Mängel an vielen Teilen

Gebrauchtwagen, die Sie besser nicht kaufen

TÜV-Report 2015: Die Schlechten

Gruselkabinett: Hier sehen Sie die schlechtesten Gebrauchtwagen, die es zurzeit zu kaufen gibt. Der TÜV hat seine HU-Statistik der vergangenen zwölf Monate ausgewertet und diese Schrott-Liste aller Autos mit den meisten Mängeln vorgelegt. Von denen unbedingt die Hände lassen!

10. November 2014

Der jährliche TÜV-Report ist für viele Gebrauchtwagenkäufer so etwas wie der Leuchtturm für den Kapitän: Wichtigste Landmarke vor der Einfahrt in den (sicheren) Hafen. Doch mindestens ebenso wichtig: Die Gefahren-Tonnen (bei der Schifffahrt) – sie zeigen an, wo der Kurs NICHT entlangführen sollte.

Und genau dem entspricht die jährliche Schrott-Liste des TÜV: Sie zeigt nicht nur die guten, sondern auch alle schlechten Autos, an denen jeder Straßen-Kapitän unweigerlich Schiffbruch erleiden würde.

Es sind viele alte Bekannte der letzten Jahre, die auch im TÜV-Report 2015 das Gesamtergebnis kräftig herunterziehen. Daran sind mehrere Dinge schmerzhaft. 

 
 

 

Kleinwagen sind die Schlechtesten

Das größte Ärgernis: Die Kleinen sind die Verlierer. Das sind schlechte Nachrichten vor allem für Geringverdiener, die aus finanziellen Gründen auf billige Kleinwagen zurückgreifen. Und dabei oft zusätzlich angemeiert werden.

Denn auf den letzten elf Positionen des TÜV-Reports in der Kategorie 2- bis 3-jährige Autos finden sich nicht weniger als acht Kleinwagen. Wer eine solche fahrende Mängelliste erwirbt, sieht sich schnell mit erheblichen Mehrkosten aufgrund von Reparaturbedarf konfrontiert.

Musterbeispiel für miserable Qualität

Zweitens scheint es so zu sein, dass manche Autohersteller die schlechte Platzierung schulterzuckend entgegennehmen. Anders kann man es kaum erklären, dass der schlechteste Gebrauchtwagen Deutschlands, der Dacia Logan, dort erneut ein Stammgast ist.

Zur Erinnerung: Dacia wollte Autos mit einfacher Technik zu geringen Preisen anbieten. Dazu griff man auf Technik aus dem Konzernregal der Mutter Renault zurück. Diese sei nicht nur günstig, sondern ausgereift, meint Dacia. Diese ist anfällig, sagen seit Jahren der TÜV und auch andere Prüforganisationen.

Vor allem ist der Dacia ein Musterbeispiel für schlechte Verarbeitungsqualität. Sogar der Lack ist schon nach wenigen Jahren desolat.

Der schlechteste Mercedes

Und es geht noch weiter, denn auch die Zitrone in der Kategorie schlechtester SUV bei den 2- bis 3-jährigen geht an Dacia, es trifft das Modell Duster. Allerdings ist der Duster nicht der schlechteste SUV überhaupt. Diese zweifelhafte Ehre gebührt der ersten Mercedes M-Klasse.

Sie hat bei den 10- und 11-jährigen eine Mängelquote von 44,8 Prozent. Das waren die ersten Jahrgänge, die in einem neuen Werk in den USA produziert wurden. Sie wurden aber scheinbar nicht viel besser. Ihre schlechte Qualität ist legendär.

Mit anderen Worten: Nur jedes zweite dieser Mercedes-SUV schafft die Hauptuntersuchung im ersten Anlauf. Die M-Klasse ist damit das Schlusslicht unter allen vom TÜV geprüften Wagen.

Ältere Autos oft schlechter gepflegt

Doch sollte man nicht vergessen, dass auch der Fahrer eines Autos erheblichen Einfluss auf die bestandene Prüfung hat. Der häufigste Mangel bei der Hauptuntersuchung ist und bleibt die funktionsunfähige Beleuchtung.

Das überrascht auch Johannes Näumann vom VD TÜV immer wieder: „Das A und O eines Autos ist die Wartung. Kleinere Dinge wie eine funktionstüchtige Beleuchtung, die Profiltiefe der Reifen oder aber das Ablaufdatum des Verbandskastens kann jeder technische Laie kontrollieren und im Zweifel vor der Hauptuntersuchung in Ordnung bringen lassen“.

Laut Näumann nimmt allerdings bei den Fahrzeugbesitzern die Bereitschaft zur Wagenpflege mit zunehmendem Alter des Fahrzeuges ab.

Zumeist Defekte an Licht, Bremsen, Fahrwerk

Dementsprechend häufiger werden Mängel, die nichts mit der Konstruktion des Fahrzeuges an sich zu tun haben. Ausnahmen bestätigen hierbei die Regel: Das gute Abschneiden des Porsche 911 sei auch auf die ausgeprägte Pflegementalität der Besitzer zurückzuführen, so dass auch ältere Jahrgänge des Sportwagens meist problemlos durch die Prüfung kommen.

Nach der Beleuchtung auf Platz 1 der häufigsten Mängel sind weiteren Baugruppen in etwa gleich oft vorhanden. Es handelt sich hierbei um die Bremsen, das Fahrwerk sowie die Umweltfreundlichkeit. Während man als technischer Laie bei Fahrwerk oder den Bremsen kaum etwas kontrollieren kann, verbirgt sich hinter dem Begriff der „Umwelt“ meistens Ölverlust an Motor und Getriebe.

Ein Blick unter den Wagen kann hier vor der Prüfung klären, ob die Vorstellung beim TÜV überhaupt Sinn macht. Sind Motor und Getriebe ölverschmiert, steht vor der Fahrt zum TÜV auf jeden Fall ein Werkstattbesuch an.

Überblick der größten Schrottkisten

Die Rekordhalter der jeweiligen Alterklassen im Überblick:

  • 2- und 3-jährige: Dacia Logan (Vorjahr: Dacia Logan)
  • 4- und 5-jährige: Fiat Doblo (Vorjahr: Dacia Logan)
  • 6- und 7-jährige: Renault Laguna (Vorjahr: Chrysler PT Cruiser)
  • 8- und 9-jährige: Mercedes M-Klasse (Vorjahr: Mercedes M-Klasse)
  • 10- und 11-jährige: Mercedes M-Klasse (Vorjahr: Chrysler PT Cruiser)

Aufgeschlüsselt nach Klassen bei den 2- bis 3-jährigen:

  • Kleinwagen: Dacia Logan
  • Kompaktwagen: Alfa Romeo Giulietta
  • Mittelklasse: Ford Mondeo
  • Vans: Citroen Berlingo
  • SUV: Dacia Duster

Liste der schlechten Gebrauchtwagen

Mehr Informationen über die schlechtesten Gebrauchtwagen finden Sie in der Bildergalerie.

Text: Portal-Manufaktur / Stephan Hellmund | Bildmaterial: Mercedes-Benz, GTÜ