mobile.de: Topseller 2012/2013

Topseller 2012/2013

Die Überflieger des Jahres

Der deutsche Automarkt schwächelt, aber einzelne Modelle geben richtig Gas.

31. Januar 2013

Mit breitem Grinsen schauen die deutschen Autokonzerne auf ihre Absatzzahlen 2012: 1,42 Millionen Fahrzeuge meldet Mercedes-Benz Cars (plus 4,5 Prozent inklusive Smart und Maybach) – neuer Rekord. 1,85 Millionen Autos zählt die BMW Group (plus 10,6 Prozent inklusive Mini und Rolls-Royce) – auch hier: neue Bestmarke.

Gleiches bei VW: Das Wolfsburger Auto-Imperium von Audi bis Volkswagen Nutzfahrzeuge lieferte 2012 erstmals mehr als neun Millionen Autos aus (9,07 Mio.), ein Plus von 11,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Außerordentlich erfolgreich“ verlief das vergangene Jahr in fast allen Verkaufsregionen– nur Europa und damit auch der deutsche Markt rangiert bei den meisten Autobauern unter „ferner liefen“ bis „abhaken und weiter“, Hyundai mal ausgenommen. Die Koreaner, weltweit die Nummer fünf, verkauften hierzulande erstmals mehr als 100.000 Neuwagen und feiern ein Wachstum von 16,1 Prozent.

 

 
 

Weniger, aber sauberer

3.082.504 Neuzulassungen verzeichnete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) von Anfang Januar bis Ende Dezember 2012. Das sind 2,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Trösten mag den ein oder anderen die verbesserte Umweltbilanz: Der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller Neuwagen sank auf 141,8 g/km (2011: 146,1). Immerhin etwas.

Sauber und sparsam, das kommt an. 21.438 Käufer entschieden sich 2012 für einen Hybridantrieb, ein Plus von 69,8 Prozent. 2013 dürfte es weiter bergauf gehen mit den Verbrenner-/Elektro-Doppelantrieben: VW bringt unter anderem den drehmomentstarken Hybrid im Jetta-/Golf-Gewand. Noch ordert zwar fast jeder zweite deutsche Autokäufer einen sparsamen Selbstzünder (48,5 Prozent). Aber ob es dabei bleibt?

Minis legen am stärksten zu

Fulminant zulegen konnten die Fahrzeugklassen Minis (plus 20,3 Prozent), kompakte SUV (Geländewagen/plus 17,4 Prozent) und Wohnmobile (plus 10,4 Prozent). Unter die Räder gekommen sind dagegen die Segmente Oberklasse (minus 13,9 Prozent), Kleinwagen (minus 11,2 Prozent) und Mittlere Oberklasse (minus 10,7 Prozent).

Absoluter (prozentualer) Überflieger in den Top 50 der Zulassungsstatistik 2012 ist der VW up! Volkswagens Kleinster bringt es im ersten vollen Verkaufsjahr auf 42.842 Einheiten – ein Plus von sagenhaften 1.003 Prozent. Dieses Jahr dürfte er es allerdings schwerer haben: Mit dem Opel Adam tritt ein echter Verwandlungskünstler gegen VW up!, Mini und Co. an.

Mehr als 61.000 Exterieur- und über 82.000 Interieur-Varianten soll Opels Hoffnungsträger bieten. Europaweit lägen bereits mehr als 20.000 Bestellungen vor, melden die klammen Rüsselsheimer. Mögen die Individualisierungsmöglichkeiten halten, was sie versprechen.

Hoch auf dem kompakten Wagen

Ein echter Outperformer unter den Top 50 ist auch der Audi Q3: 25.741 Erstbesitzer fand der kleine Hochsitz-Audi im ersten vollen Verkaufsjahr. 2011 waren es possierliche 2.931 – macht 778 Prozent Zuwachs. 443,3 Prozent Plus sind es beim Hyundai i40 (8.628 Einheiten). Bestseller der Koreaner bleiben aber der kompakte i30 mit 28.789 Einheiten und das Kompakt-SUV ix35 mit 19.107 Einheiten.

Hoch sitzen – das macht sich fast immer gut. Beispiel Mercedes-Benz: Die Ende 2011 gestartete zweite Generation der B-Klasse konnte die Verkaufszahlen 2012 nahezu verdoppeln (59.420 Einheiten, plus 97,7 Prozent).

Ob dieses Kunststück auch der neuen Mercedes A-Klasse gelingt? 2012 sind die Verkaufszahlen um ein Viertel eingebrochen auf nur noch 31.973 Einheiten. Jetzt geht es für den Einsteiger-Benz ohne Hochsitz und doppelten Boden weiter. Man darf gespannt sein, ob der krasse Kurs- und Generationswechsel den erhofften Erfolg bringt.

2013 geht es weiter bergab

Vielleicht helfen dem Kompakt-Schwaben ja frische Farben. Zwei von drei neuen Autos, die es 2012 zur Zulassungsstelle geschafft haben, rollen zwar nach wie vor in schwarz (29,5 Prozent) oder grau (29,4 Prozent) über die bundesdeutschen Straßen. Trend-Lacktöne wie weiß (plus 17,7 Prozent), gelb (plus 8,2 Prozent) und braun (plus 8,0 Prozent) bringen aber zunehmend Farbe ins Spiel.

Rosig sind die Aussichten allerdings nicht: Dem deutschen Automarkt steht 2013 das zweitschlechteste Jahr seit der Wiedervereinigung bevor, orakelt die Universität Duisburg-Essen. 3,03 Millionen Neuzulassungen, auf mehr sollten sich die Hersteller nicht einstellen, heißt es. Weniger – nämlich 2,92 Millionen – waren es auf dem größten Automarkt der EU bloß 2010, im Jahr nach der Abwrackprämie.

Europa bleibt somit das Sorgenkind der Autobauer. Der europäische Kfz-Gewerbeverband Cecra rechnet für 2013 mit einem Rückgang der Pkw-Neuzulassungen um insgesamt 3,8 Prozent auf 12,05 Millionen Einheiten. Für 2012 hatte die Cecra-Divison ECD (European Car Dealers) ein europaweites Minus von 7,2 Prozent prognostiziert – und lag damit leider richtig.

Mehr über die möglichen Überflieger 2013 und die Bestseller 2012 in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt