Neulich auf der Shanghai Autoshow

Dreiste Fälschung aus Fernost

Was ist das?

Soll das ein Witz sein? Der Suzhou Eagle Carrie sorgte kürzlich auf der Automesse von Shanghai für ungläubige Blicke. Von vorn Ferrari, von hinten Porsche, und im Innern ein Elekroauto - was ist er denn nun?

29. April 2015

Diese Ding lässt niemanden kalt, der sich ein bisschen für Autos interessiert: Der Carrie aus dem Hause Suzhou Eagle wirkt – nun ja, er sprengt alle Kategorien: Weder ist der kleine Sportwagen die perfekte Fälschung eines Porsche oder Ferrari, noch zitiert er dezent deren Designsprache. Eher äußerst plump.

Das Auto, das vor ein paar Wochen auf der Shanghai Autoshow wie ein Kamera-Magnet drapiert war, kam wie eine Karikatur daher, wie eine von einem westlichen Autohersteller geförderte und geschickt lancierte Missgeburt.

Doch mit dem westlichen Blickwinkel fängt das Problem an: Viele chinesische Autos, die in unseren Augen freche Fälschungen sind, repräsentieren offenbar die Sichtweise in Ostasien: Hochachtung durch möglichst detailgetreue Nachbildung – inklusive leichter Übertreibung, weil das eben dem landläufigen Kundengeschmack entspricht. Alles klar?

 

 
 

Versatzstücke mehrerer Ferrari

Eine schlechte Publicity für die verfälschten Marken jedenfalls stellt dieser Suzhou Eagle Carrie kaum dar. Im Gegenteil, sie sind dadurch erst Recht im Gespräch. Und schneiden im Vergleich zu dem seltsamen Gebilde ja auch nicht schlechter ab.

Denn (noch) steht eindeutig fest, was Original ist, und was Chimäre. Genauer gesagt, fällt erst beim Blick auf das Hinterteil des chinesischen Sportwägelchens die unverkennbare Ähnlichkeit zum aktuellen Porsche Cayman auf. Dieser Eindruck wird durch die nahezu gleiche Schriftart des Namenszuges Eagle Carrie erhärtet.

Und auch die Seitenansicht, die vom großen Lufteinlass vor dem Hinterrad und den Logos auf den Radnaben geprägt wird, lässt bis zur A-Säule wenig Raum für Spekulationen. Das muss ein Porsche Cayman sein. Michael Mauer, seines Zeichens Porsche-Chefdesigner, meint nur süffisant: „Dann können wir uns ja das Facelift für den Cayman sparen.“

Ein automobiler Wolpertinger

Doch was zwischen den Seitenspiegeln und der Nase zu sehen ist, dessen Design-Ursprung liegt nicht mehr in Zuffenhausen, sondern im italienischen Maranello. Allerdings hat sich hier der Designer offensichtlich nicht auf ein einziges Ferrari-Modell beschränken wollen.

Mit den Frontscheinwerfern eines California T und der diabolisch grinsenden Front eines FF, der lediglich die Hochkant-Chromspangen und die beiden Zusatzlufteinlässe fehlen, ist Suzhou Eagle ein echter Hingucker gelungen. Bei der genauen Betrachtung des Logos würde ein echter Schwabe sehr wahrscheinlich von einem „Geschmäckle“ reden. Mehr aber auch nicht, denn die Nachahmung ist so schlecht, dass man kaum von Plagiat sprechen kann.

Das Beste aus zwei Welten, scheinen sich die chinesischen Konstrukteure gedacht haben – und bastelten Versatzstücke von Porsche und Ferrari zusammen. Erinnert an das etwas makabre Handwerk gewisser Präparatoren, aus toten Tieren irgendwelche Fabelwesen zusammenzubasteln. Ein automobiler Wolpertinger.

Zweisitzer mit geringer Zuladung

Der 4,30 Meter lange, 1,80 Meter breite und 1,30 Meter hohe grüne Wagen ist seinen beiden Hersteller-Vorbildern jedoch in einem weit voraus: er fährt (angeblich) rein elektrisch. Na gut, mit seinen beiden je 25 Kilowatt starken Radnabenmotoren schafft er gerade einmal 120 km/h.

Aber in puncto Drehmoment und Beschleunigung ist der ohne Batterien 800 Kilogramm schwere Chinese nicht ganz so leicht abzuhängen. Bereits nach 4,8 Sekunden flitzt der Zweisitzer mit Tempo 100 über die Straße.

Der 600 Newtonmeter starke Antrieb verbraucht dabei neun Kilowattstunden auf 100 Kilometern. Die Reichweite beläuft sich auf über 260 Kilometer. Insgesamt dürfen nur 260 Kilogramm hinzugeladen werden. Wie schwer die Batterien sind, will niemand der rund 400 Mitarbeiter des chinesischen Unternehmens verraten.

Serienfertigung noch ungewiss

Dabei ist der Carrie nicht das erste Fahrzeug aus den Fertigungshallen der Marke Suzhou Eagle. Sie zählt zu den führenden Herstellern und kurioserweise auch Designern im Bereich der allradangetriebenen Elektrofahrzeuge – in China wohlgemerkt.

Seit 1999, und somit viel später als Porsche - was einen eventuellen Streit ums Logo sehr schnell beenden dürfte - fertigen sie vor allem kleine Elektroautos und elektrische Sonderfahrzeuge, wie Golfkarts, Müllwagen, Feuerwehrfahrzeuge oder auch viersitzige Kleinstwagen.

Ob der kleine, zweisitzige Porrari oder Ferrorsche jemals in die Serienproduktion geht, steht noch in den Sternen (und in der Korrespondenz der Rechtsabteilungen von Porsche und Ferrari). Bis es soweit ist, können sich die Designer ja vielleicht zumindest auf ein eigenes Logo einigen.

Mehr Bilder vom Suzou Eagle Carrie finden Sie in der Bildergalerie.

Text: Press-Inform / Marcel Sommer