Der perfekte Limousinenlenker

Was ein Rolls-Royce-Chauffeur können muss

Spazierenfahren, Sir?

Der Name sagt schon alles: „White-Gloves-Training“ nennt sich die Ausbildung zum zertifizierten Rolls-Royce-Chauffeur, zu deutsch „Weiße-Handschuhe-Training“. Hier geht es um buchstäblich zuvorkommende Aufmerksamkeit. Andy McCann zeigt, was das bedeutet.

13. August 2014

Um einen Rolls-Royce artgerecht zu bewegen, bedarf es mehr als am riesigen Lenkrad zu drehen. Der Chauffeur muss ein jederzeit aufmerksamer Begleiter sein. Die Ausbildung zum zertifizierten Luxuslimousinen-Lenker dauert einen Tag. Nur sechs Teilnehmer zugleich dürfen teilnehmen, damit ihr Ausbilder für jeden genügend Zeit und Aufmerksamkeit hat.

Zuerst lernen die Kandidaten, was unter zuvorkommender Dienstleistung zu verstehen ist: „Wenn der Chauffeur pünktlich ist, ist er schon zu spät. Er sollte drei Minuten früher parat stehen“, sagt Andy McCann, der die Ausbildung leitet. Das Auftreten muss perfekt sein: Dazu gehört ein makelloser doppelter Windsor-Krawattenknoten. Der Schlipps muss nämlich genau bis zur Mitte des Gürtels reichen. Auch bei der Wahl der Schuhsohlen bleibt nichts dem Zufall überlassen.

Sind die nämlich aus Gummi, holt sich der Chauffeurs-Anwärter gleich die erste Belehrung ab: „Die Schuhsohlen müssen aus dünnem Leder sein. Nur so hat der Fahrer das perfekte Gefühl für Gas und Bremse“, erklärt McCann. Schließlich geht es darum, einfach nur entspannt dahin zu gleiten. Das entspricht den Maximen eines jeden Rolls-Royce. „Effortless“ nennt es McCann, sinngemäß so etwas wie „mühelos“.

 

 
 

 

Den Fahrer hört man nicht

„Früher hieß es, das Lauteste in einem Rolls-Royce ist die Uhr und nicht der Fahrer. Jetzt hört man die Uhren nicht mehr, also sollte die Klimaanlage das Lauteste sein“, erklärt der drahtige Endvierziger. Er muss es wissen. Denn McCann gat den Anspruch, aus guten Chauffeuren die besten zu machen; wie es sich am Steuer eines Rolls-Royce eben gehört.

Um das zu gewährleisten, muss auch die Sitzposition stimmen. Da spielt der Muskel-Tonus ebenso eine Rolle, wie die Position der Arme. Der stattliche Brite weiß, wovon er redet. Immerhin hat er bereits zwei Formel-1-Weltmeister betreut, wenn auch nicht bei Chauffeurstrainings.

Das eigentliche Fahren ist zwar ein wichtiger Bestandteil des Lernstoffs, aber dabei bleibt es natürlich nicht.

Koffer dürfen nie gerollt werden

Denn den Gästen soll eine perfekte Rundum-Betreuung geboten werden. Und das schließt auch ihr Gepäck ein. Dabei ist ein strenges Ritual einzuhalten: Zunächst werden die Koffer verstaut, dann erst die Türen für die Passagiere geöffnet. Das folgt dem Hintergedanken, es Kofferdieben möglichst schwer zu machen.

„Man darf den Taschen nie den Rücken zudrehen“, erläutert Andy McCann eines der wichtigen kleinen Details. Damit ist die Gepäckfürsorge noch längst nicht beendet. Die Taschen werden immer getragen. Ganz gleich, ob sie nun Rollen haben sind oder nicht.

Denn nur so ist sichergestellt, dass die Koffer nicht die Wohnung des Passagiers mit Straßendreck verschmutzen, wenn der Fahrer sie in das Haus transportiert und dort abstellt.

Lieblingsgetränk gehört an Bord

Genauso gewissenhaft, wie er es von seinen Schülern erwartet, bereitet sich Andy McCann auf den Lehrgang vor. In Asien würde man ihn im Anzug für einen PC-Verkäufer halten, also tritt der Ausbilder in dieser Region in einem Polohemd auf. Die Tradition der Chauffeurstrainings geht auf den Firmengründer Henry Royce zurück.

Der Patriarch erkannte bereits 1912, dass gut ausgebildete Chauffeure die Pannenstatistik verbessern, weil sie Autos regelmäßig warten und fachmännisch steuern. Seit einem Jahr hat die britische Edelmarke diese Tradition aufleben lassen. Nicht ganz aus Eigennutz: Denn oftmals reden die Chauffeure ein gewichtiges Wort mit, wenn es um die Anschaffung eines neuen Automobils geht.

Viele der Kurse finden in Asien und vor allem in China statt. Die meisten der Schüler sind ehemalige Taxifahrer. Die hören genau hin, wenn Andy McCann über die richtige Wahl der Schuhsohle doziert.

Wie man richtig aussteigen lässt

Schreitet der Chauffeur um den Rolls-Royce herum, so geschieht das immer entlang des Hecks, nie vorne. „Aus Respekt vor der Spirit-of-Ecstasy-Statue auf der Motorhaube“, erklärt der Ausbilder. Eine andere Regel: Beim Parken sind die Vorderräder immer gerade.

Die Reihenfolge des Einsteigens und die Sitzplätze sind ebenfalls genau definiert. Natürlich wird erst der Dame die Tür geöffnet, ehe der Herr den Innenraum entert. Der sitzt immer quer hinter dem Chauffeur. Auch das Verhalten während der Fahrt unterliegt einem strengen Ritual. Beginnt der Gast nicht innerhalb von einer Minute ein Gespräch, nachdem er seine Mails gecheckt hat, dreht der Fahrer den Rückspiegel nach oben. Damit ist die Privatsphäre des Passagiers gewährleistet.

Um die Fahrgäste unterwegs nicht durch unnötige Geräusche zu stören, wird der Blinkerhebel bei Richtungswechseln nur einmal angetippt. Ebenso selbstverständlich ist es, dass sich der Chauffeur über seine Gäste informiert. Also wird die Klimaanlage selbstredend nach den Wünschen des Passagiers eingestellt und das Lieblingsgetränk ist in ausreichenden Mengen an Bord.

Paparazzi lässt der Chauffeur keine Chance

Das Aussteigenlassen muss ebenfalls geübt werden. Denn ein Rolls-Royce- Chauffeur hat aus gutem Grund auch bei Sonnenschein immer einen Regenschirm parat. So kann er die Gäste vor unliebsamen Blicken schützen, wenn sie das Fahrzeug verlassen.

Die beiden gegenläufigen Türen erledigen den Rest. Wie gut das ausgeklügelte Sichtschutz-Prinzip funktioniert, konnte Andy McCann beweisen, als er einen weiblichen Hollywoodstar aus dem Rolls- Royce geleitete, ohne dass den Paparazzi ein Schnappschuss gelang.

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Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll | Bildmaterial: Rolls-Royce