Die Top Ten der Lieferwagen

Die Top Ten der Lieferwagen

Die Überflieger des Jahres

Große Transporter stecken richtig was ein und schaffen ordentlich was weg. Das sind die meistverkauften Nutzfahrzeuge.

18. April 2013

Kurierfahrer und Supermarkt-Lieferanten dürften aufgehorcht haben, als kürzlich mehrere Tuning-Blogs im Internet von der neuen Transporter-Rennserie „Touring Van Championship“ berichteten, die Toyota in England noch diesen Juli starten wolle. Angeblich würden die Fahrer bereits auf britischen Autobahnen für den Wettbewerb üben. Doch was wie eine sportliche Idee klang, erwies sich als dreister Aprilscherz: Es gibt kein solches Rennen.

 

 
 

Also wie gehabt: Transporter bleiben vom offiziellen Rennzirkus leider ausgeschlossen. Dabei scheinen sie auch für Rennen gemacht: Obwohl die soliden Blechkisten mit hoher Stirn den Luftwiderstand einer Ziegelsteinmauer haben, bringen brummige Dieselmaschinen mit ordentlich PS sie auf beachtliche Geschwindigkeiten. Ihre Heimat ist die Autobahn. Mit vielen Serien-Pkw halten die rasanten Nutzfahrzeuge locker mit.

Stellvertretend für die Klasse dieser Kleinst-Lkw, die mit normalem B-Führerschein gefahren werden dürfen, ist der VW Crafter. Sein Vorgänger, den Volkswagen mehr als 20 Jahre lang baute, musste sich noch mit der schmucklosen Abkürzung LT als Modellname begnügen, und auch sein Antrieb war bescheiden: Aus einem Fünfzylinder-Diesel quälten sich 75 PS, ein Turbodiesel erhöhte diese Minderleistung später auf bis zu 102 PS. Nicht viel für ein Fahrzeug mit bis zu 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht.

Blumige Modellbezeichnungen

Ganz anders der Crafter, den VW seit 2006 baut: Schon der klangvolle Name spiegelt den zunehmend härteren Wettbewerb wider, in dem auch einprägsame, blumige Modellbezeichnungen als unentbehrliches Marketing-Instrument angesehen werden. Und dazu gehört natürlich auch eine kraftvolle Motorisierung: Der stärkste Antrieb entwickelt mit Hilfe eines Doppelturbos stattliche 163 PS. Das sorgt für beeindruckende Beschleunigungswerte und eine erkleckliche Endgeschwindigkeit von bis zu 160 km/h.

Wobei das Spurtvermögen von 0 auf 100 km/h (Leerzustand) vom Hersteller schamhaft verschwiegen wird. Oder fragen die Kunden das einfach nicht nach? Schwer zu glauben: Die Klasse der leichten Nutzfahrzeuge ist natürlich nicht zuletzt wegen ihrer Agilität beliebt.

Höheres Unfallrisiko

Überschätzen darf man sie allerdings nicht: Nach einer Studie von Bundesanstalt für Straßenwesen (BaSt), Dekra und den Unfallforschern der Versicherer (UdV) waren im Jahr 2008 je neun von 1.000 zugelassenen Pkw an einem Unfall beteiligt. Bei Transportern liegt das Verhältnis bei 12:1000. Allerdings spulen die kleinen Nutzfahrzeuge 80 Prozent mehr Kilometer ab als gewöhnliche Autos.

Wer einmal am Steuer eines solchen Riesenautos saß, fühlt sich wie der König der Landstraße: Schon die erhöhte Sitzposition verschafft den großen Überblick, der für Entspannung sorgen sollte. Selbst wuchtige SUV sind vom Cockpit eines Transporters aus plötzlich irgendwo „da unten“, mit Truckern und Busfahrern begegnet man sich (fast) auf Augenhöhe – um die lahmen Schnecken schon beim nächsten „Grün“ durch einen lässigen Kick aufs Gaspedal hinter sich zu lassen.

Gute Argumente

Es spricht vieles für einen Transporter – er beansprucht im Vergleich zum 7,5-Tonner wenig Parkraum, bleibt (bisher) von amtlichen Auflagen wie Fahrtenschreiber und Autobahnmaut verschont, ist schnell und wendig. Außerdem kann man ihn als Lastkraftwagen eintragen lassen. Dann wird der Transporter nicht nach Hubraum und Emissionswerten, sondern nach Gewicht besteuert, was die Kfz-Steuer bei Neuwagen etwa halbiert.

Kein Wunder, dass der Markt beständig wächst: Allein zwischen 2010 und 2011 wurde die Produktion „leichter Nutzfahrzeuge“ in Europa um 25 Prozent auf über 2,4 Millionen Einheiten gesteigert. Deutsche Hersteller sind dick im Geschäft: 2011 wurden hierzulande knapp 440.000 Transporter gefertigt. Das meiste davon ging ins Ausland.

Sprinter klar vorn – vor dem Transit

Wenn es auch vorläufig nicht zur offiziellen Transporter-Championship kommt, so spielt sich doch zumindest bei der aktuellen Zulassungs-Rangliste vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) aus dem Jahr 2011 (Lkw-Zahlen für 2012 liegen noch nicht vor) ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab: Platz 1 ist hart umkämpft, nur mit etwas über 3.000 Fahrzeugen Abstand siegte der Mercedes Sprinter vor dem Ford Transit. Auf insgesamt 31.492 neu zugelassene Sprinter aller Modellvarianten folgten 28.252 Transit.

Seit 1995 die erste Fahrzeug-Generation herauskam, hat Mercedes rund 2,5 Millionen Einheiten verkauft. In ganz Europa ist der Sprinter der Bestseller seiner Klasse. Der nahezu baugleiche VW Crafter ist bei weitem nicht so erfolgreich. Weltweit verkaufte Mercedes 2012 rund 159.000 Sprinter, während Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) „nur“ 49.200 Crafter absetzte. Vielleicht deswegen haben die Wolfsburger (bzw. Hannoveraner) kürzlich angekündigt, die Kooperation zu verlassen. Der neue Sprinter kommt im Sommer 2013, ohne VWN-Brüderchen.

Seitenwind-Assistent und Abstandswarner

Das Geheimnis des Sprinter-Erfolgs? „Der Sprinter ist im Bewusstsein der Konsumenten präsent“, heißt es bei Mercedes selbstbewusst. Schon sein Name gelte – wie beim VW Golf – für die ganze Fahrzeugklasse. In diesem Frühjahr erhält der Transporter, der ausschließlich in Deutschland gefertigt wird, eine Modellpflege. Sie beinhaltet verbesserte Sicherheitstechnik: Dann wird ein elektronischer „Seitenwind-Assistent“ ab 80 km/h selbsttätig das ESP aktivieren, um beim Überholen großer Lkw bzw. beim Wiedereinscheren ein Verreißen der Lenkung infolge von Seitenwind zu verhindern. Außerdem erhält der Mercedes-Transporter einen radargestützten Abstandswarner.

Im Gegensatz zum Sprinter hat der Ford Transit hat einen hohen Anteil an Pkw-Zulassungen, die zumeist auf die Bus-Variante Tourneo entfallen – dabei handelt es sich vor allem um kleiner motorisierte Fahrzeuge mit geringer Nutzlast, die aber nicht zwingend als Privatwagen genutzt werden müssen. Aufgrund der Rundumverglasung erhalten sie nach der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung keine Lkw-Zulassung; Voraussetzung dafür ist ein fensterloser Aufbau.

Auf dem 3. Platz der Transporter-Charts liegt der Fiat Ducato mit 11.337 Neuzulassungen. Besonders beliebt ist der Italiener als Basis für Wohnmobile (rund 14.400). Knapp dahinter folgt der VW Crafter mit 10.805 Einheiten. Diese vier Modelle teilen mehr als die Hälfte des Markts in Deutschland unter sich auf.

Den Rest der Top Ten finden Sie in der Bildergalerie.

Text: rg/fayvels büro