Jede Karosserie ist ein Unikat

Autos in Maßanfertigung

Den gibt es kein 2. Mal

Mein Auto, ein Unikat: Individualisierung ist schwer im Trend. Die Königsdisziplin dabei beherrschen allerdings nur wenige: neue Karosserien für Highend-Autos.

3. März 2015

Ihr Auto laaangweilt Sie? Die immer gleiche Visage, Einheitslook von der Stange, der Ihnen dazu noch tausendfach im morgendlichen Stoßverkehr entgegen gähnt? Das müssen Sie nicht ertragen – ein Anruf bei Ares, und die Langeweile hat ein Ende. Ares ist eine Manufaktur, die sich auf den Komplett-Umbau von Serienfahrzeugen spezialisiert hat.

Das kann der Tuner bei Ihnen nebenan auch? Wohl nicht annähernd so akkurat, aufwendig und außerirdisch luxuriös wie der italienische Hoflieferant von Scheichs und Oligarchen und grundsätzlich allen, bei denen Geld allenfalls den Statisten spielt. Davon gibt es nicht wenige, und sie haben viel vor.

Luxus boomt, erst recht bei Autos. Bentley und Rolls-Royce melden Verkaufsrekorde, Jaguar Land Rover will erstmals mehr als 500.000 Autos weltweit absetzen, Lamborghini und Porsche geben Gas wie nie, und die deutschen Premiumhersteller Audi, BMW und Mercedes-Benz feiern ein Rekordquartal nach dem anderen.

 

 
 

 

Maßanfertigung für Millionäre

Die schöne, weite, teure Welt des Automobils. Neupreis 100.000 Euro aufwärts? Für viele ein Lacher. 575 PS im SUV mit M-Faktor? Sollten es schon sein. Die Zwölfzylinder-G-Klasse ab 269.000 Euro? Für den rasanten Ausflug in die eigene Wüsten-Datscha gerade gut genug.

Und das ist natürlich noch nicht alles, denn: Mehr geht immer. In kaum einer Branche zeigt sich das so offensichtlich wie beim Edel-Tuning à la Ares. „Das Exklusiv-Segment ist ziemlich immun gegen Krisen, das ist wie mit Luxus-Taschen und Uhren“, sagt Dany Bahar (43).

Der Ex-„Senior Vice President Brand“ bei Ferrari und Ex-CEO von Lotus ist der Kopf des Automobil-Spezialisten für Highend-Umbauten mit Sitz in Modena – und mit sehr speziellen Kunden.

Hauptsache: einmalig. Preis: egal

„Wir setzen da an, wo der 1,2-Millionen-Euro-Bugatti einfach nicht mehr reicht“, sagt Bahar. Er fügt hinzu: „Es gibt Kunden, die kaufen sich jedes Jahr 30, 40 Neuwagen oder mehr. Ferrari, Bentley, Bugatti, meist schon von Werk aus individualisiert. Wenn die Besitzer vorm Restaurant aussteigen, und da steht das gleiche Auto noch mal, ist ihr Tag gelaufen.“

Also muss etwas Einmaliges her. Etwas, das auf keinen Fall jemand anders hat. Etwas, das Begehrlichkeiten weckt. Und die eigene Seele streichelt. „Veredeln allein reicht nicht, das können viele. Brabus, AMG, die machen alle einen richtig guten Job, genau wie die Exklusiv-Abteilungen der Hersteller selbst“, sagt Bahar.

Aber bei den Stückzahlen, die dort bewältigt werden, bleibe echte Individualität eben dann doch auf der Strecke. „Die großen Hersteller sind ganz anders reglementiert als wir. Man kann bei einer Serienfertigung nicht plötzlich sagen: Diesen einen Sitz, den machen wir jetzt mal ein bisschen runder hier oder eckiger dort, und dieses eine Armaturenbrett ein bisschen höher, und statt der ovalen Scheinwerfer nehmen wir hier lieber rechteckige. Das geht schlichtweg nicht bei industrialisierten Prozessen.“

Da ansetzen, wo andere enden

Aber bei Ares in Handarbeit, da geht das schon – das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Für 240.000 Euro aufwärts zum Beispiel bekommt der Range Rover Vogue ein neues Interieur-Design, eine individuelle Front und eine Leistungssteigerung auf 600 PS. Metamorphosedauer: circa vier Wochen. Es können aber auch acht Monate sein, je nach Umfang. Maßsitze verstehen sich von selbst: „Alles andere wäre nur Kosmetik, wo soll da der Sinn sein?“, meint Bahar.

Auto-Ateliers wie Ares gehen einen Schritt weiter: Sie verändern nicht nur das Material oder die Farbe, sondern auch das Design, also die bestehende Architektur, und zwar innen wie außen. Wo Leder war, kommt zum Beispiel Holz hin, auf Wunsch aus dem persönlichen Baumbestand des Kunden.

Bestes Beispiel für eine echte Design-Metamorphose ist das Ares Atelier-Concept für den Mercedes G 63 AMG: Aus dem schlichten kantigen Armaturenbrett mit 70er-Jahre-Charme wird eine mondäne, deutlich aufgestockte Instrumententafel. Das hoch aufragende Dach des 4x4-Dinos wird gechopt, die Front durch C-Klasse-Scheinwerfer verjüngt. Alle Teile, die ARES verwendet, stammen von renommierten Zulieferern oder werden per Hand maßgefertigt.

Kunden aus Russland und Arabien

Das Geschäft boomt, sagt Bahar. Im Frühjahr steht der dritte Umzug innerhalb eines Jahres an – von 1.000 Quadratmetern auf 2.500 m2 auf 5.500 m2. 150 Autos peilt Ares für 2015 an. Genauer gesagt: „Umbauten nach Kundenwunsch“, denn das Rohmaterial zum Veredeln ist durchaus fahrbereit. Es wird ja lediglich nachträglich veredelt.

„Wir liefern mit unseren Teams und Entwürfen nur die Inspiration. Es wird nie ein eigenes Ares-Auto geben. Was der Kunde sehen und berühren kann, das ändern wir. Die Technik darunter lassen wir unangetastet.“ Von einer adäquaten Leistungsspritze, sofern gewünscht, mal abgesehen.

Wer das mag? Viele aus jenen Kreisen, die keine Hemmungen haben, ihre finanziellen Verhältnisse plakativ sichtbar zu machen. Gut ein Drittel der Kunden sind Russen, aber keines der Autos gehe nach Russland, so Dany Bahar. „Dubai, Südfrankreich, London, dahin werden die Autos geliefert. Teile der USA laufen gut, und natürlich der Mittlere Osten.“

In Dubai ist Ares am richtigen Platz

Besonders hoch im Kurs bei den Ares-Kunden steht der Rolls-Royce Wraith. Und alles, was in die Kategorie Luxus-SUV passt. Was da so alles geht, präsentiert Ares in seinem ersten Flagship Store. Mitte des Jahres soll er eröffnen, in Dubai. Weitere Dependancen sollen folgen, in London, Hongkong und den USA.

Wer die Eröffnung nicht abwarten will: Einen Vorgeschmack auf drei exklusive Ares-Umbauten gibt es in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt