10 Jahre Lamborghini Gallardo

10 Jahre Lamborghini Gallardo

Erfolgreicher Ferrari-Konkurrent

Mit dem Gallardo machte Lamborghini den Schritt zurück zum erfolgreichen Sportwagen-Hersteller. Das nach einer Kampfstier-Gattung benannte automobile Geschoss begeisterte über zehn Jahre die Sportwagen-Fans.

12. Dezember 2013

Wenn ein Auto zehn Jahre lang nicht durch einen Nachfolger abgelöst wird, dann sagt das schon einiges aus. Der Lamborghini Gallardo hat genau das geschafft. Aus gutem Grund: Der italienische Dampfhammer mit V10-Power unter der Heckklappe sieht martialisch aus und fährt auch so. Der vollmundig schmetternde Zehnzylinder schöpfte zu Beginn aus fünf Litern Hubraum 520 PS und ein maximales Drehmoment von 510 Newtonmetern. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 315 km/h zeigte der Italiener der Konkurrenz meistens nur das schmucke Heck.

Bei der Präsentation auf dem Genfer Autosalon 2003 war die Resonanz überwältigend, und die Auftragsbücher der Lamborghini-Händler trotz eines Kaufpreises von 160.000 Euro innerhalb kürzester Zeit rappelvoll. Im Schnitt fanden 2.000 Gallardos pro Jahr einen Abnehmer. Ab 2004 ging auch die Polizia Stradale mit einem Gallardo auf Raserjagd. Drei Jahre später freute sich die italienische Autobahnpolizei über die neuere Version des Kampfstiers in ihren Reihen.

 

 
 

Namensgeber war eine Kampfstier-Gattung

Für das Design des rasanten Sportwagens war Luc Donckerwolke verantwortlich, aus dessen Feder bereits der Supersportwagen Murciélago stammte. Mit der kantig-futuristischen Linienführung manifestierte der belgische Designer die heute noch aktuelle Formensprache der Autos aus Sant'Agata Bolognese.

Der Name des kleinen Lamborghini was schnell gefunden. Der Tradition entsprechend wurden spanische Kampfstiere als Vorbild genommen: Die Gallardos, die im 18. Jahrhundert gezüchtet wurden, zeichneten sich durch ihren Mut und ihren unbändigen Kampfeswillen aus.

Initiative von Audi

Die Initiative, ein Einstiegsmodell, das dem Ferrari 360 Konkurrenz machen sollte, zu kreieren, kam von Audi: Die Ingolstädter, die die italienische Sportwagenschmiede 1998 übernommen hatten, drängten auf neue wettbewerbsfähige Modelle. Das Pflichtenheft war schnell erstellt: Leicht, wendig, stark. Also basierte der Gallardo auf einem Aluminium-Spaceframe, ein permanenter Allradantrieb mit neuem sequentiellen Getriebe sollte für Vortrieb sorgen.

Letzteres erfüllte aber nicht von Beginn an die Erwartungen. Die Gangwechsel waren oft ruppig und alles andere als sportlich schnell. Während der zehnjährigen Bauzeit tüftelten die Techniker immer wieder am "Lamborghini e-gear" herum.

Rasantes Cabrio

Natürlich durften ein rasantes Spyder-Cabrio und der ganz auf Leistung und Leichtbau getrimmter Gallardo Superleggera mit 530 PS im Portfolio nicht fehlen.

2008 legten die Techniker aus Sant'Agata Bolognese noch einen drauf und befriedigten die Tempogier der Gallardo-Jünger mit dem Lamborghini Gallardo LP 560-4. Dank einer Hubraum-Vergrößerung auf 5,2 Liter kombiniert mit Direkteinspritzung schaffte der Sportler jetzt 560 PS und einen Top-Speed von 325 km/h. Auch das Blechkleid wurde etwas gestrafft, ohne die dynamische Formensprache des Vorgängers zu verlassen.

Wie fünf Jahre zuvor folgten auch hier ein Spyder sowie der leichte Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera und zeigten, dass nach wie vor unverändert große Potential des kleinen Lamborghini.

Dass damit die Reise noch längst zu Ende war, bewies vor drei Jahren der Lamborghini Gallardo LP 570-4 Spyder Performante, der noch einmal an Gewicht verloren und an Leistung zugelegt hatte.

Allradantrieb kein unumstößliches Dogma

Doch das Streben nach dem Optimum der Sportlichkeit ging auch nach diesem Schritt weiter, und die Norditaliener beglückten die Fans mit immer neuen Sondermodellen.

Dabei zeigte sich bei Fahrzeugen wie dem Gallardo LP 550-2 Valentino Balboni, der zu Ehren des legendären Testfahrers gebaut wurde, oder dem LP 550-2 Spyder, dass der Allradantrieb kein unumstößliches Dogma war.

Gallardos im Rennsport

Auch wenn Ferrucio Lamborghini Rennsport egal war, gehört er inzwischen zur Marke: Schon seit einigen Jahren fasziniert die Lamborghini-Serie Super Trofeo die Fans, und auch im GT-Sport werden Gallardos eingesetzt. Dass dementsprechend natürlich auch Sondermodelle aufgelegt werden, gehört fast schon zum guten Ton.

Der LP 570-4 Super Trofeo Stradale zeigte vor zwei Jahren unter dem Motto der "extremste Gallardo aller Zeiten" eine straßentaugliche Version des Sportlers, nur um in diesem Jahr von dem Lamborghini Gallardo LP 570-4 Squadra Corse mit - wie der Name schon sagt - 570 PS und einem Trockengewicht von 1.340 Kilogramm noch einmal übertroffen zu werden. Diese Granate ist das vorläufige Finale der Gallardo-Geschichte.

Dennoch ist die Latte für die nachfolgende Baureihe namens Cabrera hoch gelegt.

Letzter Gallardo geht an einen Sammler

So erfolgreich die Ära des Gallardo, so schlicht der Abschied. Als das letzte Modell - ein marsroter Gallardo LP 570-4 Spyder Performante - vom Band rollte, versammelte sich die Produktionsmannschaft zu einem Foto. Ein kurzer Klick auf den Auslöser. Das war's.

Dann ging der 14.022. und letzte Lamborghini Gallardo auf die Reise zu seinem Besitzer - einem Sammler.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll