Verrückte Serienautos

Verrückte Serienautos

Die Serientäter

Manchmal schien eine Idee so gut zu sein, dass sie es bis in die Serienfertigung geschafft hat. Allein: Nicht immer goutierten die Kunden diese Idee…

17. Februar 2014

Ein typischer Fall für ein eher verhaltenes Käuferinteresse war der Bond Bug von 1970. Ja, ihm fehlte da etwas zu einem richtigen Auto, aber das hatte seinen Grund. 1921 führte die britische Regierung Steuererleichterungen für Fahrzeuge ein, die zwei Kriterien erfüllten: Weniger als rund 400 Kilo wiegen – und nur drei Räder haben.

Die grundsätzlich allem Skurrilen aufgeschlossenen Briten machten sich sogleich an die Fahrzeugproduktion. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Von diesen Firmen existiert heute keine mehr, und der futuristische Bond Bug war so etwas wie das letzte Aufbäumen der Dreiräder für Erwachsene. 2.268 Exemplare wurden gebaut, wie viele davon nicht umgekippt sind, ist nicht bekannt.

 

 
 

Die Mutter aller überflüssigen Geländewagen

Am anderen Ende der Größenverhältnisse steht ein Exemplar aus Italien, das die Sportwagenbauer von Lamborghini erschufen. Noch bevor SUVs schwer in Mode gekommen waren, konstruierten die Italiener einen Klotz, der eigentlich von der US-Armee gekauft werden sollte. Das misslang aufgrund fehlender Qualitäten des Wagens gründlich – was die Ingenieure aber nicht davon abhielt, den Wagen fertig zu entwickeln. Oder jedenfalls so weit, dass man ihn verkaufen konnte.

Das LM002 genannte Monster verfügt über einen 12-Zylinder mit 455 PS und hat – theoretisch – die Fähigkeit, über 200 km/h schnell zu sein. Aufgrund der Geländereifen ist das jedoch ein sehr spezielles Vergnügen, für das ein gewisses Desinteresse am eigenen Wohlbefinden fast schon unerlässlich ist.

301 Exemplare entstanden, dann verschwand das leer 2.700 Kilo wiegende und zwischen 25 und 50 (!) Liter verbrauchende Stück aus den Preislisten.

Ein Kleinstwagen mit Panzergenen

Wenn man erfolgreich Kleinmotoren baut und diese mitsamt den Motorsägen und Mofas darum vertreibt, kann man auf die Idee kommen, auch in die Fahrzeugproduktion einzusteigen. Aber nicht irgendein Auto, nein, etwas ganz Besonderes muss es schon sein. Und so ist der Solo 750 denn auch einzigartig: Ein winziges Auto mit sechs ständig angetriebenen Rädern, das auch noch schwimmen kann.

Die verrückte Idee kam nicht sonderlich gut an. Vielleicht lag es an der mageren Leistung von nur 20 PS oder daran, dass Kenntnisse im Panzerfahren bei der Bedienung des Solo hilfreich gewesen wären – steuern tat man dadurch, dass man jeweils eine der beiden Seiten abbremste und sich das Fahrzeug drehte – jedenfalls war nach knapp 100 Exemplaren Schluss.

Verrückt mögen sie ja sein, diese Fahrzeuge. Aber gerade dadurch die bunten Flecken, die das Hobby Auto so abwechslungsreich machen. Weitere Beispiele finden Sie in der Bildergalerie.

Text: SH | Bildmaterial: SH