Autoknackers Lieblinge 2015

Top 10 der meistgeklauten Autos

Diese Wagen sind in Gefahr

Die gute Nachricht zuerst: Autodiebstahl wird in Deutschland mit wachsendem Erfolg bekämpft. Doch ausgewählte Automodelle sind noch immer stark gefährdet. Vor allem hoch motorisierte, luxuriöse Limousinen und SUV verschwinden zu Dutzenden bei Nacht und Nebel.
 

 
 
15. Oktober 2015

Sie wohnen in Berlin und besitzen ein großes Auto, das als sportlich und geländegängig gilt, zudem in der Anschaffung nicht ganz billig war? Herzlichen Glückwunsch, dann haben sie einen Spitzenplatz in der Statistik sicher. Allerdings in der falschen, denn dann ist ihr statistisches Risiko am höchsten, dass ihr Auto geklaut wird.

Demnach ist das meistgeklaute Auto in Deutschland der Range Rover, dicht gefolgt vom BMW X6, dem Lexus RX350 sowie dem Landcruiser von Toyota. Erst danach kommen die sportlichen Audi-Modelle S3 und S5.

Der Range Rover ist mit einem durchschnittlichen Schadensaufwand von gut 73.000 Euro auch sehr teuer. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert aller geklauten Autos betrug 2014 vergleichsweise günstige 14.600 Euro.

Alle 30 Minuten verschwindet ein Auto

Autodiebe haben im vergangenen Jahr rechnerisch etwa alle 30 Minuten einen kaskoversicherten Pkw gestohlen. Nach der Kfz-Diebstahlstatistik 2014, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) heute veröffentlichte, kamen im Laufe des Jahres insgesamt 17.895 Pkw ihren rechtmäßigen Besitzern abhanden. Das heißt auch: Nicht versicherte Autos sind nicht enthalten.

Tatsächlich hat die Polizei in ihrer Statistik für 2014 noch mehr geklaute Autos registriert: 18.549 Pkw sind 2014 „auf Dauer abhanden gekommen“. Einen Einfluss auf die Differenz zwischen Versicherungsfällen und Polizei-Daten entsteht aber auch aus unterschiedlichen Definitionen: Die Polizei setzt eine zeitliche Grenze zum Jahresende, sind die Autos bis dahin nicht aufgefunden, gelten sie als weg.

Man kann also davon ausgehen, dass einige der 654 Autos nach dem 1. Januar 2015 wieder auftauchten, wohlmöglich dank guter Polizeiarbeit. Das BKA kommt in seinen Berechnungen jedenfalls auf einen Rückgang der Kfz-Kriminalität von 3% gegenüber 2013, die Versicherungen sogar auf 4,8%.

Je teurer, desto begehrter

Obwohl die Zahl der Autodiebstähle also merklich sank, zahlten die Versicherer mit rund 262 Millionen Euro fast die gleiche Entschädigungssumme an ihre Kunden wie im Vorjahr (-0,7 %). Der Grund: Der durchschnittliche Wert eines geklauten Pkw erreichte mit knapp 14.650 Euro eine neue Rekordhöhe (+4,3 %).

Fazit: Es wird zwar weniger geklaut, aber die Kriminelle Branche ist intakt und schlägt bei ausgewählten, teuren Fahrzeugen zielgenau zu. Ein Diebstahl ist also alles andere als Zufall: Modelle werden bestellt, sorgfältig ausgespäht und mit generalstabsmäßiger Organisation „abgeholt“.

Die Fahrzeuge sind meist schon über die Grenze, bevor die Fahndung angelaufen ist – und werden immer häufiger zerlegt, um in Einzelteilen nach Afrika und Asien zu reisen.

Hauptstadt der Autodiebe

Im Vergleich der Bundesländer registrierten die Kfz-Versicherer deutlich rückläufige Diebstahlszahlen in Mecklenburg-Vorpommern (-34,7%), Brandenburg (-23,1%) und Bayern (-14,3%). Mehr Pkw gestohlen wurden hingegen im Saarland (+16,7%) und in Hessen (+6,8%).

Die mit weitem Abstand höchste Diebstahlrate ergab sich wie im vergangenen Jahr für Berlin. Im Laufe des Jahres 2014 wurden allein hier mehr als 3.100 Pkw gestohlen, was einer Diebstahlrate von 3,5 pro 1.000 kaskoversicherten Pkw entspricht.

Über die geringste Diebstahlrate (0,1 pro 1.000 kaskoversicherter Pkw) können sich Autofahrer in Bayern freuen, wo 2014 nur rund 800 Autos geklaut wurden. Im Bundesdurchschnitt lag die Diebstahlrate bei 0,5.

Opel ist bei Autoknackern unbeliebt

Unter den Autodieben am beliebtesten waren weiterhin Modelle der Hersteller Land Rover und Audi. Allein vom Range Rover 3.0 TD wurden im vergangenen Jahr 150 Stück geklaut – das entspricht einer Diebstahlrate von 57,4 pro 1.000 Pkw.

Für die Gesamtheit der Land-Rover-Modelle ermittelten die Statistiker des GDV eine Diebstahlrate von 4,5. Wie im Vorjahr auf dem zweiten Platz der Hersteller liegt Audi mit einer Diebstahlraterate von 1,2. Besonders von Diebstählen betroffen waren Fahrer der Sport-Limousinen S5 und S4.

Deutlich weniger Sorgen um einen Diebstahl ihres Autos müssen sich Opel-Fahrer machen: 2014 wurden mit rund 500 Stück knapp 20 Prozent weniger Opel gestohlen als im Vorjahr; die Diebstahlrate sank von 0,2 auf 0,1 pro 1.000 kaskoversicherte Pkw.

Viele Autos werden ausgeschlachtet

Neben Pkw wurden im vergangenen Jahr weitere 12.563 kaskoversicherte Fahrzeuge entwendet, darunter 7.226 motorisierte Zweiräder und 1.854 Lkw. Für die insgesamt 30.458 gestohlenen Fahrzeuge zahlten die Versicherer Entschädigungen in Höhe von 356,5 Millionen Euro.

Viele Autos werden gar nicht geklaut, um irgendwo im Ausland verkauft zu werden: Laut Bundeskriminalamt dient ein hoher Anteil des Kfz-Diebstahls dazu, Teile zu besorgen. „Nach wie vor besteht ein hoher Bedarf an Kfz-Ersatzteilen in afrikanischen und osteuropäischen Staaten, wobei Litauen weiterhin als führender illegaler Absatzmarkt Osteuropas gilt.“

Dies gelte sowohl für kleinere Fahrzeugteile (z. B. Airbags, Navigationsgeräte usw.) als auch für große Komponenten (z. B. Motoren, Getriebe, Karosserieteile).

So arbeiten die kriminellen Banden

Der böse Spruch „Kaum gestohlen, schon in Polen“ spiegelt leider nach wie vor einen sehr häufigen Tatbestand wider: Von 18.017 Tatverdächtigen, die 2014 im Zuge eines Autoeinbruchs und -diebstahls polizeilich registriert wurden, waren mehr als ein Viertel polnische Staatsangehörige. In Polen wurden laut BKA auch mit Abstand die meisten Fahndungserfolge erzielt.

Insgesamt wird die nachtaktive Branche zu rund einem Drittel von ausländischem Personal vertreten. Die Kriminellen arbeiten hoch in spezialisierten, voneinander abgeschotteten und erfahrenen Banden, die großteils auf Bestellung vorgehen. Zu den Verbrecherorganisationen gehören auch Experten, die Identifikationsnummern verändern und Fahrzeugdokumente fälschen können.

Bei der Arbeit wird in der Regel moderne Elektronik verwendet, um die Wegfahrsperren der Autohersteller zu neutralisieren. Der Abtransport erfolgt durch Kuriere nach Osteuropa oder per Container über die großen Seehäfen nach Afrika.

Ohne Teilkasko läuft nichts

Was kann man gegen den Autoklau tun? Zuerst einmal: Die oben genannten Diebstahls-Zahlen liegen in der Realität noch höher. Erfasst werden vom GDL nur Autodiebstähle, die Versicherer auch bezahlen mussten.

Das bedeutet für Besitzer besonders gefährdeter Marken und Modelle: Sie brauchen eine Teilkasko-Versicherung, nur sie kommt für Diebstahl auf. Ersetzt wird allerdings nur der Zeitwert.

Für Neuwagen bieten zumindest einige Versicherer eine so genannte „Kaufpreisgarantie“ an: Sie ersetzt bei Diebstahl innerhalb von 12, seltener 24 Monaten den Neupreis des entwendeten Fahrzeugs.

Geringstes Klaurisiko: Opel und Hyundai

So erschweren Sie Autodieben die Arbeit. Die Grundregel sollte heißen: Gewonnen hat man erst, wenn der Kriminelle die Erfolgsaussichten als so gering einstuft, dass er freiwillig zum nächsten Auto geht und Ihres verschont.

  • Parken Sie ihr Auto – wenn möglich – nicht an der Straße. Falls sich das nicht vermeiden lässt, meiden Sie dunkle Ecken, suchen Sie belebte und/oder beleuchtete Orte, z.B. in der Nähe einer Laterne
  • Lenkradschloss immer einrasten lassen
  • Funkfernbedienungen für die Zentralverriegelung lassen sich elektronisch stören (so genannte „Jammer“). Achten Sie darauf, dass ihr Auto wirklich abgeschlossen ist
  • Autodiebe brechen auch in Häuser oder Wohnungen ein, um in Besitz des Fahrzeugschlüssels zu gelangen. Da Fahrzeug- und Hausschlüssel meist in der Diele liegen oder am Schlüsselbord hängen ist es ein Leichtes, Fahrzeuge aus einer abgeschlossenen Garage zu entwenden. Die Polizei rät, die Schlüssel zumindest nachts nicht zu verstecken, damit es nicht zu nächtlichen Begegnungen mit Kriminellen kommt. Der Ausgang solcher Treffen ist unabsehbar.
  • Kfz-Ortungssysteme gelten als wirksames Mittel zur Wiederauffindung von gestohlenen Kraftfahrzeugen. In Verbindung mit der Live-Ortung von Fahrzeugen wird oft eine Diebstahlschutzfunktion mit diversen Leistungsmöglichkeiten angeboten
  • Betrachten Sie ihr Auto von außen. Gibt es irgendeinen Hinweis, dass sich im Fahrzeug etwas Wertvolles befinden könnte? Entfernen Sie daher nicht nur das Navi, sondern auch dessen Halterung. Diebe gehen davon aus, dass sich das Navi im Handschuhfach oder unter dem Sitz befindet.

Und wer ganz sicher gehen möchte: Anstelle eines der begehrten Automodelle sollten Sie sich ein Produkt von Hyundai oder Opel anschaffen. Die belegen mit Diebstahlsraten von 0,1 die beiden letzten Platze der meistgeklauten Automarken in Deutschland. Fahrzeuge von Opel wurden sogar 20 Prozent seltener als im Vorjahr gestohlen.

Ist Ihrer auch gefährdet? Die Top 10 der meistgeklauten Autos im vergangenen Jahr in der Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund