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ADAC Staubilanz 2012

So geht es am Stau vorbei

285.000 Autobahnstaus hat der ADAC 2012 gezählt. So kommen sie 2013 ohne Wartezeiten voran.

16. Januar 2013

Die gute Nachricht zuerst: Statistisch dauert ein Stau auf der Autobahn nicht mal eine Stunde. Nach 48 Minuten nimmt die zum Warten verdonnerte Blechlawine wieder Fahrt auf. Rein rechnerisch jedenfalls.

Nun die schlechte: 285.000 Staus hat der ADAC im Jahr 2012 auf deutschen Autobahnen gezählt. Macht 780 pro Tag. Gesamtdauer: 230.000 Stunden. Gesamtlänge: 595.000 Kilometer.

 

 
 

Drastischer Anstieg nur in Zahlen

Der nackte Zahlenvergleich mit dem Vorjahr fällt dramatisch aus: 2011 verzeichnete Deutschlands größter eingetragener Verein rund 190.000 Staus mit einer Gesamtlänge von 450.000 Kilometern. Grund für den dramatischen Anstieg sei allerdings nur das inzwischen deutlich genauere und größere Datenpaket. Unterm Strich wäre das tatsächliche Staugeschehen 2012 auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Vorjahr. Schlimm genug.

„Die Staubilanz zeigt, wie überlastet das deutsche Autobahnnetz mittlerweile ist“, sagt ADAC-Präsident Peter Meyer. Und fordert: „Die besonders stauanfälligen Abschnitte müssen dringend ausgebaut werden!“ Und das bitte schön in den verkehrsarmen Zeiten, denn nichts provoziert mehr Staus auf den Fernstraßen als die Kombination Baustelle/hohes Verkehrsaufkommen. 71 Prozent aller Staus auf Bundesautobahnen (BAB) seien darauf zurückzuführen.

NRW ist die absolute Stauhochburg

Nordrhein-Westfalen darf gern den Anfang machen mit dem Autobahnausbau: Mit einem Anteil von rund 25 Prozent an den gemeldeten Staustunden und Staukilometern lag das närrische Bundesland auch 2012 klar auf Platz eins der Verkehrs-Charts.

Aufs bevölkerungsreichste folgt traditionell das größte Bundesland: Bayern liegt auf Platz zwei (16 Prozent), gefolgt von Baden-Württemberg (14 Prozent).

Verhältnismäßig entspannt ging es auf den Autobahnen während der Sommermonate zu. An den zwölf Ferienwochenenden vom 22. Juni bis 9. September 2012 registrierten die Gelben Engel „nur“ 861 Staus mit einer Länge von zehn Kilometern oder mehr – und das, obwohl es elf Prozent mehr Baustellen gab als im Vorjahreszeitraum.

Lag es an den hohen Kraftstoffpreisen? Vielleicht war deshalb weniger los auf den Straßen, mutmaßt der Verkehrsclub. Auf jeden Fall mit zum Rückgang beigetragen haben dürfte, dass der Sommerferien-Beginn im Norden Deutschlands sich nicht mit dem Pfingstferien-Ende im Süden der Republik überschnitt, und die Schulen in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen nicht beinahe gleichzeitig ihre Pforten schlossen. Das führte 2011 zu aberwitzigem Gedränge auf den Hauptreiserouten.

Freitage und Sonntage meiden!

Stauträchtigster Tag des Jahres war wieder einmal der Freitag. 440 der 861 längsten Ferienstaus fielen auf den letzten Arbeitstag der Woche. Platz zwei geht an den Samstag (216). Knapp dahinter und bedauerlicherweise stetig im Aufwind: der Sonntag mit mittlerweile 212 Feriengroßstaus.

Die Hitliste der Stau-Autobahnen führen seit Jahren die fünf „klassischen“ Reiserouten an:

 

  • A8 Karlsruhe – Stuttgart – München – Salzburg (146 Staus)
  • A7 Flensburg - Hamburg – Hannover – Würzburg – Füssen (127)
  • A9 Berlin – Nürnberg – München (115)
  • A1 Köln – Bremen – Hamburg – Lübeck (105)
  • A3 Köln – Frankfurt – Würzburg – Nürnberg (96)

 

Einigermaßen zuverlässig von Staus verschont bleibt nur, wer sich den Luxus leisten kann, azyklisch zu fahren – sei es im Alltag zur Arbeit und zurück oder im Urlaub zum Reiseziel.

Diese Termine sollten Sie sich merken!

Eine kleine Hilfestellung bei der Reiseplanung gibt der Staukalender 2013. Hier die wichtigsten Eckdaten.

Rot ankreuzen im Kalender sollte man sich diese Termine – hier rechnet der ADAC mit „sehr starkem Verkehr und längeren Stauungen“:

 

  •  28. März (Gründonnerstag)
  •  8. Mai (Mittwoch vor Christi Himmelfahrt/langes Wochenende)
  • 17. Mai (Freitag vor Pfingsten)
  • 13. Juli (Samstag/Sommerferien)
  • 19./20. Juli (Freitag/Samstag; Sommerferien)
  • 26./27. Juli (Freitag/Samstag; Sommerferien)
  • 2./3. August (Freitag/Samstag; Sommerferien)
  • 9./10. August (Freitag/Samstag; Sommerferien)
  • 17. August (Samstag/Sommerferien)

 

Feiertagsbedingte Urlaubsbrücken bieten sich 2013 – je nach Bundesland – unter anderem um folgende Termine herum an:

 

  • 1. Mai (Mittwoch)
  • 30. Mai (Fronleichnam/Donnerstag)
  • 15. August (Mariä Himmelfahrt/Donnerstag)
  • 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit/Donnerstag)
  • 31. Oktober (Reformationstag/Donnerstag) und 1. November (Allerheiligen/Freitag).

 

- Weihnachten und Silvester fallen 2013 arbeitnehmerfreundlich auf einen Dienstag. Wenigstens die Weihnachtsbrücke ist wohl gesetzt.

- Günstige Reisetage während der (Sommer-)Ferien sind Dienstag und Mittwoch.

- Am stärksten ist der Reiseverkehr in die Urlaubsgebiete an Freitagen und vor Feiertagen von 13:00 bis 20:00 Uhr und an Samstagen von 09:00 bis 15:00 Uhr.

- Die Rückreisewelle rollt freitags von 14:00 bis 19:00 Uhr, samstags von 11:00 bis 18:00 Uhr sowie sonntags von 14:00 bis 20:00 Uhr.

- Die Osterferien sind traditionell die erste große Urlaubsreisewelle des Jahres. Erster Ferientag ist in den meisten Bundesländern Montag, der 25. März 2013. Ski-Urlauber sollten sich den stauträchtigen 22. März (Freitag!) also lieber schenken.

- Am 19. Juni (letzter Schultag) starten die ersten Bundesländer (Berlin, Brandenburg, Hamburg) in die Sommerferien, am 11. September sollten die letzten Familien mit schulpflichtigen Kindern wieder daheim sein – tags drauf heißt es auch im Sommerferien-Nachzügler-Bundesland Bayern wieder früh aufstehen.

- Die größtmögliche Überschneidung der Ferienzeiten gibt es vom 25. März bis 2. April, vom 31. Juli bis 3. August und ab dem 23. Dezember. In dieser Zeit haben 90 bis 100 Prozent aller Bundesländer zeitgleich frei. Tolle Tage für Berufstätige – endlich freie Parkplätze in den Innenstädten.

- Nichts los auf der Autobahn (außerhalb der Stoßzeiten) – diesen Zustand erlebt man 2013 am wahrscheinlichsten in folgenden Zeitschienen: 13. Januar bis 30. Januar, 24. Februar bis 3. März, 10. April bis 1. Mai, 2. Juni bis 18. Juni, 12. September bis 29. September sowie 3. November bis 18. Dezember. In diesen Wochen hat kein einziges Bundesland Ferien.

Vertrauenswürdige Staumeldungen und -warnungen gibt es unter anderem auf den Webseiten aller Verkehrsclubs (u.a. ADAC, AvD, ACE, Mobil in Deutschland) sowie auf speziellen Stau-Info-Seiten (z.B. verkehrsinfo.de) und bei lokalen Radiostationen.

Text: Ralf Bielefeldt | Bildmaterial: pix4U - Fotolia