Gebrauchtwagenkauf in Peking

Gebrauchtwagenkauf in Peking

Für jeden etwas

Der Markt für Neufahrzeuge schwächt sich auch im asiatischen Boom-Land ab, doch ein neues Geschäftsfeld beginnt zu blühen - der Handel mit gebrauchten Automobilen. Wie nicht anders zu erwarten in gigantischen Dimensionen.

In China erwacht ein neuer Trend zum Leben: Der Gebrauchtwagenhandel. Das Angebot kann mit der Nachfrage noch nicht ganz mithalten. Das hat Auswirkungen auf die Preise: Ein Audi A6 ist nach einem Jahr noch etwa 85 Prozent seines Neupreises wert. Dabei muss aber bedacht werden, dass beim Neukauf noch einmal acht Prozent Steuer auf den Händlerpreis addiert werden.

"In der Regel werden bei uns gebrauchte Autos nach 15 bis 20 Tagen weiterverkauft", erklärt Cul Tao, der bei einem Pekinger Audi-Händler das Gebrauchtwagen-Geschäft leitet.

 

 
 

Die Automeile

Wer bei einem Vertragshändler nicht fündig wird, hat im Süden Pekings vielleicht Glück. Dort gibt es eine kilometerlange Automeile. Mercedes ist dort vertreten und, direkt daneben, der "Huaxiang Used Car Market".

Die Gebäude unterscheiden sich kaum von denen der deutschen Premiummarke mit dem Stern. In den weitläufigen Hallen finden sich einige Luxusmobile, die auch jedem Europäer ein Lächeln ins Gesicht zaubern würden. Vom Ferrari 458 über den Bentley Continental bis zum Lamborghini Gallardo Spyder.

Preise deutlich höher

Die Preise für die automobilen Preziosen sind deutlich höher als hierzulande. Der gebrauchte Lamborghini Gallardo Spyder kostet die Kleinigkeit von 350.000 Euro. Der Neupreis des Geschosses aus Sant'Agata Bolognese betrug übrigens geschmeidige 605.000 Euro, auch dank der hohen Luxussteuer.

Da Chinesen Luxusgüter in der Regel neu kaufen, steht der Lamborghini schon eine Weile. Das zeigt auch der händisch um 100.000 Yuan reduzierte Preis in der Windschutzscheibe des Renners. Allerdings gehört auch im Reich der Mitte das Handeln zum Handwerk. Nachlässe sind auch bei Luxusschlitten an der Tagesordnung.

Freiluft-Plätze für die "Preiswerten"

Im hinteren Areal, auf den Freiluft-Parkplätzen, stehen nicht ganz so teure Autos. Alle blitzblank geputzt auf einem durchgängig asphaltierten Platz.  "Etwas preiswerter" sind Fahrzeuge wie ein 3er BMW, Mini, Skoda Octavia oder VW Passat, Toyota oder Stufenheck-Peugeot.

Alte Autos findet man hier nicht. Die werden umgehend in die Provinz verkauft.

Finanzierung möglich

Seit Anfang dieses Jahres kann man ein Auto auch finanzieren. Je nach Laufzeit variieren die Raten, die interessanterweise pro Tag angegeben werden. Allerdings muss bei jedem Ratenkauf die Hälfte des Preises bar bezahlt werden.

Viel Papierkram

Ist man dann endlich glücklicher Besitzer eines Autos, ist noch jede Menge Papierkram zu erledigen. Die Finanzierung muss vorgelegt werden, der Führerschein und einige Bescheinigungen.

Deswegen geht es in der Halle, in der die Autos umgeschrieben werden, auch zu wie in einer monströsen Zulassungsstelle. Hunderte von Menschen wuseln wie Bienen in ihrem Stock durcheinander. Andere sitzen auf einfachen Plastikstühlen und warten, bis ihre Wartenummer rotschimmernd auf digitalen Anzeigen erscheint.

Zulassungs-Lotto

Nur wer ein Nummernschild hat, darf auch ein Auto erwerben. Das Kennzeichen bleibt beim Besitzer und wandert so von einem Wagen zum anderen.

Doch die Ausgabe der begehrten Blechplatten wird in Peking zunehmend restriktiv gehandhabt. Um dem Verkehrs- und Klimainfarkt der Megastadt entgegenzuwirken, hat die Regierung die Vergabe der Schilder massiv eingeschränkt. Die Anzahl der Automobile in Peking soll bis 2015 auf sechs Millionen beschränkt werden.

Jeden Monat werden nur 20.000 Nummernschilder bei einer Online-Lotterie zugeteilt. Rund eine Million Einwohner nehmen an der Verlosung teil.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll