Autotechnik, die die Welt nicht braucht

Legendäre Technik-Pannen der Konstrukteure

Denkfehler in Großserie

Was wäre die Welt ohne unsere kleinen und großen Fehler? Langweilig. Das mobile.de Magazin hat die legendärsten Fehlkonstruktionen der Automobilgeschichte auflistet. Nicht zur Nachahmung empfohlen.

Jetzt heißt es, ganz stark zu sein. Stellen Sie sich vor, Sie seien Autohersteller, und würden 6.700.500 Dollar Verlust machen – und zwar mit jedem einzelnen Fahrzeug, welches Sie verkaufen. Das sind umgerechnet rund fünf Millionen Euro pro Stück. Unglaublich, aber vermutlich nahe an der Wahrheit: So viel verliert Bugatti nämlich laut den Schätzungen der US-Wirtschafts-Experten von Bernstein Research mit jedem einzelnen Bugatti Veyron, obwohl dessen Verkaufspreis "nur" bei rund einer Million Euro liegt. Wie kann das sein?

 

 
 

 

Millionenverlust mit jedem Auto

Der Hintergrund ist, dass die Entwicklungskosten des 1.001 PS-starken Sportwagens jedes vernünftige Maß verloren hatten. Die Mutter Volkswagen legte sich bei der Wiederbelebung der französischen Edelmarke sehr schnell auf eine Grundform des 400 km/h-Geschosses fest (siehe Bildergalerie). Das Problem dabei: Diese Form sorgt für starken Auftrieb, was man bei derartigen Fahrleistungen unbedingt verhindern muss. Und in diese Verhinderung floss eine nicht genauer bezifferte, aber unverhältnismäßig hohe Summe.

Gute Idee. Aber das war es dann auch

Nicht immer sind Fehlkonstruktionen so einfach zu erkennen. Vor allem dann nicht, wenn die Grundidee bis heute überzeugt. Das ist der Fall beim Wankelmotor. Bei herkömmlichen Motoren – auch Hubkolbenmotoren genannt – bewegt sich ein Kolben im Motorblock auf und ab. Mit anderen Worten: Er muss bei jeder einzelnen Umdrehung abgebremst und wieder beschleunigt werden. Und das folglich mindestens 1.000mal pro Minute.

Motorschäden ohne Ende

Das ist beim Wankel anders: Hier rotieren die Kolben im Motorblock. Allerdings rotierten auch einige NSU-Fahrer, die 1958 einen damit ausgerüsteten Sport Prinz kauften. Wankelmotoren hatten ernste Probleme, deren geringste die mangelhafte Abdichtung und der horrende Spritverbrauch waren. Wie bei der Prestigelimousine Ro 80 von 1967 gehörten dementsprechend Motorschäden zur Tagesordnung. Es hielt sich lange das Gerücht, dass sich Ro 80 Fahrer mit abgespreizten Fingern einer Hand grüßten – je Finger ein Ersatzmotor. Die technische Innovation wurde sehr gelobt, aber was nützte das NSU? Die Kosten für Austauschmotoren im Rahmen der Garantie gruben dem Unternehmen das Grab.

Auch Kleinigkeiten nerven im Alltag

Nicht immer müssen es kapitale Motorschäden oder explodierende Entwicklungskosten sein, die eine Erfindung zur Fehlkonstruktion machen. Auch Mercedes – Mitte der 70er-Jahre der Hort deutscher Automobilbauqualität – hatte so seine Schrullen. Dazu gehörte die besondere Form der Handbremse, die Mercedes seinen Kunden über Jahrzehnte anbot. Korrekt heißt sie bei Mercedes "Feststellbremse" und besteht aus einem Pedal im Fußraum, über welche die Bremse per Fußtritt arretiert wird. Über einen Zugknopf am Armaturenbrett löst sie sich wieder – und schleudert eventuell vorhandenen Schmutz direkt auf das Hosenbein des Fahrers! Darüber hinaus ist das Anfahren gegen den Berg – Hauptanwendungsfall für die Feststellbremse – in dieser Variante nur recht geübten Fahrern möglich. Egal; Mercedes hielt bis zur Jahrtausendwende an dem Konstruktionsfehler fest.

Rostschutz? Wozu denn?

Das war bei Mercedes sicher nicht so gewollt. Wobei man den Konstrukteuren des Alfa Romeo Alfasud (1972 bis 1983) fast schon einen raffinierten Plan unterstellen muss. Das knackig zu fahrende, sehr kompakte Auto hätte über die Landesgrenzen hinaus ein Bestseller werden können. Doch den Alfa-Ingenieuren gelang es, in der Karosserie an den unmöglichsten Stellen zahllose Hohlräume zu verstecken, die darüber hinaus auch noch komplett ohne Korrosionsschutz die Fabrik verließ. Das Teufelswerk ging auf: Ein rostfreies Exemplar zu finden ist heute fast unmöglich.

Hier überzeugt nicht mal die Idee

Die Geschichte des Schwimmautos ist ein einziges Drama. Sie endet immer gleich: Der Hersteller geht pleite. Der bekannteste Vertreter ist das Amphicar (1960 bis 1963). Das schmucke Auto sollte die problemlose Anreise zum Gewässer und darüber hinaus gewährleisten. Da es jedoch weder auf der Straße noch auf dem Wasser mehr als durchschnittliche – meist weniger – Qualitäten aufweisen konnte, kam nach drei Jahren Bauzeit schon das Aus.

Die schönsten Fehlleistungen der Automobilkonstrukteure haben wir in unserer Bildergalerie für Sie zusammengestellt.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund