So bleiben Strassen viel laenger stabil

Formel für Wunder-Asphalt entdeckt

Bald repariert sich die Straße selbst

Deutschland Straßen mutieren zunehmend zu einer Kraterlandschaft. Die Ausbesserungs-Flickschusterei bringt nur bedingt Erfolg. Also müssen neue Wege her, den Asphalt haltbarer zu machen.

Es rumpelt, es poltert, es bröselt: Deutschlands Straßen sind erkennbar im Eimer. "Die Schäden sind eine Folge von unterlassener Instandsetzung", erklärt Bernd Hinrichs vom deutschen Asphaltverband. Im Grunde ist es bei den Verkehrswegen genauso, wie bei einem Auto, wer die Inspektionen nicht regelmäßig durchführt, muss sich nicht wundern, wenn das Fahrzeug liegenbleibt. Ein banaler Instandhaltungsstau.

 

 
 

Auch viele Brücken betroffen

Der materielle Schaden ist jedoch alles andere als banal: Um die Straßen wieder in vernünftigen Zustand zu bringen, muss viel Geld aufgewendet werden. Die Bundesregierung hat im diesjährigen Haushalt fünf Milliarden Euro vorgesehen. Doch der ehemalige Verkehrsminister Sachsen-Anhalts Karl-Heinz Daehre geht gegenüber der "Wirtschaftswoche" sogar von 100 Milliarden Euro aus, die insgesamt in den nächsten 15 Jahren nötig sind. Zum Glück ist Hilfe in Sicht: Experten arbeiten am Asphalt der Zukunft – und der ist nicht nur härter, sondern auch extrem haltbar!

Neue Asphaltmischungen nötig

Beim Chemiekonzern BASF zum Beispiel sucht man nach Möglichkeiten, Beton und damit die Brücken stabiler zu machen. Denn diese Straßenabschnitte sind vor allem durch eindringende Feuchtigkeit bedroht. Damit das vernichtende Wasser außen vor bleibt, kann Beton versiegelt werden. Vielversprechend sind auch neue, flexible Betonmischungen, die nicht so schnell aufreißen. Aber auch wenn der Schaden bereits angerichtet ist, lässt sich mit modernen Methoden noch einiges ausbessern. Je nach Betonsorte wird der passende Mörtel angerührt: Bei Rissen kommen Beton-, Kunstharz-, Polyurethane (also Kunststoffe oder Kunstharze) oder acrylbasierte Materialien zum Einsatz, die direkt in die Problemzone injiziert werden.

Risse schließen sich von selbst

Um das Übel bei der Wurzel zu packen und eine durchgreifende Änderung der Zustände zu erreichen, besteht Bedarf nach Zusätzen im Asphalt. Die Industrie tüftelt bereits an neuen Mischungen. "Selbstheilende" Beton- und Asphaltsorten sollen Deutschland Straßen nicht nur widerstandsfähiger machen, sondern auch die Folgeschäden durch Frost verringern. Der Schlüssel zu dieser Wunderheilung sind bestimmte Bakterien. Sobald Wasser durch Risse oder andere Beschädigungen in die Poren eindringt und mit den Mikroben in Berührung kommt, legen die geisterhaften Mikroben los und produzieren Calciumcarbonat, ein festes weißes Mineral, das die Löcher nach außen abschließt.

Die richtige Mischung macht es

Die richtige Mischung für haltbaren Asphalt zu finden, ist allerdings eine Wissenschaft für sich. Die Deckschicht ist der Belag, über den der Verkehr hinwegrollt, darunter lagern die Binde- und die Tragschicht. Alle drei Bauteile entfalten erst im Zusammenspiel die perfekte Wirkung. Neben den offensichtlichen Belastungen durch Reifens muss die Straße auch Schwingungen ertragen. Bei der Deckschicht ist Verschleißfestigkeit wichtig, die Tragschicht, also der Unterbau sollte möglichst dick sein. Dann spielt natürlich auch das Material eine Rolle. Ist die Körnung des Asphaltmischgutes zu fein, ist er nicht standfest, grobe Körner sind nicht flexibel genug. Also ist die goldene Mitte meist die beste Lösung. Die größtmögliche Witterungsbeständigkeit erreichen die Techniker durch frostbeständige Gesteinskörnungen, ausreichend dicke Bindemittelfilme, das sogenannte Bitumen und einen niedrigen Hohlraumgehalt. Wenn der Asphalt aber wenig und kleine Poren hat, kann Regenwasser nicht so leicht abfließen. Auch das Abrollgeräusch der Reifen wird nicht so leicht geschluckt.

Heizmatten im Straßenbelag

Eine andere Variante des selbstheilenden Asphalts haben die Wissenschaftler der niederländischen TU Delft entdeckt. Sie setzen auf Stahlfasern, die sich in dem Bitumen beziehungsweise dem Asphalt befinden. Ist der Straßenbelag lädiert, kann man diese Fasern mit Hilfe eines Spezial-Fahrzeugs, das darüber hinwegrollt mittels eines Magnetfelds aufheizen. Ähnlich wie das eine Induktionsplatte auf dem heimischen Herd tut. Dadurch erhitzt das wärmeleitende Metall das umgebende Material, dieses fließt in die entstandenen Hohlräume und verschließt so das Loch wieder. Unter Laborbedienungen funktionierte diese Idee bereits. Auf einem 400 Meter langen Teilabschnitt der niederländischen A58 wurde die neue Asphaltmischung im Alltag getestet. Die Ergebnisse sind vielversprechend: "Wenn wir alle vier Jahre mit der Induktionsmaschine über die Straße rollen und den Asphalt erwärmen, können wir so die Lebensdauer der Oberflächen verdoppeln", sagt Professor Erik Schlangen, der an der niederländischen TU Delft Materialforschung lehrt.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll