Singer Porsche

Singer Porsche

Sweet Seventies

Die amerikanische Sportwagenmanufaktur Singer kreiert aus einem Porsche 964 einen modernen Klassiker für Individialisten. Den Sonderwünschen sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Das gilt auch für den Preis.

28. Februar 2013

Einen Porsche 911 der Baureihe 964 gibt es in den USA für 15.000 bis 20.000 Dollar. Der rundliche Nachfolger des G-Modells ist auf dem Gebrauchtwagenmarkt beliebter denn je. Auch Rob Dickinson, Inhaber der Sportwagenfirma Singer, sucht die Elfer, die zwischen 1989 und 1994 vom Band liefen.

Seine Firma kreiert aus dem 964er automobile Schmuckstücke mit Retrocharme. "Unter dem Strich kostet so ein Singer Porsche mindestens 420.000 Dollar", sagt Rob Dickinson, "die Preise gehen hinauf bis auf 550.000 Dollar. Je nachdem, welche Wünsche der Kunde hat." Geld darf keine Rolle spielen und die finanzstarken Kunden kommen aus Europa, Asien und Südamerika.

Wer sich entschieden hat, muss erst einmal warten. Die Bauzeit eines Singer Porsche liegt bei 3.600 Stunden - ein knappes Jahr. "Die Kunden suchen bei uns etwas Einzigartiges - alt und doch auch neu. Wie einen alter Freund, den man immer um sich haben möchte", so Dickinson. Die Warteliste wird täglich länger. Für die nächsten Jahre ist Singer ausverkauft.

 

 
 

Wo bleibt der 964er?

Man nehme einen Porsche 911 der Baureihe 964, zerlege ihn in Einzelteile und baue ihn von Grund auf zu einem historischen Porsche-Modell der Chrom-Ära mit moderner Rennsporttechnik um. Firmenchef Rob Dickinson: "Ich habe Autodesign studiert, wollte aber eigentlich Rockstar werden. Daher kommt auch der Firmenname: Singer."

In Eigenleistung baute er einen 1969er Porsche 911 3.0 zum Retrorenner mit dem Kennzeichen California 69 POR um. "Das ist mein gelber Frankenstein-Porsche", lacht Rob, "ich wohne in Hollywood. Immer wieder wurde ich auf dieses Auto angesprochen. Viele wollten es mir an der Ampel abkaufen. Ich fahre den Wagen jeden Tag."

Gerade ist ein weißer Singer Porsche fertig geworden. Er geht für fast 500.000 Dollar an einen Kunden aus Indonesien. Der Look ist einzigartig: rote Sportstühle mit gestepptem Leder, LED- und Xenonleuchten, Klimaanlage und ein komplett mit Leder bespanntes Armaturenbrett. Und hinter dem Steuer zeigt sich schnell - nicht nur optisch ein Hochgenuss.

Komplette Überarbeitung

Design, Fahrwerk und Innenraum des ehemaligen 964ers werden komplett verändert. "Alles wird nackt gemacht und herausgeschnitten", so Techniker Marlon Goldberg, "auch das Boxertriebwerk wird einer Kraftkur unterzogen." Cosworth baut die Motoren um - das dauert knapp sechs Monate.

"Danach haben diese dann 3,8 Liter Hubraum, rund 350 PS, die Ventile vom 993 RS und viele Details von Sporttriebwerken. Der Kunde kann sich dann entscheiden, ob er eine 993er Sport- oder Serienschaltung will. Differenzialsperre und was sonst noch", so Goldberg weiter, "wir machen fast alles möglich."

Karbonteile sorgen dafür, dass das Singer-Modell um mehr als 200 Kilogramm im Vergleich zum Serien-964er abspeckt.

Irgendwo in L.A.

Wer Singer Porsche sucht, fährt quer durch Los Angeles, in den wenig schmucken Norden der Millionenmetropole an der kalifornischen Westküste. Auf dem wenig ansehnlichen Hof an einer Einfallstraße residiert die Firma.

Mittlerweile arbeiten sechs Personen daran, aus abgetakelten 964er Porsche automobile Schmuckstücke zu machen. Die einen Porsche-Fans sind begeistert; andere schütteln ob der Porsche-Blasphemie nur den Kopf.

Der weiße 911er, der fast fertig in den Werkshallen steht, steht kurz vor der Abreise nach Indonesien. "Das war ehemals ein 1990er Porsche 964", erzählt Techniker Marlon Goldberg, "das ist unser Auto Nummer sechs." Fast ein Jahr lang haben die Singer-Leute auch an diesem Retro-Sportler herumgedoktort.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff