Trick 16: Früher zum Führerschein

Wer schneller ans Lenkrad will oder muss

Auto fahren schon ab 16

Mit 17 Jahren dürfen Personen in Deutschland Auto fahren, wenn eine Begleitperson dabei ist. Doch es geht tatsächlich noch jünger: Schon mit 16 kann man sein eigenes Auto fahren – und das sogar ganz allein.

18. August 2015

Allen Unkenrufen zum Trotz: Autofahren ist für Jugendliche auch heute das Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Motorradfahren geht zwar schon früher, ist aber erheblich gefährlicher und – hinsichtlich der Versicherung – teurer. Und wer möchte schon im Winterfrost und -regen täglich auf dem Bock zur Schule oder in den Betrieb?

Da ist Auto fahren schon was anderes: Kaum einer von uns vergisst die erste Fahrt nach dem Erwerb des Führerscheins: Plötzlich stand einem – zumindest gefühlt – die ganze Welt offen. Die Lieblingsmusik im Ohr. Hinter einem Unmengen an Platz für Gepäck und anderes. Allerdings: So richtig klappt das mit der großen Freiheit erst ab 18 Jahren, also mit der Volljährigkeit.

Eine Ausnahme ist landläufig bekannt: Das sogenannte „Begleitete Fahren“. Damit können seit 2005 in den meisten Bundesländern auch 17jährige hinter das Steuer, wenn sie zuvor die Fahrerlaubnis A1, B oder BE erworben haben.
 

 
 

 

Papa oder Mama haben ein Auge drauf

Die wichtigste Einschränkung dabei ist, dass eine namentlich bekannte Begleitperson mit an Bord sitzen muss, die mindestens 30 Jahre alt ist und seit fünf Jahren den Führerschein besitzt.

Das sind in den meisten Fällen Mama oder Papa – also genau jene Personen, die man bei seinen ersten Ausflügen in die große Freiheit vielleicht nicht unbedingt dabei haben will.

Und erst recht der lauschige Ausflug mit der großen Liebe bis zum endlosen Horizont dürfte in Anwesenheit der Noch-Erziehungsberechtigten nicht gerade zu einem romantischen Highlight werden.

Leichtkraftfahrzeuge als Ausweg

Abgesehen davon, dass die Eltern nicht jede Fahrt zur Schule oder Ausbildungsplatz begleiten können. Was machen also alle, die es nicht erwarten können und schon vorher starten wollen (oder müssen)? Kein Gesetz ohne Lücke, in diesem Fall heißt sie „Leichtkraftfahrzeug“. Damit dürfen auch 16jährige ganz legal hinter das Steuer eines Autos.

Als Leichtkraftfahrzeug definiert die Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) „die vierrädrige Kraftfahrzeuge mit einer Leermasse von nicht mehr als 350 kg, ohne Masse der Batterien bei Elektrofahrzeugen, mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 45 km/h, mit Fremdzündungsmotor, dessen Hubraum nicht mehr als 50 cm³ beträgt.“ Hat das Auto einen Elektromotor, darf dieser nicht mehr als 4 kW (5,4 PS) entwickeln.

Der Kreativität der Ingenieure sind dabei wenig Grenzen gesetzt. So ist es nach einem speziellen Umbau beispielsweise möglich, ein Fahrzeug der VW Polo-Klasse ganz legal zu einem Leichtkraftfahrzeug umzurüsten. Doch dazu später mehr.

Wie ein Auto zum Motorrad wird

Die Idee zu diesen Mobilen hat sich vor allem in Portugal, den Niederlanden, Frankreich und Italien durchgesetzt. Dabei ist diese Fahrzeugklasse in Deutschland gar nicht neu: Heute würde man die Rollermobile der 50er-Jahre wie den Messerschmidt Kabinenroller oder die Isetta von BMW als Leichtkraftfahrzeug einstufen.

Das hat weitere Vorteile: Leichtkraftfahrzeuge müssen nicht zugelassen werden, also entfällt die Kfz-Steuer. Bei der Hauptuntersuchung müssen sie ebenfalls nicht antreten, zur obligatorischen Versicherung reicht ein kleines Moped-Kennzeichen.

Neben der Begrenzung auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h gibt es zwei weitere Faktoren, die die massenweise Verbreitung der Autos in Deutschland verhindern: Kosten und die Sicherheit. Das schnuckelige JS RC Coupé (siehe Bildergalerie) kostet ohne Extras beispielsweise neu 12.990 Euro, die man als 16jähriger (oder deren Eltern) erst einmal haben muss.

Billig ist Auto fahren mit 16 nicht

Der zweite Kritikpunkt an den Leichtkraftmobilen betrifft deren Sicherheit. Crashtests haben ergeben, dass die Fahrzeuge bei der passiven Sicherheit nicht mit normalen Pkw mithalten können.

Die Karosserien von vier dieser Leichtkraftfahrzeuge kollabierten sogar im Test der EuroNCAP. Der ADAC hat diesen Test dokumentiert und kommt zu einer kritischen Wertung.

Hubert Paulus, Technikexperte beim ADAC: „Die Reduzierung beim Gewicht schränkt auch Sicherheitsbestrebungen der Ingenieure ein. Eine steife Fahrzeugzelle kostet eben auch Gewicht“.

Tricks bei der Zulassung

Auch moderne Ableger dieser Mobile wie das Elektro-„Auto“ Renault Twizy sind zulassungstechnisch gar kein Auto, sondern ein Quad. Das sind vierrädrige Geländemobile, die von Bauern oder zum Spaß eingesetzt werden.

Wäre der Twizy offiziell ein Auto, hätte er keine Chance auf eine Zulassung. Ebenso verhält es sich bei dem italienischen Billig-Elektroauto Tazzari Zero, oder dem französischen Ligier-Mikroauto.

Und die aktive Sicherheit? Ebenfalls dürftig beim Twizy: ABS ist nicht lieferbar, der Schleuderschutz ESP schon gar nicht. Andere Leichtkraftfahrzeuge wie beim Microcar Due oder das Ligier Coupé haben zumindest optional einen Airbag oder ABS (siehe Bildergalerie).

Immerhin sicherer als ein Motorrad

Allerdings wird diese Betrachtungsweise auch kritisiert. Denn einige Fachleute bestreiten die im Vergleich zum Pkw geringere Sicherheit nicht, verweisen jedoch auf ein anderes Argument: Ein pendelnder 16jähriger müsste ohne Leichtkraftfahrzeuge auf ein Zweirad ausweichen, welches eine nochmals viel geringere Sicherheit vorweisen könne.

ADAC-Experte Hubert Paulus: „Untersuchungen darüber, welche dieser Fahrzeuge das höhere Verletzungsrisiko haben, gibt es nicht.“ Leichte Vorteile könne man dem Leichtkraftfahrzeug zum Beispiel bei der Beleuchtung einräumen.

Scheinwerfer von Motorrädern strahlen gemäß Paulus „nach unten“, moderne Leichtkraftfahrzeuge hätten zumindest teils die Option des Tagfahrlichts, das auf den Entgegenkommenden ausgerichtet ist.

Ein Auto mit nur zwei Rädern

Wie der Twizy von Renault sind die meisten Leichtkraftfahrzeuge in Deutschland eine bunte Mischung. Einen ganz anderen Weg geht die Firma Ellenator. Sie glaubt mit ihrem Umbau den Stein der Weisen gefunden zu haben.

Und das geht so: Man nehme einen gebrauchten VW Polo oder eines seiner Derivate wie Seat Leon oder Skoda Fabia. Nun werden die beiden Hinterräder so eng zusammen gebaut, dass sie rechtlich als eines gelten.

Das hat mehrere Vorteile: Rechtlich gesehen ist der VW Polo nun kein Leichtkraftfahrzeug mehr, sondern mutiert – Achtung! – sogar zum Leichtkraftrad. Vier tatsächlich vorhandene Räder verwandeln sich so rechtlich zu zweien. Der Motor wird auf 20 PS gedrosselt, trotzdem ist der Ellenator mit 90 km/h Höchstgeschwindigkeit kein rollendes Verkehrshindernis mehr. Fahren darf, wer vor 2013 einen Führerschein der Klassen 1b, 3 und B erworben hat oder seit 2013 den Führerschein A1 besitzt.

Sicherheitstechnik bleibt unverändert

Das Ergebnis des Umbaus mag auf den Betrachter zwar vor allem von hinten befremdlich wirken, aber die Vorteile des Konzepts sind klar: Alle Sicherheitsfeatures wie Airbags, ABS oder ESP bleiben voll erhalten. Hat das Basisfahrzeug eine Klimaanlage, funktioniert diese auch nach dem Umbau. Im Vergleich zum Renault Twizy, für den nicht einmal eine Heizung lieferbar ist, ist das ein klares Plus.

Umgebaut werden diverse Autos, die maximal vier Jahre alt sind. Die Preise hierfür starten ab 10.490 Euro, wer ein geeignetes Basisfahrzeug bereits hat, zahlt rund 5.000 Euro für den Umbau.

Hubert Paulus vom ADAC empfiehlt den Weg der Ausnahmegenehmigung – sie steht immerhin ab 17 Jahren offen: „Nach wie vor gibt es die Möglichkeit, den normalen Führerschein mit 17 zu machen. Dazu muss ein Antrag gestellt werden, der eine Begründung sowie eine medizinische Untersuchung enthält.“ Damit darf auch ein 17jähriger aus ländlicher Gegend seine Pendelfahrten, beispielsweise zur Ausbildungsstätte, durchführen.

Fahrt frei: Autos, die bereits für 16jährige zugelassen sind, zeigt die Bildergalerie.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund