenz in Gestalt von Kia Rio und Hyundai Solaris zu schaffen, aber noch schlägt es sich wacker. Der Granta ist übrigens auch in Deutschland der Preishammer: mit 6.750 Euro ist er noch vor dem Dacia Sandero der günstigste Neuwagen.

Kleine Limousinen in der Türkei

Im vergangenen Jahr gelang es Renault, die langjährige Vorherrschaft von Fiat in der Türkei zu brechen. Verkaufsrenner wurde der Renault Fluence, eine viertürige Stufenhecklimousine der Kompaktklasse, die auf dem Mégane basiert.

Das Modell wird seit 2009 im Werk von Oyak-Renault im türkischen Bursa gebaut. Der Fluence ist schon deshalb ein Nischenmodell, weil sich Stufenheck-Limousinen der Kompaktklasse generell in Westeuropa schlecht verkaufen. Hier sind eher Drei- oder Fünftürer gefragt, die bessere Variabilität für die Zuladung bieten. In Deutschland gab es folgerichtig den Fluence nur 2010-12.

Der türkische Markt tickt offensichtlich anders, ebenso wie Rumänien und Russland, um nur zwei der Länder zu nennen, in den der Fluence ebenfalls verkauft wird. Ein Manager von Oyak-Renault stellte bei der Einführung den Fluence auch als das „attraktivste Auto seiner Klasse“ vor, das Käufer ansprechen solle, die auf eine statusfördernde Limousine Wert legen.

China fragt nach Arbeitstieren

Auch in China ist das meistverkaufte Auto kein Spaßgefährt, sondern ein Arbeitstier. Und so ist das Gemeinschaftsprodukt von General Motors und dem chinesischen Hersteller SAIC Wuling gleichermaßen für den Transport von Menschen wie auch Waren geeignet. Diese werden offiziell als PKW angesehen, obwohl es sich eher um ein Vielzweckauto (Multi Purpose Vehicle) handelt.

Trotz seiner Beliebtheit findet er überwiegend als Geschäftsauto von Gewerbetreibenden Käufer. Privatpersonen greifen schon aus Statusgründen eher zu Stufenhecklimousinen. Gut 750.000 Wuling wurden im Jahr 2014 in China verkauft – ein schwer zu schlagender Rekord für einen PKW.

In Indien wird dieses Fahrzeug mit deutlich geringerem Erfolg von GM als Chevrolet Enjoy vertrieben. Während es die chinesische Version nur als Benziner gibt, wird in Indien zusätzlich eine Diesel-Version angeboten.

Gol statt Golf in Brasilien

Der Gol ist weit mehr als nur ein Golf ohne „f“. Der brasilianische Bestseller, basierend auf der Polo-Plattform, wurde erheblich robuster ausgelegt. Nur etwa 200.000 des fast zwei Millionen Kilometer langen Straßennetzes Brasiliens sind asphaltiert. Da passt es, dass im Gol die robusten Teile älterer Golf- und Polo-Modelle verbaut sind. Das macht Reparaturen einfacher und kostengünstig.

Hinzu kommt, dass die tropischen Temperaturen Brasiliens besondere Anforderungen an die Klimaanlage stellen, die auf Dauerbetrieb ausgelegt sein muss. Auch die Motorkühlung stellt höhere Ansprüche als beim deutschen Polo.

Gegen die Auswirkungen häufiger Überschwemmungen ist der Gol mit effizienten Türdichtungen und einer größeren Wattiefe ausgerüstet, um Pannen durch angesaugtes Wasser zu vermeiden. Die Motoren sind teilweise auf den Betrieb mit Benzin mit Ethanol ausgelegt, das im Agrarland Brasilien sehr populär ist und aus Zuckerrohr gewonnen wird.

Diese Autos sind in der Ferne die beliebtesten: Weltweite Bestseller zeigt die Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund