Autos, die sich schlecht verkaufen

Niemand will diese Auslaufmodelle

Die Ladenhüter 2014

Ladenhüter, Performance-Leichen, Todgeweihte: Die Hitliste des Kraftfahrt-Bundesamts kennt viele Verlierer. Und ein paar Wiedergeborene. Hier die Liste der Autos, die 2014 kaum einer haben wollte. Nebeneffekt: Als junge Gebrauchte dürften diese Typen sehr günstig sein.

21. Januar 2015

Auf Elektroautos ruhte lange die Wachstumshoffnung der Autoindustrie – doch wer sich die Zulassungszahlen des vergangenen Jahres anschaut, kann nur die Stirn runzeln: Batteriekarren sind einfach nicht gefragt. 8.522 rein elektrisch angetriebene Pkw wurden erstmals zugelassen, davon 2.233 neue BMW i3 (davon sollten 2014 weltweit mehr als 10.000 Stück verkaufen).

Aber das BMW-Resultat ist noch richtig gut: Das französische Elektro-Ei C-Zero brachte es nur auf knapp drei KBA-Erstanmeldungen pro Monat, macht 32 und minus 88,4 Prozent. Ein einziger wurde privat gekauft, der Rest gewerblich zugelassen. Das ist katastrophal.

Hackordnungen gibt es überall. Bei Hühnern. Beim Menschen. Und auch beim Kraftfahrt-Bundesamt, kurz KBA. Es gibt zu Jahresbeginn die Zulassungs-Liste fürs Vorjahr hinaus. Und dann hat man sie schwarz auf weiß – die Gewinner und Verlierer.
 

 
 

 

Ganz oben: natürlich die Blockbuster

Ganz oben auf der Zulassungsleiter stehen die Blockbuster des Jahres. Die meistverkauften Autos. Bestseller wie der Ewig-Erste VW Golf (255.044 Neuzulassungen) oder die Mercedes C-Klasse (60.360). Autos, die stückzahlenmäßig glänzen und gern auch prozentual besser dastehen als der Rest der Neuzulassungsmeute (2014: 3,04 Millionen, plus 2,9 Prozent).

Dahinter rangieren die Performance-Sieger. Autos, die mächtig zugelegt haben im Laufe eines Jahres oder kometenhaft eingestiegen sind in die KBA-Charts. Auch die haben höchsten Respekt verdient. Zum Beispiel Peugeot 2008 (plus 59,6 Prozent), Nissan X-Trail (plus 103 Prozent), Kia Soul (plus 263,1 Prozent) oder Suzuki SX4 S-Cross (plus 337,7 Prozent).

Dann gibt es da die soliden Absatzbringer. Feste Neuzulassungs-Größen, die weit vor der grauen Masse der Automobile rangieren – egal ob sie nun gerade ein herausragendes, durchschnittliches oder mäßiges Jahr hingelegt haben. VW Passat (72.153 Neuzulassungen), BMW 3er (55.681) oder Opel Corsa (55.151). Die üblichen Bedächtigen.

Schmaler Grad zum absteigenden Ast

Wer sich dahinter einreiht, muss sich statistisch – teils trotz veritabler Stückzahlen oder sauberer Weste – bereits schale Blicke gefallen lassen. Der Hybridbote Toyota Prius ist so einer (minus 49,9 Prozent), und auch der Stern der Mercedes A-Klasse (minus 25,2 Prozent) sinkt offenbar. Der Gesamtmarkt legte um 2,9 Prozent zu, sie büßten die Hälfte beziehungsweise ein Viertel ein.

Womit wir bei den Verlierern wären – kleine bis kleinste Stückzahlen, großer Rückgang à la Lexus LS oder schon erwähnter Citroën C-Zero.

Ganze zwölf Neuzulassungen meldet Toyotas Luxus-Ableger Lexus für seinen S-Klasse-Konkurrenten. Macht einen LS pro Monat, ein Schlag ins Kontor und ein Minus von 78,8 Prozent.

Nur für Geld und gute Worte

Und jetzt kommt das dicke Ende, die unterste Stufe der automobilen Hackordnung: die Ladenhüter. Funkelnagelneue Autos, die nur mit guten Worten und ganz viel Rabatt oder Finanzierungsraten in Taschengeldhöhe einen Käufer finden.

Gründe kann es dafür viele geben. Grotten-Image, verstörende Optik, zweifelhafte Technik. Manchmal kommt auch alles zusammen, wie ein Blick in die Bildergalerie zeigt.

Der Lada Granta ist so ein Fall. Schon mal gehört? Viele werden den Kopf schütteln. Hinschauen und dann noch mal den Kopf schütteln: Ein russisches Stufenheck-Experiment in der Kompaktklasse. 34 Käufer haben sich 2014 dieses Golf-Klasse-Vertreters erbarmt.

Unterhalb der Wahrnehmungs-Grasnarbe

Drei Käufer mehr haben sich 2014 einen Infiniti QX50 geholt. Ein Luxus-Crossover, der mit wahlweise 238 oder 320 PS unter die Grasnarbe der öffentlichen Wahrnehmung gepest ist. Dabei hat der kompakte Infiniti durchaus etwas Eigenes.

„Der QX50 ist mehr als nur Ausdruck von Stil, er ist die natürliche Erweiterung der Persönlichkeit“, schwärmt die Homepage. Hat sich wohl noch nicht rumgesprochen. Gleiches gilt nebenbei für Infiniti Q60 (22 Erstzulassungen) und Q70 (44). Q-uo vadis, Nissan-Tochter?

Tja, wohin geht die Reise? Diese Frage muss bei einigen Modellen erlaubt sein. Manchmal ist das Ziel unumstößlich: Auf Citroën C8, Subaru Trezia und Toyota Urban Cruiser zum Beispiel wartet der Baureihen-Friedhof. Da verwundern finale Neulassungszahlen von 105 (minus 63,3 Prozent), 62 (minus 86,9 Prozent) und 39 Einheiten (minus 58,1 Prozent) nicht weiter.

Performance-Killer Generationswechsel

Zu den klassischen Knock-out-Kriterien zählt auch ein bevorstehendes Facelift. 10 bis 20 Prozent kostet das übern Daumen – segmentübergreifend. Aktuelle 2014er Beispiele sind unter anderem BMW 6er (minus 17,3 Prozent), Kia Rio (minus 16,2 Prozent) oder VW Scirocco (minus 12,3 Prozent).

Steht gleich ein kompletter Modellwechsel an, schmerzt es richtig: Dem angegrauten Renault Espace zum Beispiel beschert der nahende Nachfolger (Frühjahr 2015) minus 26,7 Prozent, macht nur noch 858 Neuzulassungen in einem Jahr. Schlimmer geht natürlich immer: Die lange bekannte Wachablösung zum Jahreswechsel hat dem BMW X6 minus 65,5 Prozent eingebrockt, macht 995 Erstanmeldungen in 2014.

Nicht ganz unbeteiligt gewesen an diesem Sinkflug ist sicher auch der smartere BMW X4. Das kompakte Coupé zählt zu den großen Gewinnern im SUV-Segment: 3.105 Neuzulassungen, mehr als fünf Mal so viel wie im Vorjahr. Kleiner ist manchmal mehr. Das gilt auch fürs Geschwister-Gerangel Porsche Macan (+59,3%)/Cayenne (-24,1%) und Mercedes E-Klasse (-9,8%)/C-Klasse (+15,1%).

Restposten und Exoten

So ein Blick in die Ladenhüter-Statistik offenbart natürlich immer Kuriositäten: Wo zum Beispiel stand wohl dieser Ferrari 612 Scaglietti all die Jahre rum, der 2014 erstmals zugelassen wurde? 2010 haben die Italiener die Baureihe eingestellt.

Das gilt auch für das Dutzend Renault Latitude, das im Dezember auf einen Schlag in die KBA-Statistik eingezogen ist: Seit Ende 2012 wird der „Vel Satis“-Nachfolger nicht mehr in Deutschland gehandelt. Eigentlich.

Restposten, Exoten, Singles sind ohnehin ein weites, oftmals namenloses Feld. „Sonstige“ lautet die Statistik-Position für all die tragischen KBA-Fälle, die es meist nur auf ein, zwei Neuzulassungen im Jahr (oder überhaupt) bringen – und nicht einmal im klassischen Sinne einem Hersteller zugeordnet werden.

Scheunenfunde, neu entdeckt

Dann nämlich hätten sie sich einen Platz auf der Hitliste verdient. Wie etwa der Wiesmann GT, der es aus der Insolvenzmasse des kürzlich pleite gegangenen Sportwagenbauers auf eine Zulassungsstelle geschafft hat.

Oder wie der Opel Speedster (!) und der Ferrari F430 (2009 eingestellt). Autos, die es längst nicht mehr „neu“ gibt. Und doch wurden sie 2014 neu zugelassen. Wach geküsst wie Scheunenfunde.

Mehr über die Neuzulassungs-Winzlinge und Auto-Verstoßenen 2014 in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt