Goldener Pontiac Trans Am für 3,4 Mio. Euro bei mobile.de angeboten

Der Schatz in der Garage

Hier ist alles Gold, was glänzt

Ein gut erhaltener Pontiac Trans Am der 4. Generation kostet bei mobile.de rund 7.000 Euro, es gibt aber auch Exemplare für 20.000 Euro. Was muss passieren, damit ein Exemplar mehr als das 450fache wert sein soll? Der Anbieter dieses 3,4 Millionen Euro teuren Pontiacs weiß es genau.

31. März 2015

Wenn man All Naeemi fragt, ob er ein Perfektionist ist, dann schaut er ein wenig zur Seite: „Es gibt Menschen, die das von mir behaupten“, sagt er wenig später.

Vielleicht ist es tatsächlich der Perfektionismus, der seinen Pontiac so einzigartig macht – und nicht die üppige Goldbeschichtung, die Tausende Euros an selbst gefertigten Teilen, die 300.000 Strasssteine oder gar die unzähligen Arbeitsstunden, die in der Veredlung des an sich schon exklusiven Auto stecken.

 

 
 

 

Gold ist schwer zu verarbeiten

Denn Autos mit Gold zu beschichten, ist erst einmal nicht neu. Schon mehrere Fahrzeuge wurden so aufgemacht, was allerdings meist nur von kurzer Dauer ist. Und das nicht unbedingt nur wegen der Diebstahlsgefahr.

Denn Gold mag viele Vorzüge haben, für die Außenhaut eines Autos ist es ein denkbar ungeeigneter Werkstoff: Es wiegt sehr viel, ist sehr schwierig zu verarbeiten und sieht in der erforderlichen, sehr geringen Materialstärke meist einfach nur billig aus. Das ist genau das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte.

„Die meisten Autos mit Goldüberzug dürfen nicht gefahren werden und sehen maximal aus zehn Metern Entfernung gut aus“, weiß Naeemi.

Der Gold-Pontiac bei mobile.de

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Der Pontiac kam viel herum

All Naeemi wollte trotzdem nicht von seinem Traum lassen, doch zuerst sah es gar nicht danach aus, dass es einmal soweit kommen würde.

Der aus Persien stammende Autofan ließ sich im Jahr 2004 einen Pontiac Trans Am mit einem großen Motor unter der Haube für 38.000 Euro aus den USA kommen. In den folgenden Jahren fuhr er mit dem Wagen durch ganz Europa, auch in seiner ehemaligen Heimat war er mit dem großen Sportwagen.

Selbst nach Australien, wo Naeemi mal eine Zeitlang lebte, nahm er den Pontiac mit.

Eine Garantie wollte niemand geben

2009 dann fing es an: Der Autofan wollte den Pontiac in der serienmäßigen Farbe „silver honey“ mehr seinem persönlichen Geschmack anpassen. Chrom auf der Außenhaut sollte es sein, der sich in Schwüngen von der Motorhaube bis in die Türen fortsetzte.

Allerdings: Die befragten Lackierer lehnten den Auftrag alle ab. Auch Folierbetriebe reagierten ähnlich: Man könne das zwar probieren, würde auch kassieren, aber ob das Ergebnis überzeugen würde?

Eine Garantie auf das Ergebnis mochte keiner der befragten Fachleute geben. Das war die Initialzündung. Naeemi erlebte in den Folgejahren immer das Gleiche: Jeder wollte zwar das Geld des Kunsthandwerkers nehmen, aber keine Garantie auf ein zufriedenstellendes Ergebnis liefern.

Naeemi übernahm den Job selbst

Noch heute merkt man dem bei Nürnberg lebenden Autofan an, wie sehr ihn diese Arbeitshaltung nervt. Er hätte ja gutes Geld gezahlt – aber natürlich nur für gute Arbeit.

Auf immer die gleichen Angebote reagierte Naeemi immer gleich: Er machte es selbst. Naeemi besorgte sich Chromfolie, schnitt sie zu und brachte sie am Wagen in der gewünschten Form an. Was einfach klingt, ist extrem arbeitsintensiv: Chromfolie ist wesentlich dicker und schwerer zu verarbeiten als zum Beispiel die elfenbeinfarbige Folie, die aus einem normalen Pkw ein Taxi macht.

Doch Handwerker gab nicht auf, allein für die Abdeckungen der Scheinwerfer sind drei per Hand zugeschnittene Stücke notwendig. „Man hat jeweils nur einen Versuch. Ist beispielsweise ein winziges Staubkorn darunter, sieht man das sofort und man muss wieder von vorne anfangen“.

Der Pontiac gewinnt Pokale

Lohn des Aufwandes: Der erste Pokal auf einer Tuningmesse. 2009 war das, elf Pokale und weitere Auszeichnungen sollten folgen. Naeemi wollte jetzt auch den Innenraum verschönern. Erste Experimente mit Steinen aus Plastik scheiterten. „Sie wurden schnell schmutzig und milchig.“ Strass ist dagegen erheblich widerstandsfähiger.

Strassteine sind Imitationen von Diamanten, die ihnen in Glanz und Farbstreuung ähneln, ohne jedoch deren Härte zu erreichen. Als die Umbauarbeiten im Innenraum immer umfangreicher wurden, zeigte sich das alte Problem: Niemand wollte die Arbeiten so umsetzen, wie Naeemi das wünschte.

Also eignete er sich neben der Fähigkeit, Kunststoff dauerhaft mit Farbe zu überziehen, auch das Sattlerhandwerk an. Heute ist der komplette Innenraum veredelt, alles hat der Autodidakt selbst gemacht (siehe Bildergalerie).

Die Entdeckung von Gold

2010 wanderte der Strass dann auf die Außenhaut. Dazu wurde jedes Steinchen in der passenden Größe ausgewählt, mittels eines selbst entwickelten Werkzeugs auf beidseitig klebendes Band aufgesetzt und an der passenden Stelle des Wagens angebracht.

Bis diese extrem zeitaufwendige Arbeit schließlich einigermaßen fertig war, vergingen mehrere Jahre. Aber die Transformation des Trans Am sollte weitergehen: Irgendwann im Jahr 2013 sah Naeemi zufällig eine TV-Dokumentation über die Goldschläger-Stadt Schwabach in nahen Mittelfranken.

Goldschläger? Das ist ein rund 5.000 Jahre altes Handwerk über die Herstellung von Blattgold. Spontan bildete sich ein Gedanke bei Naeemi: Was wäre denn, wenn…?

Ein sehr teures Vergnügen

Der Autofan begann wie immer zu recherchieren, konsultierte selbst einen Juwelier, der in Dubai Hotels ausstattete. Erneut , eine Arbeit nach den hohen Standards von Naeemi auszuführen. Blattgold hat kleine Löcher, das sollte bitteschön auf dem Pontiac nicht zu sehen sein. Es reißt leicht: Das ist besonders in den Krümmungen der Karosserie echtes Handwerk.

Also musste Naeemi wieder sein eigenes Verfahren entwickeln. Allein bis er den richtigen Kleber gefunden hatte und ihn richtig verarbeiten konnte, vergingen Monate. Man braucht für einen solchen Pontiac rund fünf Liter Kleber – 100 Euro kostet jeder Liter.

Und das war nur der Anfang: Blattgold kostet abhängig vom Tageskurs rund 42 Euro je 25 Plättchen – das ist buchstäblich ein teures Vergnügen.

Wie kommt der 3D-Effekt auf das Auto?

Die von Naeemi gewählte Sorte Blattgold sollte laut Hersteller den Effekt einer Krokodilhaut haben. Die Struktur kommt auch gut hin (siehe Bildergalerie). „Aber Krokodilhaut ist nicht glatt“, so Naeemi, „also musste ich für den gewünschten 3D-Effekt wieder ein eigenes Verfahren entwickeln.“

Das Ergebnis gibt ihm Recht. Der Überzug wird wohl lange halten, was auch ein Verdienst der fünf Schichten Klarlack ist, jede davon hat er in stundenlanger Arbeit per Hand geschliffen.

Sonne bringt das Gold zur Geltung

Man kann trefflich darüber streiten, ob das nun fertige Auto gut aussieht. Allerdings werden auch ein Gold-Allergiker unumwunden zugeben: Dass die Arbeiten absolut professionell aussehen. Tatsächlich ist der 3D-Effekt wahrnehmbar: Sobald die Sonne am Himmel steht, scheint das komplette Auto wie von innen heraus zu leuchten.

Erwähnenswert sind noch die ganzen raffinierten Details, die der Beobachter erst auf den zweiten Blick wahrnimmt: Beispielsweise musste auch die Türaufhängung der Lambo-Doors umgestaltet werden, weil die Türen des Pontiacs zu schwer für käufliche Fertiglösungen sind.

Allein dieser Effekt kostete 5.000 Euro extra. Oder die LED an den Felgen – das hat sonst keine. Kein Wunder: Die Stromversorgung ist ein kniffliges technisches Problem. Wie Naeemi es gelöst hat? Das bleibt sein – gut gehütetes – Geheimnis .

Angemessen Kleidung für Goldjungen

Apropos Geheimnis: Im Zuge seiner akribischen Recherchen und Versuche zur Blattgold-Verarbeitung entdeckte Naeemi ein Verfahren, wie man Kleindung vergolden kann. Das ging zwar bislang auch schon, aber das Gold überlebte mit den klassischen Verfahren schon die erste Wäsche nicht.

Mit dem von ihm patentierten Verfahren soll es gelingen, dass das Gold auch in der Waschmaschine dort bleibt, wo es ist – Verhandlungen mit Designer-Marken laufen schon.

3,4 Millionen fast ein Schnäppchen

Vor kurzem wurde in der Schweiz ein Mercedes SLR mit vergoldeten Details wie Felgen oder Armaturenbrett für rund 9 Millionen Euro verkauft. So gesehen ist der Pontiac für 3,4 Millionen ein Schnäppchen – man muss die goldene Kalesche mit den 400 PS nur mögen. Fahren lässt sich der Pontiac übrigens problemlos – alle Umbauten sind vom TÜV abgenommen.

Erste Interessenten gab es auch schon. Allerdings waren die Angebote reichlich unseriös. Naeemi besteht auf einer Überweisung und einer Deklaration beim Finanzamt. Keinesfalls werde er auf eine Transaktion eingehen, die ihm bereits angeboten wurde: Bargeld im Pilotenkoffer.

Denn wer ein echter Perfektionist ist, der will auch den Verkauf ohne Komplikationen abwickeln.

Mehr Bilder vom goldenen Pontiac Trans Am finden Sie in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund