Welche Extras braucht ein Neuwagen?

Diese Ausstattung wünschen Autokäufer heute

Bluetooth schlägt Schiebedach

Wer einen Neuwagen kauft, sollte über die Ausstattung gründlich nachdenken – denn beim Weiterverkauf entscheiden auch die Extras an Bord über den Preis. Fehlen wichtige Features, kann das Auto zum Ladenhüter werden. Was ist im Trend?

22. Juni 2015

Wenn der nächste Neuwagen auf mobile.de gesucht wird, steht jeder Autokäufer automatisch vor der Frage: Wie viel Ausstattung darf’s denn sein? Haken Sie diesen Punkt nicht zu schnell ab: Die Wahl der Extras ist folgenschwer – mit den richtigen Features bringt der Wagen nämlich später mehr auf dem Gebrauchtwagenmarkt bzw. verkauft sich einfach schneller. Kurz gesagt: Die richtigen (also die beliebtesten) Extras machen das Auto wertvoller.

Fehlt dagegen das für die jeweilige Fahrzeug-Klasse typische und also von den meisten Interessenten gewünschte Zubehör, kann der Verkäufer auf dem Fahrzeug sitzenbleiben.

Aber was sind die „richtigen“ Extras? Auto-Datendienstleister Schwacke hat analysiert, welche Ausstattung sich Gebrauchtwagenkäufer wünschen – und welche dagegen heute keine große Rolle mehr spielt. 

 
 

 

Nur wenige Farben sind gesucht

Manche Extras sind in allen Auto-Klassen gefragt. Eines davon ist die Farbe: Eine „mutige“ Farbe wie Gelb oder Pink oder eine ungewöhnliche Farbkombination ist fast immer schlecht für den Wiederverkauf.

Weiße Autos, die in den 90er Jahren noch als spießig galten, liegen inzwischen im Trend. Aber das ist eine Ausnahme: In Zeiträumen, in denen Autokäufer über eine Neuanschaffung nachdenken, wird sich der Farbgeschmack kaum drastisch ändern, glauben die Experten.

Und so gilt, dass man mit dezenten Farben wie Grau, Anthrazit, Schwarz oder Silber-Metallic keinen Fehler macht. Mut bei der Farbe kann der Käufer sich allenfalls bei Spaßautos wie einem knallroten Porsche 911 leisten.

Sicherheit gewinnt immer

Es gibt natürlich auch Selbstläufer unter den Extras: Sicherheitsrelevante Ausstattungsmerkmale werden – wenn sie erst einmal in der Oberklasse zur Verfügung stehen – bald in die unteren Auto-Kategorien weitergereicht.

Ein gutes Beispiel ist das Stabilisierungsprogramm ESP, das Mitte der 90er Jahre in der Luxusklasse von Mercedes eingeführt wurde. Nachdem ein missglücktes Ausweichmanöver der A-Klasse bei Testfahrten in Schweden zum Kippen eines Fahrzeugs geführt hatte (was als „Elchtest“ in die Automobilgeschichte einging), wurde das ESP nachträglich in diese untere Modellreihe eingebaut.

Bald fand es auch in anderen preisgünstigeren Fahrzeugen Verbreitung. Inzwischen ist ESP für alle Neufahrzeuge Pflicht. Mit den meisten Sicherheitsassistenten wird es wohl einen ähnlichen Verlauf nehmen.

Der Zeit voraus sein

Dass sich die Investition in Sicherheitsfeatures auch dann lohnen kann, wenn man seiner Zeit voraus zu sein scheint, zeigt eine im Juni 2015 bekannt gegebene Aktion von Toyota: 85 Prozent aller Modelle sollen bis Ende 2016 mit „Toyota Safety Sense“ ausgestattet werden – und zwar auch die Kleinen der Toyota Palette.

„Toyota Safety Sense“ soll dabei helfen, Unfälle zu vermeiden oder zumindest deren Folgen deutlich zu mildern. Kern dieses Systems sind das Pre-Collision System PCS und der Spurhalteassistent LDA.

Nachdem nun auch die Toyota Kleinwagen Aygo und der Yaris gegen einen Aufpreis ab 350 Euro mit dem System bestellt werden können, hat sich diese Sicherheitsausstattung endgültig auch in den kleinen Autos etabliert.

Parkhilfe stark nachgefragt

Elektronische Einparkassistenten mit oder ohne Kamera gehören seit mindestens fünf Jahren ab der Mittelklasse zum Standard – auch, wenn viele damit noch nicht richtig umgehen können. Dieser Trend zum Rangier-Roboter hat sich verstärkt.

Parkassistenzsysteme werden tatsächlich immer gefragter, hat Schwacke festgestellt: „Diese Einparkhilfen, vom einfachen akustischen Distanzwarner bis zum komplexen kamerabasierten System, erlebten den mit Abstand stärksten Nachfragezuwachs und sollten deshalb auch bei einem Gebrauchtwagen an Bord sein.“

Die Ansprüche der Käufer steigen mit den technischen Möglichkeiten. Statt der einfachen Klimaanlage wünschen heute viele in den drei oberen von fünf untersuchten Fahrzeugklassen die komfortablere Klima-Automatik. Und selbst bei Klein- und Kompaktwagen wird diese Option immer wichtiger.

Lieber Netz als Schiebedach

Ein weiterer Trend, beeinflusst durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones und Tablets, ist die drahtlose Anbindung des eigenen Geräts über Bluetooth an die Bordelektronik – und sei es nur, um die Lieblingslieder vom Smartphone über die Hifi-Anlage abspielen zu können. Solche Kommunikationsschnittstellen werden inzwishcen auch in Kleinwagen angeboten.

Schwacke stellt fest: „Die zweitstärkste Steigerung beim Käufer-Interesse weist ein eigentlich recht unscheinbares Ausstattungsdetail auf: die Bluetooth-Schnittstelle zur Koppelung eines Smartphones mit dem Mediasystem des Fahrzeugs – dicht gefolgt von der fest installierten Freisprecheinrichtung.“

Doch die Schwacke-Analyse weist auch Verlierer aus: Das gute, alte Schiebedach, in den letzten Jahrzehnten noch ein begehrtes Luxus-Extra, ist inzwischen fast in der Bedeutungslosigkeit versunken. Bei Gebrauchtwagen wirkt es sich daher kaum noch verkaufsfördernd aus.

Der ideale Neuwagen

Die meisten Käufer von Gebrauchten legen den Schwerpunkt weniger auf trendige oder luxuriöse Extras sondern auf ein gut ausgestattetes, aber immer noch bezahlbares Auto. Wer heute auf Umweltfreundlichkeit (Abgas, Spritverbrauch) achtet und ein Kommunikationssystem mit Erweiterungsmöglichkeit anschafft, der liegt mit Sicherheit im Trend.

Zusätzlich sollte man auf die klassetypischen Pflicht-Extras achten. Wenn Sie dann noch ein paar persönliche Wünsche erfüllen, werden Sie Spaß am neuen Auto haben und zugleich die Chancen deutlich erhöhen, es später schnell und zu einem guten Preis wieder loszuwerden.

Noch Geld über? Auch ein Blick auf die nächsthöhere Klasse kann sich lohnen: Wer sich heute das als Extra einbauen lässt, was beim größeren Modell populär ist, könnte in einigen Jahren ein gutes Geschäft machen.

Wertverlust bei Extras höher

Allerdings sollten Sie es nicht übertreiben: Es ist unsinnig, massiv in Zubehör zu investieren und zu hoffen, dass sich das finanziell zurückzahlt. Experten empfehlen, nicht mehr als 15 Prozent des Kaufpreises für das neue Auto in Extras zu investieren.

Der Grund dafür ist einfach: Zubehör verliert schneller an Wert als das Auto selbst. Als Faustregel hat Schwacke veranschlagt, dass ein drei Jahre altes Auto etwa 50 Prozent Restwert hat.

Das Zubehör hat in dieser Zeit jedoch rund 70 Prozent an Wert verloren. Erst bei Youngtimern wirkt sich Sonderausstattung wieder stark wertsteigernd aus. Aber so lange wollen Sie mit dem Verkauf gewiss nicht warten...

Die Klassen-Gesellschaft

Dabei hängt die Wahl des richtigen Zubehörs von der Auto-Klasse ab. Die Schwacke-Tabelle zeigt, dass Oberklasse-Zubehör bei kleinen Autos finanziell nichts bringt. Der Wunsch nach einer Automatik, Standheizung oder Lederausstattung mag vorhanden sein, doch bezahlen will oder kann das kaum einer.

Auch eingebaute Navigationssysteme steigern den Wiederverkaufswert in der Regel erst ab der Mittelklasse. Gefragter sind bei den Kleinen aber Systeme, die das drahtlose Anbindung eines Smartphones ermöglichen.

Luxusautos haben viele Extras

Wenn Features fehlen, die in der jeweiligen Klasse zum Standard gehören, kann das schlecht sein. Ein Auto der Oberklasse etwa verkauft sich ohne Automatikgetriebe weniger gut. Eine Mercedes S-Klasse oder einen 6er- oder 8er-BMW mit Handschaltung und Stoffsitzen zu verkaufen, ist nicht leicht. Luxusautos müssen einfach viel Sonderausstattung haben, scheint die verbreitete Überzeugung zu sein.

In diesen Klassen sind Automatik – am besten mit Wippschaltern am Lenkrad oder einem Doppelkupplungsgetriebe – und Lederausstattung einfach Standard. Bei Leder gilt das übrigens auch für die obere Mittelklasse.

Gleiches lässt sich hinsichtlich integrierter Navigationssysteme sagen. Seltsamerweise wird nicht berücksichtigt, dass ein fünf Jahre altes Navi technisch ziemlich überholt ist – die Zahlen sprechen dafür, dass es beim Verkauf einen Pluspunkt darstellt.

Ohne Extras bleibt nur Dumping

Und zum Schluss ein Tipp für preisbewusste Gebrauchtwagenkäufer: Autos, bei denen gefragte Sonderausstattungen fehlen, sind oft Ladenhüter. Klicken Sie möglichst wenig Extras in der Suchfunktion von mobile.de an, und sie können beim Endpreis leicht zehn Prozent sparen.

Auf einen Blick: Welche Extras ein Neuwagen haben muss, sehen Sie in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund