TÜV-Report 2014

TÜV-Report 2014

Deutsche Hersteller vorn

Mehr erhebliche Mängel, mehr Plaketten im ersten Anlauf: Der neue Mängelbaum und seine Folgen für die Hauptuntersuchung.

5. Dezember 2013

EM – vor diesem Kürzel zittern Millionen Autofahrer in Deutschland. EM steht für „Erhebliche Mängel“ und ist der kleine Bruder von „VU“ (verkehrsunsicher). Beides sorgt für berechtigte Probleme bei der Hauptuntersuchung (HU). Beziehungsweise danach. Denn mit erheblichen Mängeln gibt es keine amtliche Plakette. Und das heißt: Nicht sorglos vom Hof fahren nach dem Pflichttermin bei TÜV, Dekra, KÜS und Co., sondern: Nachuntersuchung. Also noch einmal antreten – mit behobenen Mängeln (spätestens vier Wochen später). Noch einmal Geld abdrücken (rund zehn Euro – plus Reparatur). Und wenn es schlecht läuft: Noch einmal zittern, falls kein Fachmann dran war.

 

 
 

Alle Zwei Jahre wieder

Vier Mängelklassen kennt der TÜV. Nur zwei davon hinterlassen zufriedene Gesichter auf beiden Seiten der Plakette: „OM“ steht für „Ohne Mängel“, bedeutet: Klebesiegel erteilt, ohne wenn und aber. „GM“ steht für „Geringe Mängel“. Bedeutet: Es gibt ein paar kleinere Beanstandungen, die behoben werden wollen. In der Regel gibt es aber trotzdem die begehrte Plakette. 2014 wird stylisches Braun geklebt. Und das sagt aus: 2016 sehen wir uns wieder.

Alle 24 Monate müssen Autos zum TÜV. Neuwagen haben zwölf Monate mehr Zeit bis zum ersten Rendezvous mit den Prüfhäuptlingen, danach gilt auch für sie die Zwei-Jahres-Frist. Einmal im Jahr zieht der TÜV Bilanz, was ihm alles auf den Hebebühnen begegnete. Und das Fazit des TÜV-Reports 2014 macht auf den ersten Blick nicht gerade Mut: Jedes vierte der fast acht Millionen untersuchten Fahrzeuge (Zeitraum: Juli 2012 bis Juni 2013) weist demnach erhebliche Mängel auf, hat auf den Straßen also nichts verloren.

Verschiebung der Mängelklassen

24,9 Prozent – das sind deutlich mehr „Durchfaller“ als 2013 (20 Prozent). Dennoch gibt Hartmut Müller-Gerbes, Chefredakteur des TÜV-Reports 2014, Entwarnung: „Die Autos auf deutschen Straßen sind nicht innerhalb von einem Jahr so viel schlechter geworden. Aber mit Einführung des sogenannten Mängelbaums im vergangenen Jahr hat sich das Bewertungsschema verschoben – in beide Richtungen.“

Soll heißen: Aus der Kategorie „geringe Mängel“ sind diverse Punkte in die Kategorie „erhebliche Mängel“ gewandert. Beim Thema Licht zum Beispiel sind jetzt auch zu tief eingestellte Scheinwerfer ein „EM“. Früher galt das nur für zu hoch eingestelltes Licht. Der Schritt leuchtet ein: „Derjenige, der blendet, ist eine Gefahr für andere“, sagt Müller-Gerbes, „und derjenige, der zu wenig sieht, ist eine Gefahr auch für sich selbst.“

Im Gegenzug wurde aus der Mängelklasse „GM“ (geringe Mängel) oft auch „OM“ (ohne Mängel). Sechs von zehn Autos haben dadurch auf Anhieb eine neue Plakette bekommen, ein Plus von zehn Prozent.

Deutschland und Japan liegen vorn

Die „Top Ten“ sind in allen Altersklassen des HU-Rankings klar aufgeteilt: Deutschland und Japan führen die Nationenwertung an – das gilt für die zwei bis drei Jahre alten Autos, die erstmals zur Hauptuntersuchung erscheinen, ebenso wie für die 10- und 11-Jährigen, die zum fünften Mal antreten.

Immer in den Top 10, über alle Altersklassen hinweg: Porsche mit dem 911 – übersichtliche Kilometerleistung hin oder her. Ganz vorn dabei auch: Toyota. Die Japaner haben 15 Autos in den Top 10 der insgesamt fünf Altersklassen. Bei den 10- und 11-Jährigen liegen sie mit RAV4, Corolla und Yaris auf den Plätzen zwei, drei und vier – hinter Altmeister 911.

Auch am unteren Ende dominieren einzelne Nationen: Rumänien (Dacia), Italien (Fiat) und Frankreich (Citroën, Renault) tauchen überproportional oft auf den hinteren Plätzen auf. Jeder fünfte Dacia Logan rasselt durch die erste Hauptuntersuchung, mehr als jeder vierte scheitert (auch) nach vier oder fünf Jahren. Geiz ist geil? Nicht bei Autos.

Noch so ein HU-Schreck ist der Chrysler PT Cruiser, der immerhin Konstanz beweist: Schon im TÜV-Report 2013 führte der Retro-Ami die Mängelliste bei den 6- und 7- sowie den 10- und 11-Jährigen an. Während in diesen Altersklassen im Durchschnitt immerhin 64,8 bzw. 48,9 Prozent der Autos ohne Mängel durch die HU fahren, gelingt das nur 47,9 bzw. 39,5 Prozent der PT Cruiser. Auspuffanlage und Korrosionsschutz sind okay, ansonsten kommen die Prüfer mit dem Mängel ankreuzen – Achsaufhängung, Lenkung, Beleuchtung, Bremsen – kaum hinterher.

Mängelriese M-Klasse

Viel Arbeit erwartet die TÜV-Prüfer, fährt die erste Generation der M-Klasse auf die Hebebühne. Mit einer EM-Quote von 42,7 Prozent entpuppt sich das Nobel-SUV aus dem US-Werk Tuscaloosa als echtes Debakel für Mercedes-Benz: Platz eins bei den 8- bis 9-jährigen Flops!

Selbst der für seine Unzulänglichkeiten berüchtigte Fiat Stilo schlägt sich wackerer. Bei einer durchschnittlichen Laufleistung von 112.000 km (M-Klasse: 139.000 km) scheitern 41,2 Prozent der Prüflinge kläglich bei ihrem vierten turnusmäßigen HU-Auftritt. In Schlagdistanz mit 40,3 Prozent: der PT Cruiser. Durchschnitt in dieser Altersklasse: 28,8 Prozent.

Auch der neue Fiat Panda bekleckert sich nicht mit Ruhm: Bei einer durchschnittlichen Laufleistung von 31.000 km leisten sich 17,1 Prozent aller TÜV-Debütanten erhebliche Mängel. Macht Platz 128 von 129 bei den Zwei- bis Dreijährigen. Kaum besser als Problembär Panda und Wiederholungstäter Logan: Citroën C4 (16,6%) und Chevrolet Matiz (16,1%). EM-Durchschnitt in dieser Altersklasse: 9,1 Prozent.

Fehlerfreier Auftritt des BMW Z4

Das krasse Gegenteil: der BMW Z4. 92,6 Prozent aller Roadster absolvieren ihr HU-Debüt ohne Mängel – bei einer durchschnittlichen Laufleistung von 32.000 km. Durchschnitt in dieser Altersklasse: 84,2 Prozent und 45.000 km. Bester Mercedes im TÜV-Ranking ist der GLK (Rang 7 bei den 2- bis 3-Jährigen). Das einst kleinste SUV der Schwaben liegt mit einer EM-Quote von 5,6 vor E-Klasse (6,4/Rang 16) und C-Klasse (6,5/Rang 19) – und bei deutlich höherer Laufleistung (im Schnitt 52.000 km) nur knapp hinter dem Z4 (EM-Quote 5,5).

Deutschlands Vorzeige-Neuwagen kommt von Opel! Mängelzwerg Nummer eins im alljährlichen TÜV-Report ist der Minivan Meriva. Damit liegt wie im Vorjahr (VW Polo) ein deutsches Modell ganz vorn. Nur 4,2 Prozent aller zwei- und dreijährigen Opel Meriva weisen bei der ersten Hauptuntersuchung erhebliche Mängel auf. Auf Platz zwei in dieser Altersklasse folgt der Mazda2 mit einer „EM“-Quote von 4,6%. Rang drei ergattert der Toyota iQ (4,8%).

Weitere Infos zu den Top 10 und Flop 10 in der Bildergalerie.

Text: rb/fayvels büro